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Frankfurt Alt-Sachsenhausen : Debatte um Sperrstunde

Problemviertel: Zwei Polizisten beobachten die Feiernden in Alt-Sachsenhausen. Bild: Lando Hass

Nach Ausschreitungen im Frankfurter Stadtteil Alt-Sachsenhausen will die Polizei die Sperrstunde deutlich vorverlegen. Die Stadt und auch ein Mitgründer der Initiative „Altsax neu“ sind nicht abgeneigt.

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          Betreiber von Bars und Kneipen in Alt-Sachsenhausen könnten sich schon bald mit einer früheren Sperrstunde an den Wochenenden konfrontiert sehen. Bisher beginnt diese Sperrstunde um 5 Uhr am Morgen, die Polizei möchte sie nach zuletzt regelmäßigen, massiven Auseinandersetzungen aber deutlich vorverlegen. Seit Jahren gilt das Vergnügungsviertel bei den Behörden als Brennpunkt, in dem laut Polizei spätestens von 3 Uhr morgens an „die Stimmung kippt“. Erst am vergangenen Sonntag waren Polizisten von etwa 50 Personen, die sich zuvor in einem Lokal an der Großen Rittergasse aufgehalten hatten, mit Steinen und Flaschen angegriffen worden.

          Katharina Iskandar

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aus dem Polizeipräsidium heißt es, man sei in engen Gesprächen mit der Stadt. Ein Sprecher sagte, es gehe darum, „die Erfahrungen der vergangenen Monate einfließen zu lassen. Gerade die letzten Wochen haben gezeigt, dass sich in den frühen Morgenstunden oft gewaltbereite Personen zusammengefunden haben, die aggressiv auftreten, und das auch begünstigt durch den Alkoholkonsum.“

          Sicherheitsdezernent Markus Frank (CDU) ist offenbar nicht abgeneigt, eine Vorverlegung der Sperrstunde in Betracht zu ziehen. „Wenn die Polizei Unterstützung benötigt, bekommt sie die“, sagte der Stadtrat der F.A.Z., die Stadt habe die Möglichkeit, die Sperrstundenverordnung „anzupassen“. Bevor dies jedoch geschehen könne, müsse die Verhältnismäßigkeit geprüft werden. Darüber werde mit der Polizei beraten.

          „Es wird kein Fehler sein“

          Über das Gewaltproblem hinaus gilt Alt-Sachsenhausen als „kritisch“, weil dort in und außerhalb der Kneipen auf engstem Raum gefeiert wird und dabei die Corona-Regeln oft nicht eingehalten werden. Eine Verschärfung der Masken-Regelung auch im Freien, wie es nun in München festgelegt wurde, schließt Frank derzeit aus. „Die Lage wird aber immer wieder neu bewertet.“

          Frank Winker, Betreiber der Apfelweinwirtschaften „Lorsbacher Thal“ und „Affentorschänke“ in Alt-Sachsenhausen, ist Mitgründer der Initiative „Altsax neu“, die sich für veränderte Strukturen in dem Viertel einsetzt. Überlegungen, die Sperrstunde vorzuverlegen, sieht er mit einer Mischung aus Zustimmung und Skepsis: „Es wird kein Fehler sein.“ Die grundlegende Problematik des Viertels, in dem es eine eher gutbürgerliche Ausgeh-Gastronomie genauso gibt wie Party-Lokale und Shisha-Bars, werde sich dadurch aber kaum ändern. Die Summe derer, die sich bis zum Morgengrauen auf der Straße betränken, werde nicht kleiner werden. Winkler wiederholt in diesem Zusammenhang die Forderung von „Altsax neu“, die Stadt solle mit den Hausbesitzern in dem Viertel ins Gespräch kommen, damit diese nicht automatisch an die Wirte vermieteten, die ihnen die höchste Pacht zahlten. Hilfreich wäre nach Winklers Ansicht auch ein stadtweites Verbot, Alkohol auf offener Straße mit sich zu führen und zu konsumieren.

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