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Frankfurt : Die Taunusanlage wird zum Central Park

Nur der Anfang: Der 75 Meter hohe „T11“ ist schon saniert, nebenan wachsen bis 2015 der „T8“ und bis 2018 „T9/T10“ an der Taunusanlage in die Höhe. Bild: Wonge Bergmann

An der Schnittstelle von Bankenviertel und Mainzer Landstraße tut sich viel. Zwei neue Hochhäuser nehmen bald Gestalt an.

          Wer sich in Frankfurt nach dem Weg zur Marienstraße erkundigt, erntet Achselzucken und fragende Blicke. Kaum zu glauben: Kein Mensch kennt die Marienstraße, dabei könnte sie zentraler kaum liegen. Mitten im Bankenviertel, direkt gegenüber den Zwillingstürmen der Deutschen Bank, geht sie von der Taunusanlage ab, läuft einmal ums Eck und mündet in die Mainzer Landstraße. Das kleine Karree, das sie einschließt, hört auf einen hübschen Namen: die Marieninsel.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Mit der Anonymität der Marienstraße dürfte es bald vorbei sein, denn nun geht es dort gleich auf beiden Straßenseiten voran. Die gesichtslosen Bürohäuser mit den Adressen Taunusanlage 8 und 9/10, die aus der Marienstraße eine unansehnliche Schlucht machen, werden abgebrochen und weichen zwei stattlichen Bürotürmen mit 68 und 150 Meter Höhe. Die Wallanlage wird nebenbei immer mehr zum von Hochhäusern gefassten Central Park von Frankfurt.

          Marieninsel „ein Gelenk“

          Auf der Marieninsel selbst nehmen auf dem Grundstück Taunusanlage 9/10 die Pläne des Projektentwicklers Hochtief (HTP) Gestalt an, der vor einem Monat einen neuen 150-Meter-Turm vorgestellt hat. Um das Projekt von Müller Reimann Architekten aus Berlin zu realisieren, soll möglichst bis Ende 2014 ein Bebauungsplan aufgestellt werden. Dann beginnen dem Bauherrn zufolge der Abriss des noch von der Deka-Bank genutzten Bestandsgebäudes und der Neubau. Schon 2017 oder 2018 will HTP fertig sein.

          Für den Frankfurter Niederlassungsleiter Markus Brod, der zuvor bei der OFB sein Handwerk gelernt hat, bildet die Marieninsel „ein Gelenk“. Dass das neue Gebäude zwei Adressen hat - eine zur Taunusanlage, eine zur Mainzer Landstraße - macht das Grundstück in seinen Augen besonders attraktiv. Auf der bisher so vernachlässigten Rückseite soll nach den Plänen von Müller Reimann ein kleiner Platz entstehen, den nach Brods Wunsch auch ein Laden und Gastronomie beleben sollen.

          Gegen eine Reihe von Büros durchgesetzt

          Der Hochhausrahmenplan ließe an dieser Stelle sogar 210 Meter zu. Aber ein so hoher Turm sei nicht „am Markt plazierbar“, sagt Brod. Will heißen: Die Suche nach einem Ankermieter würde sehr schwer. Und ohne eine Vorvermietung von 30 bis 40 Prozent der Fläche dürften die Banken den Bau kaum finanzieren. „Was nutzt die höchste Ausnutzung, wenn ich das Projekt nicht umsetzen kann?“, fragt Brod. Er deutet auf das Miniaturmodell: „Das hier ist machbar.“ Im Grunde besteht das Projekt aus zwei Bauvorhaben: einem 150-Meter-Turm mit 50.000 Quadratmeter Bruttogeschossfläche zur Taunusanlage hin und einem flachen, 5000 Quadratmeter großen Gebäude mit einem Eingang zur Mainzer Landstraße. Die Gebäude sind getrennt vermarktbar, sollen aber gemeinsam errichtet werden.

          Müller Reimann hatten sich in dem Wettbewerb gegen eine Reihe anderer Büros durchgesetzt, darunter so klingende Namen wie KSP, Barkow Leibinger, Kleihues + Kleihues, HPP, Ingenhoven, Meixner Schlüter Wendt und Schweger Architekten. Für Brod hat der einstimmig gekürte Siegerentwurf „zeitlose Eleganz“.

          Ein Mieter ist schon gefunden

          Es scheint der richtige Zeitpunkt für den Bau, denn in der Umgebung tut sich eine Menge. An der Mainzer Landstraße werden etliche in die Jahre gekommene Bürogebäude aufgemöbelt oder durch Neubauten ersetzt. Der direkte Nachbar, das Bürohaus T11, hat schon ein neues Kleid bekommen und strahlt jetzt frisch. Und auch der eingangs erwähnte Nachbar zur anderen Seite ist schon etwas weiter. Die Credit Suisse hat dort mit dem Abriss des Bestandsgebäudes begonnen und baut das 68 Meter hohe Bürohaus „T8“ nach den Plänen des Büros Meyer Schmitz-Morkramer, das den 2010 im Wettbewerb siegreichen Entwurf von Fritz Novotny weiterentwickelt hat.

          Einen Mieter für „T8“ haben die Makler von BNP Paribas schon gefunden: Die internationale Wirtschaftskanzlei Linklaters zieht in die oberen sieben Etagen, mietet also knapp ein Drittel des rund 29.000 Quadratmeter großen Turms. Die Kanzlei will Ende 2015 einziehen. Nebenan wird dann wohl eine Baustelle sein.

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