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Verkehrszentrale Deutschland : Großhirn des Autobahnverkehrs

Überblick: Informationen über den Verkehr auf Deutschlands Autobahnen laufen in Frankfurt zusammen. Bild: dpa

Hessen bekommt keine Niederlassung der künftigen Bundesautobahngesellschaft. Aber als eine Art Entschädigung wird dafür in Frankfurt die Verkehrszentrale Deutschland eingerichtet.

          3 Min.

          Gestern sind die Autofahrer auf den hessischen Autobahnen gut durchgekommen. Zumindest am frühen Nachmittag, als Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) sich in der hessischen Verkehrszentrale im House of Logistics and Mobility (Holm) im Frankfurter Flughafenstadtteil Gateway umschaute. Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU), der den Gast aus Berlin begleitete, deutete begeistert auf eine Anzeige auf den vielen Monitoren mit Bildern des fließenden Verkehrs an der Wand, derzufolge die Verzögerungen aktuell nur elf Minuten betrügen.

          Hans Riebsamen

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nach Frankfurt angereist war Scheuer wegen der Verkehrsministerkonferenz, die im Holm tagte. Er nützte die Gelegenheit, um seinen hessischen Kollegen Tarek Al-Wazir (Die Grünen) und Ministerpräsident Bouffier mit einem Präsent zu beglücken – mit der offiziellen Zusage, dass die neue Autobahn-Gesellschaft des Bundes im Holm und damit in Hessen ihre Verkehrszentrale Deutschland einrichten werde. „Das Großhirn der deutschen Autobahnen wird hier nach Frankfurt kommen“, fasste Scheuer den Vorgang in einem Bild zusammen.

          Es ist freilich kein Zufall, dass Hessen mit seinem Holm als Sitz der Verkehrszentrale Deutschland ausgewählt wurde. Denn in den Holm-Räumen befindet sich seit dem vergangenen Jahr die Verkehrszentrale Hessen, die den Verkehr auf den hessischen Autobahnabschnitten steuert und lenkt. Sie ist zwar nicht die einzige Einrichtung ihrer Art in Deutschland, vielmehr finden sich sieben weitere Verkehrszentralen in Ballungsräumen wie München, Berlin oder Stuttgart. Doch die von der Straßenverwaltung Hessen Mobil in jahrelanger Arbeit aufgebaute hessische Zentrale gilt allgemein als vorbildlich.

          Der hohe Standard der Verkehrszentrale Hessen bei der Digitalisierung und ihre vorbildliche „Nutzerorientierung“ sind denn auch für Stephan Krenz, den Geschäftsführer der neuen Bundesautobahn-Gesellschaften, die entscheidende Gründe gewesen, sich für Hessen und das Holm zu entscheiden. Seinen Angaben zufolge bleiben die acht regionalen Verkehrszentralen erhalten, sie sollen sich weiterhin um den Verkehrsfluss auf den Autobahnen in den jeweiligen Metropolregionen kümmern. Doch nun solle es mit der Verkehrszentrale Deutschland eine neue Koordinierungsstelle geben. Vom Holm aus sollen vor allem die Verkehre auf den Langstrecken, also die Autobahnkorridore etwa von Frankfurt nach Basel, überwacht und gelenkt werden.

          Hessen Mobil stellt Personal

          Das Personal für die neue Verkehrszentrale wird von Hessen Mobil kommen. Insgesamt wird die Straßenverwaltung in Wiesbaden, die sich in Zukunft nicht mehr um die Autobahnen kümmern darf, sondern nur noch um die Landesstraßen, 923 Mitarbeiter an die neue Bundesautobahn-Gesellschaft abgeben. Darunter ist auch Achim Reußwig, derzeit noch Dezernatsleiter bei Hessen Mobil und künftig der Chef der Verkehrszentrale Deutschland. Die Frage, was mit den Mitarbeitern von Hessen Mobil geschehen wird, wenn die Landesverwaltung am 1. Januar 2021 die Verwaltung der hessischen Autobahnen an die neue Bundesgesellschaft abgegeben wird, hatte nicht nur die Belegschaft umgetrieben, sondern auch den Ministerpräsidenten.

          Bouffier zeigte sich gestern erfreut darüber, dass nach dem Abschluss eines Tarifvertrages vor einigen Tagen die Unsicherheit unter den Mitarbeitern der Straßenverwaltung zu Ende ist. Jene 15.000 Mitarbeiter, die von den Straßenverwaltungen der Länder zur Bundesgesellschaft wechselten, bekommen eine Jobgarantie und werden finanziell nicht schlechter gestellt, wie Bundesverkehrsminister Scheuer gestern sagte.

          „Die Entscheidung konnte nicht anders ausfallen“

          Für Bouffier ist es zwangsläufig gewesen, dass die Verkehrszentrale Deutschland nach Hessen ins Holm kommt: „Die Entscheidung konnte nicht anders ausfallen.“ Schließlich gehöre sein Bundesland zu den bedeutendsten Verkehrsdrehscheiben in Deutschland und Europa. Durch Hessen verliefen einige der wichtigsten Verkehrsadern der Republik. Über das Frankfurter Kreuz führen mit mehr als 365.000 Fahrzeugen am Tag mehr Autos und Lastwagen als über jeden anderen Punkt in Deutschland. „Hessen“, so fasste der Ministerpräsident zusammen, „hat sich eine Vorreiterrolle auf dem Gebiet des Verkehrs- und Mobilitätsmanagements in Deutschland und Europa erarbeitet.“

          Sekundiert bei seinem Lob auf die hessische Straßenverwaltung wurde Bouffier von Verkehrsminister Al-Wazir, der die bestehende Verkehrszentrale Hessen als „zentrales Nervensystem der intelligenten Straße“ bezeichnete. Dort seien die Zuständigkeiten und Kompetenzen für das Verkehrsmanagement auf dem gesamten hessischen Autobahnnetz gebündelt.

          Und demnächst wohl auch die Kompetenz für das gesamte deutsche Netz. Dafür wird die bestehende Zentrale im Holm noch ausgebaut werden müssen. „Am 1. Januar 2021 legen wir los“, kündigte der neue Autobahn-Chef Krenz an.

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