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Demonstration in Frankfurt : „Es gibt keinen Kompromiss für mich!“

  • -Aktualisiert am

Auslieferung stoppen: Auf dem Römerberg in Frankfurt demonstrierten gestern rund 30 Menschen für die Freilassung von Carles Puigdemont. Bild: F.A.Z

Rund 30 Demonstranten haben auf dem Römerberg die Freilassung von Carles Puigdemont gefordert. Sie sind enttäuscht vom spanischen Staat – und glauben weiter an die Unabhängigkeit Kataloniens.

          Für Joan Gonzalez ist die Sache eindeutig: „Carles Puigdemont ist immer noch rechtmäßiger Präsident von Katalonien“, sagt der 56 Jahre alte Mann. Er trägt die rot-gelb gestreifte Flagge Kataloniens auf dem Rücken, in der Hand hält er ein Plakat, auf dem „Freiheit für unsere Politiker steht“. Gonzalez ist einer von rund dreißig anderen Demonstranten, die sich auf dem Römer versammelt haben. Und die ein Ziel haben: dass Puigdemont freigelassen wird und die Unabhängigkeitsbewegung weiter anführt.

          Die deutsche Bevölkerung nimmt die Position der Separatisten kaum wahr

          „Stoppt die Auslieferung von Carles Puigdemont“, ruft eine Frau, ebenfalls mit Flagge auf dem Rücken. Die meisten Passanten gehen unbeeindruckt an ihr vorbei. Nur ein Tourist nutzt die kleine Gruppe, um nicht nur das Rathaus als Kulisse für die Urlaubsfotos zu haben. Gonzalez ist der Meinung, dass die deutsche Bevölkerung die Position der Separatisten kaum wahrnehmen würde. „Kein Wunder“, sagt er. „Seit 2010 schwelt der Konflikt und er wurde immer in die Nationalismus-Schublade gepackt, auch von der Presse. Dabei geht es um etwas ganz anderes: Demokratie.“

          Gonzalez ist Mitglied der Assemblea Nacional Catalana (ANC), der größten Separatistenorganisation in Katalonien. Sie hat die Proteste in Katalonien organisiert, die das Referendum im vergangenen Oktober erst möglich gemacht haben. Auch in Deutschland ist die Organisation aktiv. Die Mitglieder sind vielfach ausgewanderte Katalanen oder haben katalanische Vorfahren. Gonzalez selbst hat katalanische Eltern, die 1955 nach Deutschland gekommen sind. Von Deutschland aus versuchen sie, die Unabhängigkeitsbewegung zu unterstützen, mit Vorträgen und Demonstrationen. Nicht nur in Frankfurt, sondern auch in anderen Städten ruft die ANC zum Protest auf.

          „Mit einer eventuellen Auslieferung würde die deutsche Regierung einem autoritären Regime in die Hände spielen“, heißt es in der Ankündigung. Gemeint ist die spanische Regierung rund um Präsident Mariano Rajoy. „Vierzig Jahre hat Katalonien Spanien alimentiert und gehofft, es gibt Demokratie“, sagt Gonzales, während die restlichen Demonstranten im Hintergrund weiter skandieren. Aber immer noch würden in Madrid „die Söhne Francos“ herrschen.

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          Deswegen erinnere ihn die Verhaftung von Puigdemont in Deutschland auch an einen anderen katalanischen Politiker: Lluís Companys i Jover. Der hatte 1934 die unabhängige Republik Katalonien ausgerufen, musste dann aber vor Franco nach Frankreich fliehen. Dort griff ihn 1940 die Gestapo auf. Kurz darauf lieferte Deutschland ihn an das Franco-Regime aus. In einem Schnellverfahren wurde Companys verurteilt und hingerichtet.

          „Spanien ist kein Rechtsstaat mehr“

          „Der Vergleich ist ein bisschen überzogen, aber irgendwo stimmt das so“, sagt Gonzalez, wenn er darauf angesprochen wird, dass Puigdemont dieses Schicksal nicht drohen würde. „Spanien ist kein Rechtsstaat mehr.“ Die Regierung in Madrid habe die Verfassung gebrochen, als sie Puigdemont abgesetzt hat, und der Oberste Gerichtshof sei parteiisch, weil er die Separatisten benachteiligen würde. Das Verhalten der spanischen Regierung rund ums Referendum habe seine Meinung deutlich verhärtet: „Es gibt keinen Kompromiss für mich.“

          Nur die EU könnte den Konflikt irgendwann entscheiden, aber das würde noch lange dauern. Und dann käme es stark auf die Haltung Deutschlands an, meint Gonzalez. Als er die Nachricht von der Verhaftung Puigdemonts gehört hat, habe er sich deswegen gefragt, ob sich der Politiker nicht absichtlich in Deutschland hat erwischen lassen. „So wird der Druck auf Deutschland größer, sich zu positionieren,“ sagt Gonzalez. Ob diese Theorie stimmt, weiß Gonzalez nicht. In einer Sache ist er aber sehr sicher: „Die Unabhängigkeit von Katalonien lässt sich nicht aufhalten.“ Dann schließt er sich wieder den anderen Demonstranten auf dem Römer an. „Viva la Catalunya“ hallt es über den Römerberg.

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