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Kundgebung in Frankfurt : Hunderte Menschen demonstrieren gegen Rassismus und Polizeigewalt

  • -Aktualisiert am

Gegen Polizeigewalt und Rassismus: Eine Frau mit einem Schild bei einer Kundgebung in Frankfurt Bild: dpa

Hunderte Menschen haben sich am Mittwoch auch in Frankfurt solidarisch mit den „Black Lives Matter“-Protesten in den Vereinigten Staaten gezeigt. Sie kritisieren auch den Rassismus hierzulande.

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          „Ich will atmen“ steht auf einem Schild, das ein junger schwarzer Mann in die Höhe hält. „Rassismus tötet“, „Silence is betrayal“ und „Protect black trans lives“ ist auf anderen Plakaten zu lesen. Es sind vor allem junge Menschen, die am Mittwochabend zur Hauptwache gekommen sind, um gegen Rassismus und Polizeigewalt zu demonstrieren. Die Polizei sprach von 550 bis 600 Teilnehmern, die sich  an die coronabedingten Mundschutz- und Abstandsregeln gehalten haben. Die Kundgebung wurde von der Frankfurter Ortsgruppe der Initiative Schwarze Menschen in Deutschland (ISD) organisiert.

          Eine zierliche junge Frau steht mitten in der Menge. „Ich bin hier um ein Zeichen zu setzen und die Menschen in Amerika zu unterstützen“, sagt Jainaba-Taal Bah. Wie viele andere Demonstranten zeigt sie sich solidarisch mit der „Black Lives Matter“-Bewegung in den Vereinigten Staaten, die nach dem Tod des Afroamerikaners George Floyd bei einem brutalen Polizeieinsatz, Tausende Menschen auf die Straßen zieht. Nach Protesten in mehreren französischen Städten demonstrierten dagegen am Mittwochabend auch in Helsinki mehrere Tausend Menschen, und eben auch an der Frankfurter Hauptwache.„Ich spüre definitiv, dass da Zusammenhalt ist, dass es Unterstützung gibt“, sagt die junge Frau, als sie sich an der Hauptwache umschaut.

          Auf der Bühne kommen vor allem schwarze Menschen zu Wort. Sie lesen die Namen von Opfern rassistischer Polizeigewalt vor, halten deren Gesichter auf Fotos in die Höhe. Auf schwarzen Transparenten fordern sie Gerechtigkeit für die Toten – George Floyd, Breonna Taylor und Ahmaud Arbery sind nur einige davon. „Die Namen stehen in einer langen Tradition, in einer Tradition des anti-schwarzen Rassismus“, sagt eine Rednerin. 

          Privilegien nutzen, um etwas zu bewegen

          Doch rassistische Polizeigewalt gebe es auch in Deutschland: Die Redner prangern die Todesumstände eines Syrers in einer Gefängniszelle im nordrhein-westfälischen Kleve an. Sie erinnern auch an Christy Schwundeck, die im Jahr 2011 nach einer Auseinandersetzung in einem Frankfurter Jobcenter von einer Polizeibeamtin erschossen wurde. „Say her name“ („Sag ihren Namen“), rufen die Demonstranten immer wieder.

          Zwischen den Redebeiträgen werden Texte von schwarzen Autoren wie Maya Angelou vorgelesen und Musik von schwarzen Künstlern wie Kendrick Lamar gespielt. Es kommen viele Emotionen an diesem Abend an der Hauptwache hoch, vor allem Wut und Trauer. Manche Redner berichten von ihren persönlichen Erfahrungen mit Rassismus und sprechen offen ihre Hoffnungslosigkeit an. Andere wollen ihrer Frustration Ausdruck verleihen und sind lauter. „Benutz dein white privilege“, ruft eine schwarze Frau ins Mikro und stampft mit einem Fuß auf den Boden. Sie erntet viel Applaus – sowohl von schwarzen als auch weißen Demonstranten. „Black lives matter“, rufen sie zusammen. „Schwarze Leben zählen“. Ihr Appell, gerade an die weißen Teilnehmer: solidarisch sein, sich bilden und Privilegien nutzen, um etwas bewegen.

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