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Vernachlässigte Viertel : 100 Millionen Euro für Frankfurter Stadtteile

  • -Aktualisiert am

Baulich wird sich in den Stadtteilen, wie hier in Nied, einiges ändern. Bild: Wolfgang Eilmes

In Frankfurt am Main sieht es nicht überall so aus wie im Bankenviertel. Deshalb will die Stadt 100 Millionen Euro in weniger glamouröse Viertel investieren.

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          Die Meinung, die westlichen Frankfurter Stadtteile würden gegenüber der Kernstadt vernachlässigt, ist so alt wie der Frankfurter Westen selbst. Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) kennt den Vorwurf gut. Er reiche bis zur Eingemeindung der ehemaligen Dörfer zurück, und teilweise entspreche er auch der Wahrheit, sagt das Stadtoberhaupt. „Über lange Jahre wurde zu wenig investiert.“ Gleichwohl werde das schlechte Image der Stadtteile eher von außen geprägt. „Viele Bürger aus dem Westen identifizieren sich mit ihren Quartieren. Sie wollen, dass sich etwas verändert, und treten aktiv für eine Verbesserung ein.“

          Damit es nicht beim guten Willen bleibt, haben Stadt, Land und Bund viel Geld in die Hand genommen: Knapp 100 Millionen Euro Fördermittel stehen zur Stärkung und Aufwertung von Höchst, Griesheim, Nied, Sossenheim und Bonames bereit. „Stadterneuerungsverfahren“ nennen Feldmann und Planungsdezernent Mike Josef (SPD) das auf mehrere Jahre angelegte Programm.

          16 Millionen Euro sollen zum Beispiel nach Sossenheim fließen, um Bestandsgebäude zu modernisieren und die Übergänge zwischen dem alten Ortskern und den Hochhaussiedlungen besser zu gestalten. Außerdem soll eine bessere „Aufenthaltsqualität“ geschaffen werden; zugesagt sind ein neuer Bolzplatz in der Henri-Dunant-Siedlung sowie ein modernerer Spielplatz in der Carl-Sonnenschein-Siedlung. „Manch kleine Projekte mögen banal klingen“, weiß Josef. „Für die Menschen vor Ort sind sie aber extrem wichtig.“

          Anwohner wünschen sich Sanierung

          Woher der Planungsdezernent das weiß? Das Beteiligungsverfahren bezieht die Bürger in den Stadtteilen mit ein. Planungswerkstätten, Stadtteilmanagement und lokale Partnerschaften erarbeiten gemeinsam Vorschläge und stehen mit den Ämtern im Austausch. Nur so habe er erfahren, dass sich viele Anwohner des Ben-Gurion-Rings in Bonames die Sanierung des Jugendhauses sowie neu gestaltete Innenhöfe und Quartierseingänge wünschen, berichtet Josef. Unter anderem stehen dafür nun 17 Millionen Euro bereit – und das, obwohl das Viertel strenggenommen eher im Frankfurter Norden liegt.

          Höchst ist der größte Stadtteil im Westen und steht deshalb besonders im Fokus – positiv wie negativ. Dort wird am meisten Geld zur Verfügung gestellt: Für 31 Millionen Euro sollen unter anderem der Höchster Stadtpark und die Rudolf-Schäfer-Anlage saniert, Bolongarostraße und Königssteiner Straße aufgewertet und dadurch der Einzelhandel gestärkt werden.

          2500 Vorschläge von Anwohnern

          Auch in Nied gibt es einiges zu tun. Dort haben sich besonders viele Anwohner an der Planung beteiligt: 2500 Vorschläge sind laut Josef eingegangen. Die Nieder wüssten um die Außenwahrnehmung ihres Viertels, viele schlagen deshalb vor, den „Kerbeplatz“ an der Nidda aufzuwerten und zum neuen Veranstaltungsort umzugestalten. Insgesamt 16 Millionen Euro sind vorgesehen.

          Unter seinem schlechten Image leidet auch Griesheim – was nicht zuletzt am baufälligen Bahnhof und dessen Umfeld liegt. Für 14 Millionen Euro soll dort unter anderem ein neuer Quartiersplatz gebaut werden, auch die negativ behaftete Ahornstraße erhält eine Aufwertung durch neue Grün- und Spielflächen.

          Dass eine solche Aufwertung aber auch unschöne Folgen haben kann, etwa steigende Mieten und die Verdrängung Alteingesessener, ist Josef bewusst. Die Stadt denke darüber nach, auch im Westen Milieuschutzsatzungen einzuführen. Bei Neubauprojekten werde auf öffentliche Träger und Genossenschaften gesetzt, der Bestand müsse geschützt werden. „Es wäre aber falsch, nichts zu tun“, sagt Josef. Der Westen warte schon zu lang.

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