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Petra Kirchhoff

Corona als Brandbeschleuniger : Große Lücken auf der Zeil

Frankfurter Zeil: Die Schließung der Karstadt-Filiale würde eine große Lücke hinterlassen. Bild: Diana Cabrera Rojas

Der Strukturwandel an der Frankfurter Zeil stellt die Stadt vor neue Herausforderungen. Die Corona-Krise ist für diese Entwicklung nur ein Katalysator.

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          Ganz gleich, ob es für das Karstadt-Haus an der Zeil doch noch eine Überlebenschance gibt, was eher unwahrscheinlich ist: Die Frankfurter Innenstadt steht wie die anderer Metropolen vor einem Strukturwandel mit einschneidenden Folgen für das Stadtbild und die Immobilienwirtschaft. Die Entwicklung zeichnet sich schon länger ab. Zum Einkaufen muss niemand mehr in die Stadt kommen. Im Internet gibt es alles, was es in den Filialen zu kaufen gibt, im besten Fall sogar günstiger.

          Die Corona-Krise mit zeitweiligem Verkaufsverbot und dauerhafter Mundschutzpflicht ist nur der Brandbeschleuniger. Sie trifft Frankfurt härter als andere Städte. Die Messegäste fehlen, die chinesischen Touristen, die sich sonst bereits zu Geschäftsbeginn auf Hartschalenkoffer und Markentaschen stürzen. Und es fehlen die Angestellten aus den Hochhäusern, die jetzt von zu Hause aus arbeiten und auch nicht so schnell in ihre Büros zurückkehren werden.

          Verlierer ist die Innenstadt. In den kleineren Einkaufsstraßen der Stadtteile dagegen sind die meisten Händler mit ihren Umsätzen schon wieder zufrieden. Wenn es so kommt, wie zu befürchten ist, werden das Karstadt Warenhaus, Karstadt Sports und Esprit an der Zeil schließen und drei große Lücken im Stadtzentrum schaffen, die sich in der Größe wie bisher nicht mehr werden neu vermieten lassen. Zu befürchten ist eine längere Durststrecke mit Baustellen und Leerstand.

          Eine Mischung von Mietern gebraucht

          Veröden wird die Zeil deswegen jedoch nicht – vorausgesetzt, es gelingt, die Flächen mit einer Mischung an Mietern zu füllen, die wieder mehr Lebensgefühl und Aufenthaltsqualität in die Fußgängerzone bringen. Dazu braucht es Mut, Geld und gute Ideen von Projektentwicklern und Stadtplanern.

          Wohnungen, Büros und Hotelzimmer könnten zusätzlich zum Einzelhandel für einen guten Mix an der Zeil sorgen und die Innenstadt beleben. Dass Kunden dann auch ihr Amazon-Paket in der Filiale abholen können, wie es in der Galeria Kaufhof neuerdings möglich ist, muss nicht kontraproduktiv sein. Hauptsache, die Kunden kommen überhaupt wieder mehr in die Stadt.

          Das tun sie allerdings nur, wenn sie sich wohl fühlen, und so kommt es nicht zuletzt auch auf scheinbare Randaspekte an wie ein gut funktionierendes W-Lan-Netz, saubere Straßen und ein Gefühl von Sicherheit. Für das Citymanagement der Stadt, das seinen Namen bisher nicht verdient hat, gäbe es auch in dieser Hinsicht noch viel zu tun.

          Petra Kirchhoff

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

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