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Frankfurt - die wachsende Stadt : Der neue Höhenflug der Innenstadt

Toplage bleibt top: Die Zeil zählt nach wie vor zu den bestbesuchten deutschen Einkaufsstraßen. Der neue Kundenmagnet heißt Primark. Bild: Gilli, Franziska

Mehr Fläche, angesagte Marken, neue Konzepte: Die Einkaufsstadt Frankfurt hat aufgeholt. Die Innenstadt ist begehrt wie nie. Das wird auch so bleiben - trotz Online-Konkurrenz.

          5 Min.

          Die Zahl muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: 4,4 Milliarden Euro. So viel Geld hatten die Privathaushalte in Frankfurt im vergangenen Jahr zum Konsumieren zur Verfügung. Das entspricht einem Anstieg der Kaufkraft um ein Viertel binnen sechs Jahren. Und die Kurve steigt weiter. Frankfurt wächst. Jede Woche kommen statistisch gesehen rund 300 Einwohner hinzu, viele von ihnen sind junge, qualifizierte Arbeitskräfte, die gut verdienen. Für den Einzelhandel sind das gute Nachrichten. Jeder neue Einwohner ist ein neuer Konsument, der sich einrichten, einkleiden und seinen Kühlschrank füllen muss, Zahnpasta und Toilettenpapier nicht zu vergessen. Daran, dass zurzeit selbst in teuren Innenstadtlagen Drogerien neu eröffnen, lässt sich die Entwicklung besonders gut ablesen. Auffällig sind auch die vielen neuen Möbelgeschäfte in der Stadt.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Überhaupt hat sich viel getan. Mit dem neuen Einkaufszentrum Skyline Plaza an der Messe, der Luxus-Erweiterung am Goetheplatz (One Goethe Plaza) und der Goldman-Ladenzeile Ma nördlich der Zeil wurden im vergangenen Jahr gleich drei Großprojekte mit zusammen knapp 200 Geschäften auf den Weg gebracht. Jedes Haus hat seinen eigenen Charakter. Im Skyline Plaza finden Kunden das übliche Filialisten-Programm, am Goetheplatz Luxus vom Feinsten und im Ma Individuelles in besonderen Läden.

          Frankfurt gehört zu „Big Six“

          Dass der Shoppingcenter-Betreiber ECE mit dem Skyline Plaza erstmals recht nah an die Zeil heranrückt, spricht für die Zuversicht, vor allem in einem schnell wachsenden Quartier wie dem Europaviertel. „Der Handel folgt den Menschen, und diese haben die Innenstadt neu entdeckt“, stellt das auf Einzelhandel spezialisierte Kölner Forschungsinstitut EHI mit Blick auf die Eröffnung einer Ikea-Filiale im Hamburger Stadtteil Altona fest. Die „grüne Wiese“ habe deutlich an Anziehungskraft verloren. Drei Viertel der Einkaufszentren, die in den vergangenen drei Jahren in Deutschland eröffnet worden sind, stehen laut EHI in Innenstädten.

          Auf der Baustelle: das Einkaufszentrum Skyline Plaza.

          Das hat auch demographische Gründe. Gratis-Parkplätze interessieren viele der jungen Menschen, die jetzt in die Städte strömen, nicht. Smartphone und Tablet-Computer sind wichtiger als ein eigenes Auto. Zur Arbeit fährt man mit dem Fahrrad. Wer ein Auto braucht, leiht sich eins. Das Carsharing-Angebot in Frankfurt wird immer besser. Im September startet das Daimler-Modell Car2go mit 250 Leihautos am Main.

          Der Frankfurter Einzelhandel ist seit je stark. Mit Berlin, Hamburg, Düsseldorf, Köln und München gehört die Stadt zu den „Big Six“, Städten mit großen Einzugsgebieten, die eine Garantie auf üppige Umsätze sind. Vom Comeback der Innenstadt sprechen Makler aber erst, seit die internationalen Konzerne die Chancen erkannt haben. Alle angesagten Marken - Filialisten für Billigmode ebenso wie Luxus-Label - drängen mit ihren Konzepten in die Innenstädte. Auch in Frankfurt gab es eine Eröffnung nach der anderen zu feiern: Hollister, Bershka, Mango, Urban Outfitters, Adidas Neo, Cos, Diesel, Muji, nicht zu vergessen Primark. Die Liste der Interessenten für Top-Lagen wie die Zeil oder die Freßgass’ ist lang, und längst sind noch nicht alle da.

          Suche nach neuen Standorten

          Die Goethestraße, an der Messegäste und Touristen viel Geld lassen, macht keine Ausnahme. Chinesen und Araber kaufen in Frankfurt besonders gerne ein. Im Durchschnitt gab jeder Tourist nach Berechnungen des Finanzdienstleisters Global Blue im vergangenen Jahr 562 Euro in hiesigen Geschäften aus. Damit liegt Frankfurt mit weitem Abstand an der Spitze, auch wenn München als Einkaufsstadt beliebter ist.

          Kein Wunder also, dass Luxus-Label Millionen in Vorzeigefilialen und Markengeschäfte investieren. Louis Vuitton, Brioni, Moncler, Michael Kors, Tag Heuer, Jaeger-LeCoultre und demnächst auch noch Mulberry, Wellendorff und Dior: Diese Namen stehen für das neue Frankfurt-Programm. Sie sind nicht nur bereit, horrende Mieten zu zahlen, sondern auch Ablösesummen in Millionenhöhe, damit ein Vormieter vorzeitig seinen Laden räumt. Die Goethestraße ist einfach zu kurz.

          Der Engpass hat auch sein Gutes. Projektentwickler und Makler strecken ihre Fühler inzwischen in alle Richtungen aus, auch in Nebenlagen. Das lässt sich gut im Quartier rund um die Goethestraße beobachten, in dem zurzeit mehrere neue Einzelhandelsflächen entstehen. Ob das Beispiel Brioni dann Schule machen wird, muss sich erst noch zeigen. Der italienische Luxus-Herrenausstatter war sich nicht zu fein, an die Alte Rothofstraße, einem Seitenarm der Goethestraße, zu ziehen.

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