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Frankfurt : Ein Boot zum Schwimmen und Schwitzen

Mit geteiltem Becken: So soll das Badeschiff aussehen. Bild: Schwanenflug

Damit sich das geplante Badeschiff finanziell lohnt, soll es Gastronomie, eine Sauna und einen Fitnessclub bekommen. Ein Hauptsponsor fehlt noch.

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          Berlin und Antwerpen haben es schon, Frankfurt soll es bekommen: Werden die Pläne von Eckart von Schwanenflug Wirklichkeit, liegt 2014 ein Badeschiff vor dem Theodor-Stern-Kai in Sachsenhausen. Der Frankfurter Projektentwickler ist nicht der Erste, der sich an das Projekt wagt. Schon ein halbes Dutzend Initiativen haben sich vergeblich bemüht, eine schwimmende Badeanstalt am Mainufer zu vertäuen. Doch Schwanenflugs Pläne sind vergleichsweise weit gediehen. „Es soll eine echte Frankfurter Institution geschaffen werden, ein Klassiker, der langfristig Bestand hat“, sagt er.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Der Planer hat seine Idee erstmals vor einem halben Jahr präsentiert, damals träumte er noch von einem Liegeplatz am nördlichen Mainufer auf Höhe des Bahnhofsviertels. Doch der Magistrat hat sich auf andere Orte festgelegt, an denen der Schiffsverkehr nicht behindert würde, darunter ist auch der Theodor-Stern-Kai in der Nähe des Uniklinikums. Inzwischen hat Schwanenflug die Idee zwar weiterentwickelt und mit den Ämtern und Bäderbetrieben abgestimmt, er ist aber weiter auf der Suche nach einem Hauptsponsor. Eine Projektgesellschaft soll das Vorhaben nun vorantreiben.

          Wellness-Becken und Sonnenterrasse

          Auf dem Papier steht das Konzept schon fest: 140 Meter lang und 19 Meter breit, soll das flache Schiff neben der Friedensbrücke vor Anker gehen. Ein Fünfzig-Meter-Becken, möglicherweise geteilt in zweimal 25 Meter, soll den sportlichen Charakter des Badeschiffs betonen. Dazu würden ein Wellness-Becken mit Unterwasserdüsen und eine Sonnenterrasse mit Whirlpool und Liegen etwas Komfort bieten. In der Saison von April bis Oktober wäre das Schiff von 6 bis 22 Uhr geöffnet. Falls eine Traglufthalle genehmigt wird, wäre es auch im Winter zu nutzen. Über Erdgas oder Fernwärme soll das Boot mit Energie versorgt werden, mit der Mainova führt der Planer darüber Gespräche.

          Ursprünglich als pures Schwimmvergnügen auf einer kleinen Badeplattform geplant, ist das Vorhaben inzwischen gewachsen. Es hat sich erwiesen, dass der reine Schwimmbetrieb zu wenig Gewinn bringen würde, zumal sich der Eintrittspreis an den in den Frankfurter Bädern üblichen Tarifen orientieren soll. „Das Schiff soll für alle Frankfurter zugänglich sein“, sagt Schwanenflug. Mehrere Saunen, ein Dampfbad und ein Tauchbecken in einem zum Main hin verglasten Pavillon sollen die Besucher auch bei kühler Witterung ebenso anziehen wie ein kleiner Fitness-Club. 400 Quadratmeter Gastronomiefläche sollen das Sport- und Freizeitangebot ergänzen. Der Pavillon könnte auch an Vereine oder für Feste vermietet werden. Um eventuelle Fehlbeträge auszugleichen, soll sich die Betreibergesellschaft verpflichten, zwischen den Betriebszweigen Schwimmbad und Gastronomie einen Ausgleich zu schaffen.

          „Alles, was im Wasser verankert wird, ist teuer“

          Es ist nicht damit getan, einen leeren Ponton am Ufer zu vertäuen und mit Wasser zu füllen. Für das Badeschiff wäre eine Sonderkonstruktion nötig. Um zu vermeiden, dass das Boot von der Strömung fortgerissen wird, müsste es im Winter oder bei Hochwasser weggeschleppt werden. Da Schwanenflug das Boot ganzjährig betreiben will, gibt es eine andere Variante: Das Badeschiff könnte an Stahlträgern, sogenannten Dalben, im Main verankert werden. Aber: „Alles, was im Wasser verankert wird, ist teuer“, sagt Dietmar Droste, der beim Aschaffenburger Wasser- und Schifffahrtsamt für die Überwachung der Wasserstraßen zuständig ist. Alles in allem kalkuliert Schwanenflug deshalb mit Kosten von rund drei Millionen Euro.

          Beim Berliner Badeschiff war dieser Aufwand nicht nötig, doch auf der Spree schwankt der Wasserspiegel nicht so stark wie auf dem Main. Für Droste ist am wichtigsten, dass die Schifffahrt nicht gestört wird. Er hält das Projekt grundsätzlich für „genehmigungsfähig“, gibt aber zu bedenken: „Im Hafenbecken wäre es einfacher, weil ich dort keine Strömung habe.“

          Das Schiff müsste auch vom Grünflächenamt genehmigt werden, das das Mainufer verwaltet. „Das Schiff darf nicht die Erholungsfunktion des Mainufers einschränken“, sagt Amtsleiter Stephan Heldmann. Er wünscht sich deshalb eine offene Architektur, die den Blick auf den Main nicht verstellt. Außerdem würden Versorgungsleitungen, Besucherströme und Lieferverkehr den Erlebniswert des Ufers beeinträchtigen. Das sei aber „kein K.-o.-Kriterium“.

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