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Kommentar : Die junge FDP-Generation geht

Im Hintergrund: Christoph Schnurr gibt die Parteiführung ab. Bild: Helmut Fricke

Zwei Hoffnungsträger der Frankfurter FDP haben die Partei verlassen - der Parteivorsitzende und sein Stellvertreter. Ist die Frankfurter FDP nun am Boden?

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          Wäre Christoph Schnurr noch Bundestagsabgeordneter, bliebe er FDP-Vorsitzender. Kaum jemand dürfte das anders sehen. Doch Schnurr ist seit Ende 2013 kein Bundestagsabgeordneter mehr. Und weil der Dreißigjährige für das zeitaufwendige Amt des Parteichefs kein Geld bekommt, braucht er einen Job - wie jeder andere, der eine Familie ernähren muss. Insofern ist es normal und verständlich, dass Schnurr Anfang März sein Amt nach nur zweieinhalb Jahren niederlegt und nach Baden-Baden geht. Man muss die Sache also nicht überhöhen: Arbeitsplatzwechsel sind in dem Alter üblich.

          Gleichwohl ist Schnurrs Rückzug, ebenso wie der seines 34 Jahre alten Stellervertreters Hans-Christian Mick, ein Hinweis auf den Zustand der FDP. Es gelingt der Partei auch in Frankfurt nicht mehr, zwei jungen, gut ausgebildeten Männern, die zudem zu den wenigen ehemaligen Abgeordneten zählen, eine Perspektive zu bieten. In Person von Schnurr und Mick orientieren sich zwei ehemalige Hoffnungsträger beruflich derart deutlich um, dass allen klar wird: Auf ein Mandat, das ihnen im Namen der FDP das tägliche Brot beschert, setzen sie nicht mehr.

          Am Boden liegen die Liberalen deshalb noch nicht. Die fleißige, gut organisierte Fraktionschefin Annette Rinn zur neuen Vorsitzenden zu wählen erscheint sinnvoll. Bis Mitte 2016 turnusgemäß ein neuer Vorstand gewählt wird, steht exakt ein Thema auf der Tagesordnung von Partei und Fraktion: die Kommunalwahl. Viel weiter sollten die Liberalen ohnehin nicht schauen. Dann, im Frühjahr 2016, wird sich zeigen, was die Verankerung der FDP im Rhein-Main-Gebiet wert ist. Fällt das Ergebnis verheerend aus, wird alles noch schwieriger. Auch die Suche nach Interessenten für den Parteivorsitz.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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