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Frankfurt - die wachsende Stadt : In Frankfurt wird jeder Gläubige fündig

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Neue Gebäude für Buddhisten

Die Zahl der Frankfurter Muslime schätzt das Bürgeramt Statistik und Wahlen auf rund 98.000. Das entspricht einem Anteil von etwa 14 Prozent an der Gesamtbevölkerung. 2005 waren es 75.000, knapp zwölf Prozent. Diese Zahl kann nur geschätzt werden, da Muslime keine Kirchensteuer entrichten und somit nicht im Melderegister aufgeführt sind.

Grundlage der Schätzung sind die Ausländer und Deutschen mit Migrationshinweis, die im Melderegister ohne Angabe zur Religionszugehörigkeit erfasst sind und deren Herkunftsland Mitglied der Organisation der Islamischen Konferenz ist. Zu ihr gehören rund 60 Länder. Von den rund 98.000 Muslimen sind 53.000 Deutsche und 45.000 Ausländer. Mit erfasst werden dabei allerdings auch solche Frankfurter, die ihre Wurzeln zwar in einem muslimischen Land haben, sich aber selbst nicht als religiös verstehen.

Der Wandel der Religionszugehörigkeit in Frankfurt
Der Wandel der Religionszugehörigkeit in Frankfurt : Bild: F.A.Z.

Auch andere Gemeinschaften sind nicht untätig. Zum Beispiel eröffnete 2010 das dem tibetischen Buddhismus zugehörige Zentrum Sakya Kalden Ling in Griesheim direkt neben der katholischen Kirche eine Niederlassung. Das Tibethaus in Bockenheim sucht angesichts der Nachfrage nach Veranstaltungen ein größeres Domizil. Etwas Neues bauen möchte die hinduistische Gemeinde auf ihrem Grundstück in Rödelheim.

Trio: Der Dalai Lama und Ministerpräsident Volker Bouffier im Mai vor dem Tibethaus, links dessen spiritueller Leiter Dagyab Rinpoche.
Trio: Der Dalai Lama und Ministerpräsident Volker Bouffier im Mai vor dem Tibethaus, links dessen spiritueller Leiter Dagyab Rinpoche. : Bild: Helmut Fricke

Wege für interreligiösen Dialog

In der Stadt gibt es viele Bemühungen für einen besseren interreligiösen Austausch. Der Rat der Religionen ist – mit den Problemen, die er derzeit hat – nur ein Beispiel dafür, wenn auch ein prominentes. Mit religiöser Vielfalt umzugehen ist tägliche Herausforderung für Lehrer in Schulen und für Erzieherinnen in Kindertagesstätten. Hilfreich ist, wenn es für sie Kooperationspartner gibt wie das Bibelmuseum oder die „abrahamischen Teams“ des Interkulturellen Rats in Deutschland, die Schulen besuchen.

Ein weiteres Beispiel ist der Interreligiöse Chor Frankfurt, der sich derzeit vor allem dem jüdisch-christlichen Dialog widmet. Demnächst beginnt er ein neues Projekt, das von mehreren evangelischen Institutionen, der Jüdischen Volkshochschule und der Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit gefördert wird. Auch die kirchlichen Akademien laden zu Veranstaltungen zum interreligiösen Dialog ein. Zu den Angeboten zählen auch der Tag der offenen Moschee oder Veranstaltungen der Interkulturellen Wochen. Das Tibethaus greift in einem neuen Studienprogramm einen Impuls des Dalai Lamas auf, für den er sich im Mai in Frankfurt starkgemacht hatte: Er wirbt für eine „säkulare Ethik“, die Religionen könnten nicht alle Menschen erreichen. Mitgefühl, Vergebung und Toleranz, die „Essenz des Säkularismus“, fänden sich auch in den Hauptbotschaften der religiösen Traditionen wieder.

Die Stadtverwaltung hat Entwicklungen religiöser Gemeinschaften im Blick. Im Amt für multikulturelle Angelegenheiten gibt es eigens eine Mitarbeiterin, die sich damit befasst und derzeit dabei ist, die Neuauflage des nützlichen Handbuchs „Religionen der Welt“ vorzubereiten. Das Amt ist Integrationsdezernentin Eskandari-Grünberg zugeordnet.

Mittel gegen den Salafismus

Mit dem wachsenden Problem des Salafismus sieht sie sich schon seit längerem konfrontiert. Frankfurt hat eine der aktivsten salafistischen Szenen in Deutschland. Seit kurzem aber fühlt sich dadurch auch Kirchendezernent Uwe Becker (CDU) herausgefordert, vor allem als mahnende Stimme für Moscheegemeinden, sich deutlich von dieser Art des Fundamentalismus zu distanzieren. Der Gruppierung Herr zu werden ist nicht leicht, sie „trifft“ sich nicht zuletzt im Internet. Vor allem müssen Jugendliche davor bewahrt werden, sich zu radikalisieren. Diesem Zweck dient das neue hessische „Präventionsnetzwerk gegen Salafismus“. Die Stadt bietet, koordiniert vom Amt für multikulturelle Angelegenheiten, gerade Schulungen für Pädagogen an.

Diese Strömung wird eine Herausforderung bleiben. Auch für den Umgang mit ihr gilt eine Vorgabe des Integrationskonzepts. Im Abschnitt über Religionen steht, dass sich die Stadt „mit allen rechtlichen und politischen Mitteln“ dafür einsetzen werde, „dass Gruppen aller Art keine weltanschaulichen Trennlinien zu unserer Gesellschaft aufbauen“. Das ist eine klare Selbstverpflichtung.

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