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Frankfurts neue Partnerstadt : Philadelphia, Wiege der Freiheit

Metropole am Fluss: Die Skyline Philadelphias erinnert an jene in Frankfurt. Bild: AP

Nach langem Werben hat Frankfurt, das sich rühmt, die amerikanischste Stadt Deutschlands zu sein, endlich auch eine Partnerstadt in den Vereinigten Staaten. Philadelphia ist eine gute Wahl, denn die beiden Metropolen haben viele Gemeinsamkeiten.

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          An der Ecke von Passyunk Avenue und 9th Street schlägt das Herz Philadelphias. Denn an dieser unspektakulären Straßenkreuzung gibt es die besten Cheesesteaks der Stadt. Wo genau, ob bei „Pat’s King of Steaks“ oder direkt gegenüber bei „Geno’s Steaks“, darüber streiten die Experten seit Jahrzehnten. Legendär sind beide Lokale aber auf jeden Fall - und das Gericht, dem sie das zu verdanken haben, ohnehin. Cheesesteak ist gewissermaßen die Grüne Soße Philadelphias, das kulinarische Band, das die Bewohner der Ostküstenmetropole verbindet, egal woher sie kommen. An jeder Ecke wird diese Mischung aus Sandwich und Hotdog, für die ein langes Weizenbrötchen mit dünn geschnittenem Steakfleisch gefüllt, mit Käse überbacken und schließlich mit glasierten Zwiebeln garniert wird, zubereitet, wenn auch nirgends in solcher Perfektion wie an der Ecke von Passyunk Avenue und 9th Street.

          Peter Badenhop

          Blattmacher in der Rhein-Main-Zeitung.

          Grüne Soße ist in Philadelphia dagegen völlig unbekannt. Doch das könnte sich in den nächsten Jahren ändern - denn die fünftgrößte Stadt der Vereinigten Staaten, auf halbem Wege zwischen New York und Washington im Bundesstaat Pennsylvania gelegen, ist Neuzugang in der Liste jener Städte, mit denen Frankfurt eine Partnerschaft, Freundschaft oder Kooperation unterhält. Für Frankfurt ist es die 17., für Philadelphia die zwölfte Partnerschaft, gemeinsam ist beiden Metropolen die Verbindung zu Tel Aviv.

          Hochschulen beider Städte kooperieren

          Schon lange hatte sich der Frankfurter Magistrat um eine Verschwisterung mit einer amerikanischen Großstadt bemüht. In den neunziger Jahren war es vor allem Oberbürgermeisterin Petra Roth (CDU) gewesen, die mit regelmäßigen Besuchen in New York um die Gunst der Weltmetropole geworben hatte - allerdings ohne Erfolg. Dann waren San Francisco und später Chicago zu Frankfurter Wunschpartnern avanciert. Aber auch in diesen beiden Fällen scheiterten die Pläne am Desinteresse der amerikanischen Seite. Das war in Philadelphia von Anfang an anders. In der Stadt am Delaware, die mit ihren 1,5 Millionen Einwohnern gut doppelt so groß ist wie Frankfurt, sei ihnen sofort großes Interesse entgegengeschlagen, berichteten Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) und Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) nach einer Reise im Sommer vergangenen Jahres. Vor allem Mayor Michael Nutter machte sich in der Folge für eine Partnerschaft mit einem intensiven Austausch auf den Gebieten Wirtschaft, Kultur und Bildung stark. Der Gesprächsfaden riss nicht ab, und Ende Februar dieses Jahres hat die Stadtverordnetenversammlung der neuen Städteverbindung zugestimmt.

          Der Demokrat Michael Nutter hat in der City Hall seit dem 6. November 2007 sein Büro als 98. Bürgermeister der Stadt.

          Zugute kam beiden Seiten die Tatsache, dass die Hochschulen, die Goethe-Universität und die University of Pennsylvania, schon seit mehr als 20 Jahren vor allem in den Wirtschaftswissenschaften eng zusammenarbeiten. Diese Kooperation soll nun auf weitere Felder ausgeweitet werden.

          Philadelphia als Wiege der Freiheit

          Ohnehin haben die beiden Städte, zwischen denen der atlantische Ozean und knapp 6500 Kilometer Entfernung liegen, erstaunlich viele Gemeinsamkeiten - einmal von der sichtbarsten Parallele, der Skyline, abgesehen. Beide Metropolen liegen an einem Fluss, die eine am Main, die andere am Delaware. Beide liegen in wichtigen Wirtschaftsregionen und haben ein sehr lebendiges Kulturleben. Vor allem aber haben beide Städte große historische Bedeutung für ihre Länder: Beide gelten als Gründungsstätten der Demokratie, Frankfurt mit seiner Paulskirche, in der 1848 das erste frei gewählte deutsche Parlament tagte, Philadelphia mit seiner Independence Hall und der berühmten Liberty Bell als Stadt, in der 1776 die amerikanische Unabhängigkeitserklärung verkündet und elf Jahre später die Verfassung beschlossen wurde. Während Philadelphia in den Vereinigten Staaten oft als „Cradle of Liberty“ (Wiege der Freiheit) bezeichnet wird, trägt hierzulande Frankfurt stolz den Beinamen als „Wiege der Demokratie“. Beiden Städten ist allerdings auch gemein, dass die Musik der großen Politik heute andernorts spielt - in Berlin und Washington.

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