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Frankfurt : Was kann das neue Mietrad Byke?

Signalfarben: das Berliner Start-up Byke unterscheidet sich nicht nur farblich von der Konkurrenz. Bild: Braunschädel, Michael

Ein Berliner Start-up bringt Bewegung in den Frankfurter Markt für Mieträder. Was taugt das neue Angebot? Wir haben den Newcomer getestet.

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          „Die sieht man auch vom Mond.“ Der Friseur, bei dem wir mit einem Rad des neuen Anbieters Byke vorfahren, hat die Signalfarben – ein kräftiges Türkis und Neongrün – gleich richtig interpretiert. Man entdeckt noch nicht so viele Räder des Berliner Start-ups in der Stadt, aber wenn irgendwo welche stehen, dann springen sie gleich ins Auge.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Seit Anfang dieser Woche ist Byke in Frankfurt am Start, nach kurzem Vorlauf in Langen und Dreieich, und tritt an mit Kampfpreisen von 50 Cent je halbe Stunde Nutzung, das ist halb so viel wie die Konkurrenten Nextbike und die Deutsche Bahn mit Call a Bike für eine halbe Stunde Ausleihe verlangen.

          Ernstzunehmen ist der neue Wettbewerber aber vor allem deshalb, weil er das Abstellen der Räder an jedem beliebigen Platz in der Stadt erlaubt. Bei den anderen beiden – nur anfangs war freies Parken mit Bahnrädern möglich – gibt es definierte Plätze, und wer sein Rad nicht dort abstellt, muss Strafe zahlen (siehe Tabelle).

          Smarte Leistung und mobiler Zugang

          Als Frankfurter, die vom Mietrad-Angebot vor allem Gebrauch machen, wenn Freunde zu Besuch sind und die eigenen Räder nicht ausreichen, kennen wir die etablierten Dienstleister gut und nutzen ihre Apps. Sie zeigen komfortabel an, wo in der Nähe ein Rad steht. Nun ist noch eine dritte, die von Byke, hinzugekommen. Sie läuft noch nicht ganz rund. Aber das schreiben wir mal der Anfangsphase zu.

          Positiv fällt auf, wie schnell Byke-Räder startklar sind. Dazu muss man nur seine Handy-Kamera auf den QR-Code halten, schon schnappt das Schloss nach oben und gibt das Hinterrad frei. „Scan to go“, nennt es der Anbieter. Ebenso fix wird die Miete beendet. Der Kunde schließt das Schloss, und das war’s. Allerdings sollte er darauf achten, dass es auch wirklich zugeschnappt ist, sonst läuft die Uhr weiter.

          Nextbike arbeitet zwar auch mit QR-Code, der Nutzer muss jedoch ein Zahlenschloss öffnen, für das ihm der Code vorher per SMS auf das Smartphone geschickt wurde. Das kommt einem im Vergleich zu Byke wie im Mittelalter vor. Die Bahn-Räder haben inzwischen, ganz modern, ein Display am Lenker, in das der Öffnungscode eingetippt wird. Am Ringschloss muss der Nutzer nur einen Knopf drücken, damit es sich öffnet.

          Die Handy-Technik freilich setzt voraus, dass die Netzverbindung stimmt. Gestern Morgen am Merianplatz, zum Beispiel, war der Empfang auf einer Seite des Platzes so schlecht, dass weder die Bahn- noch die Byke-App reagierten. Bahn- und Nextbike-Kunden sind im Vorteil, weil sie das Rad dann wie früher weiterhin telefonisch buchen können. Ein Minuspunkt: Byke-Kunden müssen grundsätzlich Bluetooth aktiviert haben, damit die App funktioniert. Das kostet Akku-Leistung.

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          Robust, komfortabel oder praktisch?

          Zu den Byke-Rädern an sich lässt sich feststellen: Bunt ist nicht alles. Zwar schnellt der hydraulisch verstellbare Sattel mit einem einzigen Griff nach oben, aber um ihn auf die Höhe zu bringen, die wir brauchen, hätten wir auch das Rohr ein Stück nach oben ziehen müssen, was bei den Bykes jedoch nicht möglich ist. So verlief die erste Fahrt in recht unkomfortabler Position. Wir kamen kaum die Rotlintstraße hoch. Später erst erwischten wir ein Rad, bei dem der Sattel etwas höher montiert war, die Fahrt machte deutlich mehr Spaß.

          Wie bei Nextbike muss sich auch der Byke-Fahrer daran gewöhnen, dass ein Korb vorne am Rad fest montiert ist. Das ist ideal für Einkäufe. Allerdings ist der Korb von Byke etwas grobmaschig geraten. In unserem Fall kullerten die deponierten Äpfel aus der geöffneten Tüte auf die Straße. Grundsätzlich machen die Körbe die Räder zu eher gemütlichen, mitunter etwas schwerfällig zu steuernden Gefährten. Der Sprinter unter den dreien, wenn man bei sieben Gängen überhaupt davon sprechen kann, ist eindeutig Call a Bike. Die Räder eignen sich nach unserer Erfahrung sogar für Ausflüge in die Natur. Am Mainufer entlang bis zur Höchster Altstadt war für unseren Besuch kein Problem, auch nicht die Tour an der Nidda bis nach Bad Vilbel. Zumindest hat keiner der Freunde gemeckert.

          Die Byke-Räder werden nach Angaben des Anbieters in China beim „ältesten und größten“ Fahrradhersteller gebaut, mit 3-Gang-Shimano-Schaltung und Vollgummireifen. Wir empfanden die Federung als sehr hart. Geschmeidig sind aber auch die Räder der anderen Systeme nicht, was wohl der Robustheit geschuldet ist, die ein Mietsystem im öffentlichen Raum erfordert.

          Zusammenfassend lässt sich sagen: Mieträder sind eine gute Ergänzung oder sogar Alternative zum öffentlichen Personennahverkehr für alle, die an Ort und Stelle kein eigenes Rad haben. Und günstig sind sie noch dazu. Statt mit dem RMV-Ticket für 2,80 Euro kommt der Radmieter im günstigsten Fall für 50 Cent ans Ziel.

          Es bleibt abzuwarten, ob Byke das freie Parken auf lange Sicht durchhalten wird. Denn eins ist sicher: Das Durcheinander auf Plätzen und Gehsteigen in der Stadt wird größer werden. Denn die nächsten Wettbewerber, Unternehmen aus China, die mit Tausenden Rädern planen, stehen schon in den Startlöchern.

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