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Frankfurt : Banken weiterhin im Zinstief gefangen

Sonnenuntergang am Finanzplatz: die Skyline der Bankentürme, im Vordergrund die EZB (rechts) Bild: dpa

Die Kreditinstitute leiden und die Kunden leiden mit: Die Suche nach rentierlichen Geldanlagen bleibt mühsam, denn die Niedrigzinsphase hält weiter an. Wohin also mit dem Ersparten?

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          Immerhin: Von Negativzinsen ist bisher bei den Volksbanken und Sparkassen im Rhein-Main-Gebiet nicht die Rede. Doch weit von einer Zahl mit einem Minus davor sind die regionalen Kreditinstitute auch nicht entfernt. Mit 0,2 Prozent verzinst die Nassauische Sparkasse derzeit gerade noch Einlagen auf dem Sparbuch, die Frankfurter Sparkasse zahlt 0,1 Prozent. Wer Kunde bei der Frankfurter Volksbank ist, muss sich sogar mit 0,05 Prozent bescheiden. Da ist es ein schwacher Trost, dass auch die Inflationsraten derzeit niedrig sind. Nach den veröffentlichten Zahlen des Statistischen Landesamts lagen die Verbraucherpreise in Hessen im Dezember 2014 exakt so hoch wie im Dezember 2013.

          Manfred Köhler

          Stellvertretender Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung und verantwortlicher Redakteur des Wirtschaftsmagazins Metropol.

          Auch der Wechsel zu den Tagesgeldkonten der regionalen Kreditinstitute hilft nicht. So zahlen die Nassauische und die Frankfurter Sparkasse auf Tagesgeld, wenn der Betrag 5000 Euro übersteigt, auch nur 0,1 Prozent Zinsen. Bringt jemand mehr Geld, wird er sogar bestraft: Wer bei der Frankfurter Sparkasse unbedingt mehr als zwei Millionen Euro auf einem Tagesgeldkonto parken möchte, bekommt bloß 0,05 Prozent.

          Ende der Niedrigzinsen nicht absehbar

          Die Kunden scheinen sich in ihr Schicksal gefügt zu haben. Nach wie vor sind Sparbuch und vor allem ein Tagesgeldkonto die verbreitetsten Anlageformen. Die Taunus-Sparkasse hatte im vergangenen Jahr einmal veröffentlicht, wie das Geld ihrer Kundschaft angelegt ist: Danach lagen 2013 von ihren Einlagen in Höhe von 3,2 Milliarden Euro ungefähr 1,8 Milliarden auf Tagesgeldkonten und weitere 0,4 Milliarden auf Sparbüchern. Weitere 0,7 Milliarden Euro waren bei der Sparkasse mit Sitz in Bad Homburg auf Girokonten geparkt. Hingegen spielten etwas längere Geldanlagen wie Festgeld, Spar- und Pfandbriefe kaum eine Rolle.

          Und es ist auch nicht abzusehen, dass die Zinsen bald wieder steigen. Am Wochenende bekräftigte Elke König, Präsidentin der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, ein Ende der Niedrigzinsen sei nicht absehbar. Dabei leiden unter den geringen Sätzen nicht nur die Kunden, sondern auch die Kreditinstitute. Denn sie verdienen an der Zinsspanne, dem Unterschied zwischen dem Zinssatz, den sie für Einlagen zahlen, und dem Zinssatz, den sie für Kredite nehmen. Und diese Spanne ist in Niedrigzinsphasen besonders gering. In den nächsten Wochen wird sich zeigen, welche Spuren dies in den Bilanzen der Banken hinterlassen hat. Heute will als erstes Haus der Region die Wiesbadener Volksbank ihre Zahlen für 2014 präsentieren, am Montag nächster Woche folgt die Frankfurter Volksbank.

          Was tun mit den Ersparnissen?

          Die Suche nach rentierlichen Geldanlagen ist jedenfalls mühsam. Manchmal hilft es schon, sich in der eigenen Bank nach Alternativen umzusehen. So zahlt die Frankfurter Sparkasse auf ein Online-Tagesgeldkonto immerhin 0,3 Prozent. Sonst helfen Internetportale wie www.fmh.de, bessere Konditionen zu finden. Dort lässt sich etwa erfahren, dass die Consorsbank, die bis vor kurzem als Cortal Consors firmierte, gegenwärtig auf Tagesgeld 1,2 Prozent zahlt, die ING-Diba gewährt Neukunden gegenwärtig sogar 1,25 Prozent. Wem auch das nicht reicht, der wird sich einlesen oder das Gespräch mit einem Anlageberater suchen müssen. Vage heißt es aus der Frankfurter Sparkasse, der Beratungsbedarf steige; je nach Risikoneigung empfehle man den Kunden, in den Aktienmarkt zu investieren oder sogar, sich eine Immobilie zuzulegen.

          Mit einem Investment in den Deutschen Aktien-Index war im vergangenen Jahr zwar auch nicht allzu viel zu verdienen – knapp drei Prozent –, aber die Jahre zuvor hatten mit erheblich höheren Renditen bewiesen, dass sich Investitionen in Unternehmen und Sachwerte lohnen können. Auch bei der Nassauischen Sparkasse wird darauf verwiesen, dass die Möglichkeiten der Geldanlage weitaus größer seien als nur Sparbuch und Tagesgeldkonto. Wer viel Geld habe, der habe es leichter: Größere Beträge erlaubten eine breitere Streuung. Doch auch die Sprecherin der Nassauischen Sparkasse gibt zu: „Patentlösungen gibt es allerdings nicht.“

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