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Covid-Infektionen in Frankfurt : Baptisten-Gemeinde drohen strafrechtliche Ermittlungen

Dutzende Infizierte nach Gottesdienst: Haben die Verantwortlichen in der Baptisten-Gemeinde fahrlässig gehandelt? Bild: Wonge Bergmann

Die Frankfurter Gemeinde muss wegen des sorglosen Umgangs mit den Corona-Vorgaben mit strafrechtlichen Ermittlungen rechnen. Mittlerweile gibt es 112 Infizierte. Ein erkranktes Gemeindemitglied ist Erzieherin in einer Kita.

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          Die Baptisten-Gemeinde im Frankfurter Stadtteil Rödelheim muss wegen des offenbar sorglosen Umgangs mit den Corona-Hygieneregeln mit strafrechtlichen Ermittlungen rechnen. „Das Gesundheitsamt rekonstruiert das Geschehen sehr genau. Sobald wir alle Erkenntnisse haben, werden wir prüfen, ob wir entsprechende rechtliche Schritte einleiten“, sagte eine Sprecherin des Frankfurter Gesundheitsdezernats am Dienstag auf Anfrage. Die Verantwortung dafür, dass die Landesverordnung für Gottesdienste und religiöse Zusammenkünfte eingehalten werde, trage jede einzelne Gemeinde. „Daran hätten sie sich auch in Rödelheim halten müssen.“ Die Stadt habe keine Möglichkeit, sämtliche Gottesdienste und religiösen Veranstaltungen in Frankfurt zu kontrollieren.

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Nach einem Gottesdienst am 10. Mai hatten sich in dem Bethaus in Rödelheim nach neuen Erkenntnissen 112 Menschen mit dem Coronavirus infiziert. Nach Angaben von René Gottschalk, Leiter des Frankfurter Gesundheitsamts, waren bei dem Gottesdienst vor zwei Wochen 180 Personen anwesend. Im wesentlich größeren Frankfurter Dom dürfen zurzeit nur 70 Besucher  an einem Gottesdienst teilnehmen. Derzeit werden nach Gottschalks Worten noch 150 Personen überprüft.

          Die als Verein organisierte Gemeinschaft mit vielen großen Familien gab an, die Abstands- und Hygieneregeln eingehalten zu haben. Allerdings hätten die Gottesdienstbesucher keinen Mund-Nasen-Schutz getragen und gemeinsam in einem Raum gesungen.

          Eine Infizierte arbeitet in Kita

          Das Land hatte Ende April eine Verordnung erlassen. Nur nach deren Vorgaben sind seit Mai wieder öffentliche Gottesdienste und religiöse Zusammenkünfte erlaubt. Vorgeschrieben wird ein Mindestabstand von 1,50 Meter. Außerdem dürfen Gegenstände wie das Kollekten-Körbchen nicht entgegengenommen und weitergereicht werden. Sicherzustellen sind zudem „geeignete Hygienemaßnahmen“, zum Beispiel sollen Desinfektionsspender aufgestellt werden. Alle Glaubensgemeinschaften müssen die Regeln „am Versammlungsort gut sichtbar aushängen“.

          Ergänzt und konkretisiert werden die Verordnungen der einzelnen Bundesländer durch eigene Hygienekonzepte der großen Kirchen und Religionsgemeinschaften. Darin heißt es zum Beispiel, auf lauten gemeinsamen Gesang sei zu verzichten, Laufwege seien zu kennzeichnen, Priester sollten sich vor der Gabenbereitung die Hände desinfizieren. Die Konzepte sind mit den Ländern und dem Robert-Koch-Institut abgestimmt. Der Verein aus Rödelheim gehört allerdings keiner größeren Kirche an.

          Unterdessen gilt als sicher, dass eine der beiden infizierten Erzieherinnen, die in einer Flörsheimer Kita an Covid-19 erkrankt sind, Mitglied der Frankfurter Baptisten-Gemeinde ist. Das erfuhr die F.A.Z. aus sicherer Quelle. Die Frau, die in der U3-Notbetreuung eingesetzt war, hat mittlerweile offenbar eine Kollegin angesteckt. Wie die Stadt Flörsheim schon in der vergangenen Woche ohne Bezug auf die freie Baptisten-Gemeinde gemeldet hatte, befinden sich die Kinder auf Anweisung des Gesundheitsamtes im Main-Taunus-Kreis in häuslicher Quarantäne, ihre Eltern können sich freiwillig auf das Virus testen lassen. Zuhause isoliert worden seien außerdem drei weitere Mitarbeiterinnen der Kita, die engeren Kontakt mit der Erkrankten gehabt hätten.

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