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Altes Metzler-Areal : Ein Hochhaus mit Hüftschwung in Frankfurt

Ausdrucksstark: Blick aus der Neuen Mainzer Straße auf den Entwurf Bild: Simulation BIG

Das ist neu in Deutschland: ein Turm mit Wohnungen und Büros. Im Frankfurter Bankenviertel soll ein Hochhaus zum Leben und Arbeiten entstehen. Ungewöhnlich ist bei dem Entwurf die Anordnung der Wohnungen.

          Es ist ein Novum: Gemischt genutzte Hochhäuser gibt es zwar schon in vielen internationalen Metropolen, aber in Deutschland wurden Büros und Wohnungen bisher nur getrennt in die Höhe gestapelt. In Frankfurt wird nun das erste Hochhaus errichtet, in dem sowohl gelebt als auch gearbeitet wird. Der Projektentwickler Tishman Speyer stellte den Siegerentwurf für den 185 Meter hohen Turm vor.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          In einem kleinen Gutachterverfahren unter dem Jury-Vorsitz des Architekten Christoph Mäckler hat sich das dänische Büro BIG Bjarke Ingels Group gegen vier Mitbewerber durchgesetzt: Snöhetta aus Oslo, Jean-Paul Viguier aus Paris, Ole Scheeren aus Peking und Bille Beye Scheid aus Frankfurt. BIG hat einen 185 Meter hohen Turm entworfen, bei dem die in der Mitte angeordnete Wohnnutzung klar ablesbar ist. Die acht Etagen mit 100 bis 120 Apartments treten leicht hervor und bilden begrünte Terrassen aus. Für den Architekten Bjarke Ingels entsteht so der Eindruck, dass sich der Turm „in den Hüften wiegt“. Je näher der Betrachter herantrete, umso dramatischer wirke dieser Effekt.

          Geplant für das alte Metzler-Areal

          Die ersten drei der insgesamt 45 Geschosse sind öffentlich begehbar, dort sollen außer der Lobby auch ein Restaurant oder andere öffentliche Nutzungen einziehen. Darüber entstehen Büros, bevor etwa in der Mitte des gläsernen Turms der „Hüftschwung“ mit den Wohnungen folgt. Über diesem architektonischen Akzent folgen weitere Büroetagen, der Grundriss des Turms ist dort etwas schlanker als im unteren Teil. Den Kopf des Turms soll BIG noch einmal überarbeiten, möglicherweise würden auch dort eine oder zwei Etagen verschoben, sagte Ingels. Vor dem Gebäude entsteht in Richtung Innenstadt ein kleiner Platz mit Grünflächen und Sitzgelegenheiten.

          Tishman Speyer will das Gebäude bis 2018 auf dem ehemaligen Gelände der Metzler Bank an der Großen Gallusstraße realisieren. Der Abriss des alten Bankhauses hat begonnen, der Bauantrag für die Baugrube wurde schon gestellt. Es ist bereits das vierte Hochhaus, das Tishman Speyer in Frankfurt realisiert. „Wir haben uns bei unserem vierten Hochhaus vorgenommen, einen neuen Typus zu schaffen“, sagte Deutschland-Geschäftsführer Florian Reiff. Der Entwurf sei „innovativ“, „spielerisch“ und „nachhaltig“.

          Ungewöhnliche Anordnung der Wohnungen

          Reiff sieht einen „globalen Trend“, dass die Menschen in den Stadtzentren nicht nur arbeiten, sondern auch leben wollten. „Wir müssen Schritt für Schritt den Monostrukturen entkommen.“ Frankfurt sei dafür der richtige Ort, denn die Stadt sei fortschrittlicher und offener gegenüber neuen Ideen als andere deutsche Städte.

          Für die Büros wurden noch keine Mietverträge abgeschlossen. Reiff sieht jedoch einen hohen Bedarf an effizienten Büroflächen in der Innenstadt. Dass die Wohnungen in der Mitte des Turms angeordnet werden und nicht an dessen Spitze, ist ungewöhnlich. Der Bauherr führte aus, dass sie so besser mit der Stadt verbunden seien und dem „menschlichen Maßstab“ gerechter würden.

          Planungsamtsleiter Martin Hunscher lobte das skulpturale Erscheinungsbild des Gebäudes als „Bereicherung für Frankfurt“. „Eine Vielfalt in der Formensprache ist uns wichtig.“ Besonders gelungen seien auch die Erschließung und Andienung des Gebäudes. Die Einfahrt zur Tiefgarage liegt an der Neuen Schlesingergasse und störe nicht im öffentlichen Raum. Die Nutzung der unteren Etagen solle nun noch weiterentwickelt werden.

          „Ein Stück New York“

          Für Planungsdezernent Olaf Cunitz (Die Grünen) wird Frankfurt „ein Stück weit amerikanischer“. Mit dem Projekt werde die anderswo übliche vertikale Schichtung unterschiedlicher Funktionen nun auch hier etabliert. Der Bauherr betätige sich wie schon beim Taunusturm, in dem eine Dependance des Museums für Moderne Kunst untergebracht wurde, als Pionier. „Das Bankenviertel sprudelt abends nicht über. Wir wollen Leben in die Hochhäuser bekommen“, sagte Cunitz. Das neue Projekt sei „ein Stück New York“ und bringe die Stadt dem Ziel näher, das Bankenviertel zu einem gemischt genutzten Stadtteil weiterzuentwickeln. Der Dezernent äußerte die Hoffnung, dass sich die Bebauung auf dem Nachbargrundstück, das der Deutschen Bank gehört, an der hohen Qualität orientiere.

          Dort hat sich die Deutsche Bank offenbar mit den Denkmalschützern verständigt, die einen Teil der Bebauung unter Schutz gestellt haben. Eine teilweise Öffnung des Geländes zur Junghofstraße soll nun trotz des Denkmalschutzes möglich sein. Hunscher zufolge bereitet der Projektentwickler Groß & Partner einen städtebaulichen Wettbewerb für das Areal vor, auf dem mehrere kleinere Hochhäuser, Wohnungen und Einzelhandel angesiedelt werden können. Demnach hat sich der Frankfurter Projektentwickler in einem vorangegangenen Bieterverfahren durchsetzen können.

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