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Projekt der Malteser : Ehrenamt fürs Selbstbewusstsein

  • -Aktualisiert am

Konzentriert bei der Sache: Schüler lernen an der Deutschherrenschule in Frankfurt, wie sie verletzten Klassenkameraden helfen können. Bild: Helmut Fricke

Eltern klagen über Schulstress ihrer Kinder, Pädagogen über mangelnde Empathie und alle Experten über zu viel Zeit vor dem Smartphone. Trotzdem gibt es Jugendliche, die sich engagieren.

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          „Schocklage statt Chillen“ kommt ziemlich gut an. Der Titel beschreibt ein Projekt der Malteser, in dem Kinder und Jugendliche an Schulen zu Schulsanitätern ausgebildet werden. „Wir haben enormen Zulauf“, sagt Annette Lehmann. Die Stadtbeauftragte der Malteser verweist zum Beispiel auf die Deutschherrenschule in Sachsenhausen. „Da sind bald mehr Kinder interessiert, als wir ausbilden können.“ Seit drei Jahren gibt es die Kooperation der Realschule mit dem Malteser-Projekt, 43 Schüler sind mittlerweile schon Schulsanitäter oder werden gerade ausgebildet. „Diese Kinder investieren auch ihre Freizeit in die Ausbildung oder die Auffrischungseinheiten“, lobt Schulleiterin Nike Jaschinski.

          Jugendliche und Ehrenamt – das scheint selten zusammenzupassen. „Wann sollen sie denn das noch machen?“, so lautet oft die erste Frage von Eltern, wenn es um ehrenamtliches Engagement ihrer Kinder geht. Die freiwilligen Feuerwehren klagen über mangelnden Nachwuchs, Kirchengemeinden versuchen händeringend und oft vergeblich Jugendliche nach dem Geld- und Geschenkeregen von Konfirmation oder Firmung an sich zu binden. Ein Freiwilliges Soziales Jahr nach der Schule machen einige, wenn auch am liebsten im Ausland. Doch während der Schulzeit oder Ausbildung, in der Freizeit, unentgeltlich? Von vielen erntet man da nur Kopfschütteln. Dabei gibt sowohl passende Angebote als auch Kinder und Jugendliche, die sich ehrenamtlich engagieren. Zum Beispiel an der Deutschherrenschule.

          Rund um die Schuluhr im Einsatz

          Insgesamt 45 Einheiten à 45 Minuten umfasst die Erstausbildung zum Schulsanitäter. Einmal im Quartal werden außerdem Einheiten zum Auffrischen der Kenntnisse angeboten. Vom Blutdruckmessen über den korrekten Anruf bei der Notrufzentrale bis zu Wiederbelebungsmaßnahmen – die Schulsanitäter sind rund um die Schuluhr erreichbar und müssen im Notfall eigenständig entscheiden, was zu tun ist. Außerdem leisten sie erste Hilfe. „Oft finden die Termine am Nachmittag oder am Samstag statt“, berichtet der zuständige Lehrer Hajo Trefz. Auch er ist voller Anerkennung für Josef, Ozan, Aleyna und die anderen Schulsanitäter. „Die Schüler und Schülerinnen müssen sich selbst organisieren, sie übernehmen Verantwortung für die ganze Schulgemeinde“, sagt der Pädagoge. Verletzte Kinder auf Augenhöhe ansprechen, sie beruhigen oder begleiten, bis der Notarzt kommt: „Die Kinder sind in Notfällen besser als wir Erwachsenen.“

          Die Schule profitiert vom Einsatz der Schulsanitäter, bei kleineren Unfällen ebenso wie bei missratenen Experimenten im Chemieunterricht. Und die Schulsanitäter profitieren auch. „Man fühlt sich gut, wenn man anderen helfen kann“, sagt die vierzehnjährige Sevi. „Meine Freunde holen inzwischen mich, wenn was passiert ist“, berichtet der sechzehnjährige Ozan. „Die finden das cool.“

          Anerkennung und Selbstbewusstsein

          Ehrenamtliche Arbeit schafft Anerkennung und ein neues Selbstbewusstsein. Wer ehrlich ist, gibt auch zu: Sie kommt auf dem Zeugnis und im Lebenslauf gut an. „Erst war mir das gar nicht so bewusst“, sagt Jakob Grünthaler, der bei den Pfadfindern als Gruppenleiter aktiv ist, seit er 16 Jahre alt ist. „Aber später haben die Leute bei Bewerbungen oft positiv darauf reagiert.“ Bei den Pfadfindern werden viele Kinder- und Jugendgruppen von Teenagern und jungen Leuten geleitet. „Es macht Spaß, das, was man selbst dort als Kind erlebt hat, weiterzugeben und zu gestalten“, findet der 18 Jahre alte Jakob, der mittlerweile ein Freiwilliges Soziales Jahr beim Evangelischen Jugendwerk in Frankfurt absolviert.

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