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Catharina Szonn : Stich ins Herz

„Flexible Erwartungsauffälligkeit“: Installation von Catharina Szonn Bild: Galerie

Catharina Szonn stellt erstmals im Frankfurter Saasfee Pavillon Skulpturen und Installationen aus. In dieser Schau klingelt und rattert, scheppert und trötet es ganz allerliebst.

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          Auch schon eine Weile her, dass wir in einer Kunstausstellung an einen Song von Roy Orbison gedacht haben. „Love hurts, love scars, love wounds and marks“, heißt es da ein wenig selbstmitleidig, wie es unglücklich Verliebte halt nun einmal sind. Und vielleicht, mag man sich vor den im Kern malerischen, doch weit in die Skulptur und die Installation ausgreifenden Werken Catharina Szonns nun denken, vielleicht war ja auch die Künstlerin die letzten Tage schlicht ein bisschen aus der Spur. Jedenfalls kriegt man die Melodie von nun an nicht mehr aus dem Kopf. Dabei klingelt und rattert, scheppert und trötet es zwar durchaus ganz allerliebst in dieser Schau, mit der sich die 1987 geborene Künstlerin erstmals im Frankfurter Saasfee Pavillon vorstellt.

          Christoph Schütte
          Freier Autor in der Rhein-Main-Zeitung.

          Und es ist durchaus kein Zufall, wenn man vor manchen der kinetischen Skulpturen an den Nouveau Réalisme und insbesondere an Jean Tinguelys sich schon mal selbst zerstörende Maschinen und Zeichenautomaten denkt. Musik aber mag man das kaum nennen. Poppig dann schon eher, wenn der alte „Kobold“-Staubsauger eine gewaltige Fanfare ausstößt, bevor die derart aufgeblasene Skulptur wieder in sich zusammenfällt. Oder wenn Szonn, die bei Gunter Reski und Alex Oppermann an der Offenbacher Hochschule für Gestaltung studiert, es für „Flexible Erwartungsauffälligkeit“ alleweil blinken, schreddern, Verse schmieden und dabei das gewaltige Magazin aus einer Wäscherei im Raum rotieren lässt.

          Strenge Ordnung und Anarchie

          An Franz Wests „Passstücke“ gemahnende Skulpturen aus Gips und Styropor stolpern mal in diese, mal in jene Richtung, blockieren sich und stürzen, richten sich dann nolens volens doch noch einmal auf, und mit jedem Umlauf zieht nun die Maschine wie Gardinen aufgehängte Bilder auf und wieder zu. Bis sich das Perpetuum mobile am Ende selbst verheddert und blockiert. Das hat Charme, taumelt doch die Kunst zwischen der Welt strenger Ordnung hier und der Anarchie der Dinge dort vor allem hübsch chaotisch hin und her. Und fügt sich doch am Ende stets zu einem Bild, wie es Szonns Zeichenmaschine eben jetzt vor unseren Augen malt.

          Dabei sieht man hier zunächst nicht wirklich viel, hört indes vom großen, Kunst gewordenen Jammer umso mehr. Kratzt doch eine Nadel so nervtötend wie unermüdlich die immer gleichen Worte in die Rauchglasplatte: „I love you“. Sonst nichts. Als gelte es, sich buchstäblich tief und immer tiefer in Herz und Hirn des einstigen Geliebten einzuschreiben. Bis es schmerzt. „Love hurts“, mag man da ein letztes Mal noch unwillkürlich bei sich denken, in der Tat. Doch wie so oft in derlei Fällen bleibt auch hier die Klage unerhört. Und alles Flehen nur ein weiterer Stich ins Herz.

          Die Ausstellung im Saasfee Pavillon, Frankfurt, Bleichstraße 66 HH, ist bis 7. März mittwochs bis freitags von 11 bis 18 Uhr geöffnet.

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