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Frankfurt : Der Eiserne Steg und die Last der Liebe

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Du bist verschlossen in meinem Herzen, verloren ist das Schlüsselein: Das symbolisieren die Schlösser am Brückengeländer. Bild: Röth, Frank

Am Eisernen Steg in Frankfurt prangen als Zeichen der Treue Liebesschlösser. Das hat Gewicht - auch für das Geländer. An Pariser Brücken gab es bereits Schäden. Vorsorglich ließ Dezernent Majer die Gefahr schätzen.

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          Ihr Weg führt viele Brautpaare aus dem Hochzeitszimmer des Frankfurter Rathauses Römer direkt zum Eisernen Steg. Dort, auf der Fußgängerbrücke über den Main, befestigen die Frischvermählten ein Liebesschloss mit ihren Namen oder Initialen am Brückengeländer. Den Schlüssel werfen sie anschließend in den Fluss, als Zeichen dafür, dass ihr Schloss als das Symbol ihrer Ehe nie mehr geöffnet werden kann. Was natürlich in vielen Fällen eine Selbsttäuschung ist, denn jede zweite Ehe in Deutschland zerbricht, manche sogar schon Tage oder Wochen nach dem Einschnappen des Schlosses auf dem Eisernen Steg. Weil der Schlüssel auf dem Grund des Mains liegt, kann das Liebesschloss nur noch mit Hilfe einer Feile oder – weniger zeitraubend – mit einem Bolzenschneider oder einer Flex entfernt werden. Doch wer macht das schon? Geschiedene haben vermutlich erst einmal andere Probleme. Außerdem reden viele nicht mehr miteinander und können deshalb nicht ausdiskutieren, wer das Liebesschloss mit Brachialgewalt knacken soll. Also bleiben die Treue-Symbole aus Stahl oder gar Titan einfach hängen.

          In Paris hat das Gewicht der Liebesschlösser jüngst dazu geführt, dass ein Teil des Geländers des Pont des Artes zusammenbrach. Und auch der Pont Neuf, der Pont HenriIV oder die Passerelle Simone de Beauvoir ächzen unter der Last der vielen gehaltenen und ungehaltenen Treueversprechen. Die Frankfurter können dagegen beruhigt sein. Ihr Eiserner Steg droht nicht unter der Last der Liebe zusammenzuklappen. Die Statik dieser Brücke sei durch die flanierenden Fußgänger einer ungleich höheren Belastung ausgesetzt als durch die Liebesschlösser, hat der vorsorgliche Frankfurter Verkehrsdezernent Stefan Majer (Die Grünen) seine Fachleute errechnen lassen. Wenn die Pariser das Anbringen von Liebesschlössern auf den Seine-Brücken aus Sicherheitsgründen erschweren oder gar verbieten, wird bald nicht mehr die französische Hauptstadt, sondern die Mainmetropole den Titel „Stadt der Liebe“ tragen.

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