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Frankfurt - Die wachsende Stadt : Platz für 1,1 Millionen Einwohner - theoretisch

Bild: F.A.Z.

Frankfurt ist nicht München, sondern das größte Dorf Hessens. Die Mainmetropole könnte Millionenstadt sein, bestünde das Stadtgebiet nicht zum großen Teil aus Wald, Wiesen und Äckern. Wie lang kann die Stadt da noch Platz für Zuwanderer schaffen?

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          Ist Frankfurt dicht besiedelt? Die Antwort darauf lautet: Es kommt darauf an, welche Stadt man zum Vergleich nimmt. In München zum Beispiel leben durchschnittlich 4468 Menschen je Quadratkilometer, in Frankfurt sind es nur 2770. Was wiederum deutlich mehr ist als die 1599 Dresdner, die es auf einem Quadratkilometer miteinander aushalten müssen, statistisch gesehen. Zum internationalen Vergleich: In New York sind es 10 560, im Stadtteil Manhattan gar 27 475.

          Matthias Alexander
          Redakteur im Feuilleton.

          Dann ist Frankfurt also nicht besonders dicht besiedelt, könnte ein Münchener sagen. Das stimmt, einerseits. Andererseits muss man differenzieren. Für die „gefühlte Dichte“ ist entscheidend, welcher Anteil des Stadtgebiets bebaut ist. Und tatsächlich, die Frankfurter hocken in den Stadtteilen ziemlich dicht aufeinander, wenn auch in sehr unterschiedlichem Maß: Im Nordend sind es 12 000 Einwohner, im dörflich geprägten Nieder-Erlenbach nur 550 je Quadratkilometer.

          Ein Viertel für Landwirtschaft

          Die im Schnitt vergleichsweise hohe Dichte ist darauf zurückzuführen, dass ein großer Teil des Stadtgebiets nicht für Wohnbauten (und für andere Gebäudearten) zur Verfügung steht. So erstreckt sich der Stadtwald im Süden allein über fast 39 Quadratkilometer, eine vergleichbar große zusammenhängende Grünfläche hat München zum Beispiel nicht.

          Ziemlich genau ein Viertel des 248 Quadratkilometer großen Frankfurter Stadtgebiets, und zwar vor allem in den nördlichen Stadtteilen, wird zudem landwirtschaftlich genutzt. Deshalb wird Frankfurt mit seinen 90 landwirtschaftlichen Betrieben auch als größtes Dorf Hessens bezeichnet. Ein weiteres Zehntel des Stadtgebiets machen Wasserflächen und Erholungsflächen - Parks, Sportanlagen und Kleingärten - aus, hinzu sind noch die Flächen anderer Nutzung zu rechnen, unter die vor allem Friedhöfe fallen.

          Platz für 1,1 Millionen Einwohner

          Erschwerend kommt hinzu, dass in Frankfurt der Flughafen 22 Quadratkilometer in Anspruch nimmt. Die gewaltigen Ausmaße tragen dazu bei, dass ein gutes Fünftel des Stadtgebiets von Verkehrsflächen belegt ist, das ist mehr als in den meisten anderen deutschen Großstädten.

          Das alles führt wiederum dazu, dass Gebäude aller Art nur 28,7 Prozent des Frankfurter Stadtgebiets ausmachen. In München beträgt dieser Wert 44,2 Prozent, ist also um mehr als die Hälfte höher.

          In der Theorie haben die hiesigen Planer mithin genügend Raum, um Neu-Frankfurter anzusiedeln. Überträgt man noch einmal die Verhältnisse in München, wo die Lebensqualität durchaus hoch ist, auf Frankfurt, wäre auf der hiesigen Gemarkung Platz für 1,1 Millionen Einwohner. In der Praxis sieht das aber ganz anders aus. Die Hürden für die Ausweisung von Neubaugebieten sind hoch. Südlich des Mains stehen praktisch überhaupt keine Flächen zur Debatte. Der Stadtwald ist gleichsam doppelt geschützt, nicht nur aufgrund seiner ökologischen Bedeutung, sondern paradoxerweise auch durch den Flughafen. Wegen der hohen Belastung durch Fluglärm ist ein Siedlungsbeschränkungsgebiet ausgewiesen worden. Dort dürfen keine Neubauten entstehen, mit Ausnahme von Konversionsflächen. Die Siedlungsbeschränkung trifft auch große Teile von Niederrad und Oberrad.

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