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Frankfurt : „Das CDU-Gerippe stützt sich nur noch auf Merkel“

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Abschied: Der frühere Frankfurter Kämmerer Hemzal verlässt nach mehr als vier Jahrzehnten die CDU - aus Enttäuschung über deren Entwicklung Bild: Eilmes, Wolfgang

Die Frankfurter CDU verliert zwei prominente frühere Dezernenten: Horst Hemzal und Albrecht Glaser. Ihre politische Zukunft sehen beide Alt-Kämmerer in einer neuen Partei.

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          Eigentlich wollte Horst Hemzal die Politik und die Politiker nur noch beobachten. Doch irgendwann hielt er es nicht mehr aus. Seine Partei, die CDU, entwickelte sich in eine Richtung, die ihm keine Wahl mehr ließ, wie der frühere Kämmerer und Fraktionsvorsitzende im Römer sagt. Vergangene Woche hat er dem Kreisverband seinen Abschied mitgeteilt. Nach 43 Jahren. Hemzal, ein nachdenklicher Mann mit subtilem Humor, will stattdessen einer neuen Partei beitreten, der Alternative für Deutschland (AfD). Deren wichtigstes Anliegen ist ein Austritt Deutschlands aus der gemeinsamen Euro-Währung.

          Einfach hat sich Hemzal das Ganze nicht gemacht. Mehrere Jahre habe er darüber nachgedacht, sagt der Mann, der 2007 in den Ruhestand ging und mit einem Empfang im Kaisersaal verabschiedet wurde. Hauptgrund sei die Entwicklung der Partei unter Kanzlerin Angela Merkel, zum Beispiel „die Leichtfertigkeit, mit der Recht und Verträge nicht beachtet werden“. In der europäischen Finanzpolitik halte er den Satz „Europa ohne Euro geht nicht“ für „reinen Unsinn“: Europa habe es lange vor dem Euro gegeben. Die AfD biete in dieser Frage die bessere Lösung.

          Nur Steinbach hat sich gemeldet

          Konkret stören Hemzal der „Energiewende-Wahnsinn“, die „opportunistische Entscheidung“, die Wehrpflicht abzuschaffen, und die wiederkehrenden Forderungen vieler CDU-Mitglieder, Homosexuelle steuerlich und in Adoptionsfragen gleichzustellen. „Ich bin absolut tolerant gegenüber allen sexuellen Richtungen“, sagt der 73 Jahre alte Hemzal. Aber er sei nach wie vor der Ansicht, eine Familie bestehe aus Vater, Mutter, Kind.

          In den vergangenen Jahren habe er gemerkt, wie schwierig es sei, innerhalb der CDU dagegen anzugehen. Dabei wäre das seiner Ansicht nach sehr wichtig gewesen. „Denn eine Volkspartei, die unter Druck ist, gerät schnell in die Gefahr zu zerbröseln.“ An dieser Stelle stehe seine frühere Partei nun, meint Hemzal und fügt hinzu: „Die CDU ist schon am Ende. Das Gerippe, das noch besteht, stützt sich einzig und allein auf Frau Merkel.“ Wenn die Bundesvorsitzende eines Tages nicht mehr da sei, gebe es niemanden mehr, der die Partei führen könne. „Alle, die mal Hoffnungsträger waren, sind kaltgestellt, auf andere Positionen geschoben worden oder haben sich als Leichtgewichte erwiesen.“

          Nicht viel besser schätzt der Alt-Kämmerer die Lage des hiesigen Kreisverbands ein. „Randgruppen werden ins Zentrum des politischen Handelns gerückt“, kritisiert Hemzal. „Unter moderner Großstadtpartei versteht die Frankfurter CDU die sprachliche Säuberung von Kinderbüchern“, in denen das Wort „Neger“ eliminiert werde. Doch historische Werke der Literatur nicht zu achten sei nicht modern, sondern „eine Schande und eine kulturelle Barbarei“. Aus der Parteispitze habe sich noch niemand für seinen Austritt interessiert. Die Einzige, die sich gemeldet habe, sei Erika Steinbach gewesen.

          Das will Uwe Becker so nicht stehen lassen. „Urlaubsbedingt hat es noch keinen Kontakt gegeben“, sagt der CDU-Vorsitzende und Nachfolger Hemzals auf dem Kämmerer-Posten. Er werde das Gespräch suchen, sei aber skeptisch, ob er den früheren Parteifreund umstimmen könne. „Horst Hemzal hat immer genau nachgedacht, bevor er sich entschieden hat.“ Er bedauere, dass „jemand nach so langer Zeit einen solchen Schritt wählt“, obwohl derjenige so lange in wichtigen Positionen für die CDU gearbeitet habe. Es sei eine sehr persönliche Entscheidung Hemzals, findet Becker und sagt: „Ich kann das nicht in Gänze nachvollziehen. Nach so vielen Jahren in einer Partei tritt man nicht aus.“

          „Angst um das Wohl dieses Landes“

          Hemzal ist nicht der einzige ehemalige Kämmerer, der von der CDU zur Alternative für Deutschland geht. Auch Albrecht Glaser, Finanzdezernat von 1995 bis 2001, ist diesen Schritt gegangen. Im Herbst 2012 kehrte er der CDU nach 40 Jahren Mitgliedschaft den Rücken. Am nächsten Wochenende will der 71 Jahre alte Glaser für den Bundesvorstand der AfD kandidieren; dort hat er die Mitgliedsnummer 30. Ihn habe vor allem „die Angst vor dem Dilettantismus von CDU und FDP“ in der Euro-Rettung dazu bewogen. Er bemerke „zu viel Laientum“ in den schwarz-gelben Reihen.

          „Es ist abenteuerlich, wie sich die Oligarchie der Parteien von den gesellschaftlichen Grundfragen und den wissenschaftlichen Grundlagen vieler Themen entfernt hat“, meint Glaser, der inzwischen in der Nähe von Kassel lebt. Eine Einheitswährung mit so vielen heterogenen Partnern könne nicht funktionieren, glaubt er. Seit knapp drei Jahren, seit Beginn der Euro-Rettungsschirm-Politik, habe er „ganz fundamentale Angst um das Wohl dieses Landes“.

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