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Frankfurt - die wachsende Stadt : In Frankfurt wird jeder Gläubige fündig

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Präsenz im neuen Stadtteil: Links die evangelische Kirche der Riedberggemeinde, davor, im Bau, das katholische Edith-Stein-Zentrum.
Präsenz im neuen Stadtteil: Links die evangelische Kirche der Riedberggemeinde, davor, im Bau, das katholische Edith-Stein-Zentrum. : Bild: Kaufhold, Marcus

Die Baupläne der Kirchen

Sicher finanziert sind die evangelischen und katholischen Kirchen in der Innenstadt: Für deren Unterhalt kommt nämlich die Stadt auf. Laut dem Dotationsvertrag aus dem Jahr 1830, einer Folge der Säkularisation, gehören der Kommune acht Gotteshäuser in der City, die nicht zuletzt wichtiger Ausdruck des reichen historischen Erbes der Stadt sind. Das finanzielle Engagement der Stadt ist beträchtlich – allein für die derzeitige Innensanierung der Leonhardskirche sind rund acht Millionen Euro veranschlagt.

Erste Moschee: Das 1959 gebaute Gebetshaus der Ahmadiyya-Gemeinde
Erste Moschee: Das 1959 gebaute Gebetshaus der Ahmadiyya-Gemeinde : Bild: Fabian Fiechter

Jenseits der Innenstadt ist eine für die Kirchen wichtige Frage, wie sie sich in Neubaugebieten engagieren. So hat die evangelische Kirche auf dem Riedberg eine neue Gemeinde gegründet und eine Kirche mit Gemeindehaus gebaut. Nach einer unrühmlich langen Planung hat im Juni auch die katholische Kirche mit Bauarbeiten begonnen: Bis Frühjahr 2015 soll das Edith-Stein-Zentrum fertig sein, das als offenes Haus mit Kapelle konzipiert ist. Das einzige Gotteshaus, das das Bistum Limburg in jüngerer Zeit in der Stadt errichtet hat, ist die 2005 geweihte Kirche Allerheiligste Dreifaltigkeit am Frankfurter Berg. Wie sich die beiden Kirchen im Europaviertel engagieren, ist offen – vielleicht gibt es ein gemeinsam getragenes Haus. Außerhalb der Pfarreien hat die katholische Kirche vor allem mit dem Haus am Dom einen Akzent gesetzt, die evangelische Kirche mit der Jugendkulturkirche St. Peter. Zu den baulichen Aktivitäten der Christen zählt auch die Vergrößerung und Neugestaltung der griechisch-orthodoxen Kirche unweit des Westbahnhofs.

Skepsis gegenüber Islamschule

Das Engagement der Religionsgemeinschaften verändert das Stadtbild zusehends. Das gilt nicht zuletzt für die Muslime, was mitunter Konflikte mit sich bringt. Aus kleinen Verhältnissen in Griesheim in eine repräsentative Moschee nach Hausen umziehen will die Hazrat-Fatima-Gemeinde. Nach langer Pause wegen Geldmangels geht der Bau seit kurzem weiter. Wenn alles nach Plan läuft, soll das Gebäude, das den Platz in der Nachbarschaft der russisch-orthodoxen Kirche prägen wird, in etwa einem Jahr fertig sein. Der Grundstein wurde 2009 gelegt. Zwei Jahre zuvor waren die Planungen bekanntgeworden und hatten zu Protesten geführt; die Stadt stellte sich hinter das Projekt. Von nur geringer öffentlicher Aufmerksamkeit begleitet wird hingegen der Neubau der Taqwa-Moschee im Gutleutviertel, ebenfalls ein großes Projekt, das schrittweise vorangeht. Mehr Platz für ihre sozialen Aktivitäten will auch die Moscheegemeinde im Gallus haben; sie erwägt, einen Teil ihrer Niederlassung an der Kriegkstraße aufzustocken, und ist darüber mit der Stadt im Gespräch.

Der Wandel der Religionszugehörigkeit in Frankfurt
Der Wandel der Religionszugehörigkeit in Frankfurt : Bild: F.A.Z.

Vorerst nicht gelungen ist der Plan der Ahmadiyya-Gemeinde, eine Moschee in Nied zu errichten. Der vorgesehene Bauplatz war letztlich dafür nicht geeignet. Die Gemeinschaft sucht aber weiter, weil ihren Angaben zufolge rund 1000 Mitglieder im Westen der Stadt kein adäquates Gebetshaus haben. Die Ahmadiyya-Gemeinde hatte 1959 die erste Moschee in Frankfurt errichtet. Sie steht in Sachsenhausen. Im Norden Frankfurts hat die Gemeinschaft ihre Deutschland-Zentrale. In Hessen ist sie gemeinsam mit dem Ditib-Landesverband Partner des Landes bei der Erteilung des islamischen Religionsunterrichts in Schulen.

Der Wandel der Religionszugehörigkeit in Frankfurt
Der Wandel der Religionszugehörigkeit in Frankfurt : Bild: F.A.Z.

Ausdruck einer Etablierung des Islam ist auch das Zentrum für Islamische Studien an der Goethe-Universität, das sich aus einer Partnerschaft zwischen der Hochschule und der türkischen Religionsbehörde entwickelt hat. Auf Skepsis stößt das neue Europäische Institut für Humanwissenschaften im Ostend, eine Islamschule, die laut hessischem Verfassungsschutz von den Muslimbrüdern geprägt ist. Die Einrichtung wehrt sich gegen den Vorwurf, sie strebe einen Gottesstaat an. Wie dem auch sei: Die Entwicklung des Instituts sollte aufmerksam verfolgt werden.

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