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Frankfurt : Allianz erwägt Umzug nach Eschborn

Raus aus dem Glashaus: Die Allianz will das einst für sie maßgeschneiderte Gebäude am Theodor-Stern-Kai in Sachsenhausen verlassen. Bild: Fricke, Helmut

Die Allianz Deutschland AG prüft eine Verlagerung ihrer Frankfurter Niederlassung. So will das Versicherungsunternehmen Miete sparen. In Eschborn würde sich das Vodafone-Hochhaus anbieten.

          Die Allianz Deutschland AG prüft eine Verlagerung ihrer Frankfurter Niederlassung. Zur Wahl steht unter anderem Eschborn. Nach Informationen dieser Zeitung ist das Versicherungsunternehmen, das bisher in einem Bürogebäude am Theodor-Stern-Kai in Sachsenhausen ansässig ist, sowohl innerhalb als auch außerhalb der Frankfurter Stadtgrenze auf der Suche nach neuen Flächen, um die Mietkosten zu senken. Neben der „Neuen Börse“ im Frankfurter Stadtteil Hausen, dem früheren Sitz der Deutschen Börse, soll auch das derzeit von Vodafone gemietete Bürohochhaus an der Alfred-Herrhausen-Allee in Eschborn im Gespräch sein. Die Entscheidung steht offenbar kurz bevor. „Die Tendenz geht nach Eschborn“, heißt es in der Immobilienbranche.

          Rainer Schulze

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Ein Unternehmenssprecher bestätigte gestern, dass die Allianz derzeit an verschiedenen Standorten auf der Suche nach günstigeren Lagen für ihre Büroflächen sei, um die Mietkosten zu reduzieren. Dabei gebe es „keine Gesetzmäßigkeiten“. In München etwa wurde der Konzern außerhalb der Stadtgrenzen fündig: Die Allianz-Zentrale steht in Unterföhring. In Hamburg zieht die Niederlassung des Unternehmens innerhalb der Stadt um. Verließe die Allianz tatsächlich die Frankfurter Gemarkung, gingen nicht nur rund 1550 Arbeitsplätze, sondern auch hohe Gewerbesteuereinnahmen verloren. Wirtschaftsdezernent Markus Frank (CDU) ist nach eigenen Angaben bereits seit Wochen über die Umzugspläne der Allianz informiert: „Wir führen Gespräche in der Hoffnung, dass sie bleiben“, sagt er.

          „Auch die Allianz hat Interesse“

          Dem Vernehmen nach will sich die Allianz noch in diesem Jahr entscheiden und wegen der Kündigungsfristen des bestehenden Mietverhältnisses innerhalb von eineinhalb bis zwei Jahren umziehen. Aus diesem Grund kommt nur ein Bestandsgebäude und kein Neubau in Frage. Da die Allianz rund 40000 Quadratmeter zusammenhängende Bürofläche benötigt, ist die Auswahl überschaubar. Die „Neue Börse“ in Hausen, von ihrem Eigentümer Commerz Real wegen ihrer Größe auch „Lateral Towers“, also „nebeneinanderliegende Türme“ genannt, wartet seit dem Auszug der Börse auf einen neuen Mieter. Einer Unternehmenssprecherin zufolge überlegt auch die Commerzbank, dort verschiedene Standorte zusammenzulegen. „Auch die Allianz hatte Interesse“, sagt sie.

          In Eschborn würde sich das Vodafone-Hochhaus anbieten, das voraussichtlich im Herbst 2013 frei wird. Das Telekommunikationsunternehmen will 350 Arbeitsplätze nach Düsseldorf verlagern und sucht für die verbleibenden rund 600 Mitarbeiter der Sparten Festnetztechnik und Vodafone TV eine neue Bleibe, nach Möglichkeit wieder in Eschborn. „Wir wollen nächstes Jahr im Herbst umziehen“, sagt ein Sprecher. Die dritte Variante wäre ein Verbleib am bisherigen Standort in Sachsenhausen. Dagegen spricht allerdings die relativ hohe Miete, die die Allianz an den Eigentümer IVG zu zahlen hat. Das erst vor zehn Jahren von der Allianz selbst erbaute Gebäude wurde 2007 für 1,3 Milliarden Euro an das Bonner Immobilienunternehmen verkauft.

          Frankfurt ginge ein Traditionsunternehmen verloren

          Verließe die Allianz die Stadt, ginge Frankfurt auch ein Traditionsunternehmen mit langer Geschichte verloren. Der Unterföhringer Versicherungskonzern hat nämlich auch Frankfurter Wurzeln: 1929 übernahm die damals noch Münchener Allianz die Frankfurter Allgemeine Versicherungs AG. Bis Anfang 2006 blieb diese als „Frankfurter Allianz“ eine eigenständige Versicherung mit eigenem Vorstand und Vertriebsnetz unter dem Dach der Konzernmutter.

          Erst vor etwa sechs Jahren wurde die Tochtergesellschaft eingegliedert. Etliche Arbeitsplätze wurden daraufhin in Frankfurt abgebaut. Am Main blieb nach dem Konzernumbau das Spezialgeschäft der Autoversicherung übrig. Noch Anfang des vergangenen Jahrzehnts hatte die zuvor an der Taunusanlage ansässige Allianz am Mainufer die neue Dependance eröffnet, die sie nun verlassen will. Das gläserne Gebäude beherbergt auch eine Lichtinstallation - sie trägt den Titel „Im Fluss“.

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