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„Intelligente“ Städte : Abfalleimer ruft Müllabfuhr

Die Stadt der Zukunft steckt voller Technik: so wie dieses Aktiv-Haus der ABG am Frankfurter Westhafen. Bild: Helmut Fricke

Denkt die Stadt von Morgen mit? Auch für Frankfurt gibt es Ideen, wie die Stadt zu einer sogenannten „Smart City“ werden könnte. Technologiekonzerne wollen bei der Stadtplanung mitmischen.

          Die „Smart City“ in den Vorträgen der Zukunftsforscher steckt voller Sensoren, die alles vernetzen. Die Abfalleimer sind mit dem Internet verbunden und benachrichtigen die Müllabfuhr, wenn sie geleert werden müssen. Sensoren am Taxistand zählen die wartenden Autos. „Smart People“, also technik-affine, kreative Bürger, wohnen im „Smart Home“, dem vernetzten Zuhause, in dem lichtgesteuerte Rollläden auf Sonnenschein reagieren, der Kühlschrank automatisch Fotos seines Inhalts ans Handy schickt und der Roboter-Staubsauger unterwegs per Smartphone bedient wird.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Wer den Zukunftsforschern zuhört, dem schwirrt vor lauter Smartness der Kopf: Smarte Beamte üben sich in „Smart Governance“, also intelligenter Verwaltung und „nachhaltiger“ Stadtpolitik. „Smartmeter“ steuern den Stromverbrauch. Kritiker sagen, die völlig vernetzte, sensorengesteuerte Stadt sei eine Erfindung der Marketingabteilungen großer Technologiekonzerne, die ihre Produkte verkaufen wollen. Aber man kann es auch weniger pessimistisch sehen: die „Smart City“ als die ganz normale Entwicklung einer modernen, effizient organisierten Stadt, die sich den technischen Fortschritt zunutze macht.

          Für Verkehr und Energieverbrauch

          Vor etwa zehn Jahren tauchte der Begriff der „Smart City“ erstmals auf. Mittlerweile ist er, als Synonym für intelligente Stadtentwicklung, weit verbreitet. Einige Thesen der Apologeten der „Smart City“ und des „Smart Living“ fallen in die Kategorie höheres Geschwätz. Aber viele technische Innovationen können einer intelligenten Stadtentwicklung nutzen, etwa in Verkehr und Infrastruktur. Durch den Einsatz digitaler Technologie kann eine Stadt beispielsweise ihren Energieverbrauch senken.

          Ist Frankfurt also schon eine „Smart City“, nur weil die Ampeln und die Heizung in den öffentlichen Gebäuden zentral gesteuert werden? Ein amerikanischer Blogger veröffentlicht regelmäßig eine Rangliste der intelligenten Städte. In Europa ist Frankfurt zwar nicht unter den ersten zehn. Aber 2013 erhielt die Stadt eine „lobende Erwähnung“.

          Technisch hochgerüstete Wohnhäuser

          An vielen Stellen macht sich die Stadt Frankfurt technische Neuerungen bereits zunutze. Das Energiereferat will die Kohlendioxidemissionen alle fünf Jahre um zehn Prozent senken und bis zum Jahr 2030 halbieren, auch durch den Einsatz neuer Technologien und erneuerbarer Energien. Das House of Logistics am Flughafen forscht über eine intelligente, umweltfreundliche Entwicklung des Schwerlastverkehrs. Die moderne, 2011 in Betrieb genommene Verkehrsleitzentrale der Stadt wacht über den Autostrom in Frankfurt.

          Die öffentlichen Wohnungsgesellschaften ABG und Nassauische Heimstätte experimentieren mit dem Bau von technisch hochgerüsteten Wohnhäusern, die mehr Energie erzeugen, als sie verbrauchen. Die beiden Gebäude auf dem Riedberg und im Westhafen sind fast fertig. Auch der städtische Energieversorger Mainova schwimmt mit auf der Smart-City-Welle: Um Überlastungen im Stromnetz durch Photovoltaik- und Windkraftanlagen zu vermeiden, testet Mainova ein „Smart-Grid-Projekt“: Die Stromlast lässt sich durch den Einsatz intelligenter Technologie gezielt steuern.

          Ein eher „wolkiges“ Konzept

          Unter Stadtplanern ist das Konzept der „Smart City“ umstritten. Kritiker bemängeln, dass große Technologiekonzerne von den Projekten vor allem wirtschaftlich profitieren wollen. In einer technologiehörigen Stadt fehlten der Reiz der Überraschung und der Unordnung. „Effizienz, Produktivität und antizipierte Problemlösungen mögen interessante Ziele für autoritäre Behörden in Singapur und Sales Manager bei IBM sein. Städte sind aber schon immer mehr gewesen als Kommerz“, schrieb der Publizist Evgeny Morozov kürzlich im Feuilleton dieser Zeitung. Straßenfeste und andere Freizeitveranstaltungen passten nicht in das Paradigma der hypereffizienten, intelligenten Stadt.

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