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Protokollchef in Hessen : Der Mann hinter dem Queen-Besuch

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Was könnte die Queen erfreuen, was ihr missfallen? Lagebesprechung im Kaisersaal des Frankfurter Römer mit (von links) Konstantina Dagianta vom Restaurant Operá, Karlheinz Voß, Dieter Beine und Mitarbeitern. Bild: Helmut Fricke

Protokollchef Dieter Beine bereitet den Besuch von Königin Elisabeth II. in Frankfurt vor. Was alles andere als ein Routinejob ist: Eine Fülle von Details ist zu bedenken, wenn sie Stadt solch prominente Gäste empfängt.

          Irgendwann im Laufe des Gesprächs sagt Dieter Beine: „Wenn ich Ihnen zu viel rede, müssen Sie es sagen.“ Keineswegs - der Protokollchef des Landes Hessen sprudelt zwar beinahe über, doch uninteressant ist das alles nicht. Leider kann man seine besten Geschichten nicht aufschreiben, Diskretion ist Ehrensache und zählt bei Protokollchefs wie Journalisten zur Berufsehre.

          Beines Arbeitszimmer im ersten Stock der Wiesbadener Staatskanzlei verrät, dass hier ein Mann mit Eigenschaften seine Zelte aufgeschlagen hat: viel Kunst, viele Bücher, Ausstellungskataloge. Ein Foto von Barbara Klemm zeigt das freudenumbrandete Brandenburger Tor 1990, das andere Roland Koch, Beines früheren Schulkameraden und Chef. Ihn hat er am Sulzbacher Eichwaldgymnasium noch als Schulsprecher erlebt. Und wie bei Koch schafften es die Lehrer nicht, den jungen Dieter Beine zum Linken zu machen. Über der Tür verrät ein schlichtes hölzernes Kreuz, dass in diesem Raum ein praktizierender evangelischer Christ arbeitet. Und ein Gemälde gegenüber zeigt den Dalai Lama samt der Inschrift: „The purpose of our lifes is to be happy.“

          Eine lange Liste für die Queen

          Diesem Motto scheint Dieter Beine zu folgen. Selten hat man in zwei Stunden Unterhaltung so oft das Wort „toll“ gehört. Beine findet seine Arbeit, seine Chefs, sein Team und die Tradition des Ehrenamtes in Deutschland einfach toll. Am allertollsten ist es für ihn, dass er pausenlos so viele interessante Menschen kennenlernt. Persönlichkeiten, die andere nur aus dem Fernsehen kennen. George W. Bush zum Beispiel. Oder Michail Gorbatschow. Oder den Dalai Lama. Oder die Queen.

          Um deren Staatsbesuch, der sie am Donnerstag auch nach Frankfurt führt, vorzubereiten, ist Dieter Beine am vergangenen Montag um 10 Uhr am Ort des Geschehens, im Kaisersaal. Auch zugegen sind der Leiter des städtischen Protokolls Karlheinz Voß samt zwei Mitarbeiterinnen, ein Mann von der Polizei und Konstantina Dagianta, die Managerin des Restaurants Operá in der Alten Oper, die das Catering übernehmen wird und die auch ihren Küchendirektor mitgebracht hat.

          Was ist da nicht alles zu besprechen, wenn man bei einem Staatsbesuch alles richtig machen will. Hat man daran gedacht, dass der Kaisersaal morgens zugeschlossen wird, nachdem der Sicherheitshund alles erschnüffelt hat? Dass dann niemand, aber auch wirklich niemand mehr herein darf, ehe um 12.30 Uhr das festliche Essen beginnt? Dass der Blumenschmuck also vorher frisch angeliefert werden muss? Und was ist mit Wasser? Karlheinz Voß verlässt schnell den Raum und kommt mit zwei Flaschen Liz zurück, einer besonders edel aufgemachten Mineralwassermarke. Aber damit findet er bei Dieter Beine keine Gnade. Die Queen heißt Elizabeth, da könnte man „Liz“ für eine unbotmäßige Anspielung halten. Auch den Menüpunkt „Königinpastetchen“ findet Beine aus demselben Grund nicht gut.

          Das Menü für die Queen

          Die Vorgaben für die fünf Caterer, die das Protokoll um ein Angebot für das Essen im Kaisersaal gebeten hatte, hießen „hessisch und königlich“, also zugleich bodenständig und edel, heimische Produkte hat sich die Queen gewünscht. Tafelspitz und grüne Sauce werden vorkommen, auch der Apfel wird eine Rolle spielen. Länger dauert die Diskussion im Vorraum des Magistratssitzungszimmers, ob es vier oder nur drei Gänge geben wird, denn das Essen darf nur bis halb drei dauern, weil um 14.35 Uhr die Königin sich in das Goldene Buch der Stadt eintragen wird.

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