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Frankfurt - Die wachsende Stadt : Die kleine Stadt und der große Markt

Am Tag wird Frankfurt zur Millionenstadt

Erst dieser Beschäftigungszuwachs auf breiter Front hat zu der neuen Diskussion um die wachsende Stadt geführt, es ist also eine von den Erfolgen der Frankfurter Wirtschaft ausgelöste Debatte. Und wer ihrer schon überdrüssig ist, weil das neue Wachstum natürlich auch neue Belastungen mit sich bringt, mag sich einen Moment vorstellen, wie es wäre, wenn umgekehrt der Flughafen und der Finanzplatz und womöglich auch neuerlich die Industrie schrumpfen würden; dann erst hätte Frankfurt echte Probleme, und das nicht nur, weil die Wirtschaft mit ihren milliardenschweren Gewerbesteuerzahlungen dieses Gemeinwesen am Laufen hält. Stillstand aber, die bequeme Lösung zwischen Wachsen und Schrumpfen, sieht das Leben nun einmal nicht vor.

Doch sind die Bedrohungen nicht zu übersehen. Viele lassen sich finden, als Beispiel sei die neueste genannt: Am Samstag ist in Istanbul der Grundstein für einen der größten Flughäfen der Welt gelegt worden. Das ist in Zeiten der Globalisierung überhaupt nicht weit weg, sondern ebenso eine Herausforderung für Frankfurt wie der Ausbau des Luftverkehrsknotens in Dubai. In einer Welt, deren wirtschaftlicher Schwerpunkt sich mehr und mehr nach Asien verlagert, wird generell die Frage der Zentralität von Standorten neu gestellt, was selbst für Börsenplätze gilt. Der weltweite Wettbewerb ist das eine, doch kann auch eine zu weit ausgreifende Regulierung durch heimische Politiker dem Finanzplatz zusetzen, vermag das überzogene Planungsrecht Investitionsbereitschaft zu ersticken, wo es doch darauf ankommt, eine Balance in dem magischen Dreieck von Wirtschaft, Wohnen und Umwelt zu finden. Schließlich lebt von der Frankfurter Ökonomie nicht nur diese Stadt selbst, sondern eine ganze Region; tagsüber bläht sich die Metropole am Main zur Millionenstadt auf.

Aufschwung durch Vielfalt

Dabei steht Frankfurt mit seinem neuen Wachstum keinesfalls allein da, es liegt nicht einmal vorn. Von 2000 bis 2011 hat sich die Zahl der Erwerbstätigen in der Mainmetropole um sechs Prozent erhöht, in Hamburg und Köln jedoch um zehn Prozent, in München zwar lediglich um fünfeinhalb, was aber immer noch über dem Durchschnitt der Bundesrepublik insgesamt von viereinhalb Prozent Zuwachs lag. Dass die Städte überdurchschnittlich wachsen, liegt wohl zuerst an dem geringen Flächenbedarf der boomenden Branchen; würden gerade vor allem Automobilwerke ausgebaut, sähe es wohl anders aus, aber für ein Verwaltungsgebäude ist immer noch Platz, allemal in Frankfurt, wo die Industrie wie eh und je ohne Lobby ist, Hochhäuser aber längst gerne gesehen sind. Der Nachverdichtung der Wohngebiete geht die Nachverdichtung der Wirtschaft voraus, und wenn einmal tatsächlich ein klassischer Industriebetrieb ein neues Areal sucht, wie sich das vor einigen Jahren die Radeberger-Gruppe vorgenommen hatte, endet das in einem Desaster für die Stadtverwaltung. Derlei ist nicht vorgesehen.

Dabei verdienten die Anliegen der Unternehmen mehr Beachtung, auch wenn natürlich Handel und Wandel nicht ohne Nebenwirkungen abgehen, wovon Anrainer des Flughafens ein Lied singen können. Die Vielfältigkeit der Wirtschaft hat zuletzt einen eigenen Beitrag zur Stärke Frankfurts geleistet, zu einem Aufschwung, an den in den schwierigen neunziger Jahren, als reihenweise Stellen abgebaut wurden, niemand hätte glauben mögen. Natürlich wird auch dieser neue Trend nicht ewig anhalten. Den Wohlstand ihrer Bürger aber sichert nur die dem Neuen aufgeschlossene, die sich beständig erneuernde Stadt.

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