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Seit Wochen ohne Lohn : Abermals rumänische Arbeiter geprellt

Enttäuscht und bedrückt: Rumänische Bauarbeiter im Europaviertel, die seit Wochen nicht bezahlt wurden. Bild: Max Kesberger

Das Frankfurter Europaviertel wächst und gedeiht. Bauherrn wie Immobilienfirmen haben Grund zur Freude. Nicht so die rumänischen Arbeiter, die dort protestierten. Sie sind seit Wochen nicht entlohnt worden.

          Schon sein unsicherer Blick verrät, dass Adrian Trandafir lieber auf der Baustelle arbeiten als davor protestieren würde. Doch der verheiratete Vater zweier Kinder hat sich an diesem Morgen zusammen mit 40 Kollegen dazu durchgerungen, weil er sich nicht mehr anders zu helfen weiß. Er hat seit Wochen keinen Lohn mehr bekommen. Geld, auf das nicht nur er, sondern auch seine Familie in Rumänien angewiesen ist, wie er sagt. Der Mann mit schwarzen Haaren, blauen Augen und von Wind und Wetter gegerbter Haut ist Alleinverdiener. Seine Frau und die beiden elf und 16 Jahre alten Kinder sind daheim in Constanta geblieben. Die Stadt liegt am südöstlichen Zipfel von Rumänien, unmittelbar am Schwarzen Meer.

          Jochen Remmert

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, zuständig für Flughafen und Offenbach.

          Mit dem Bus dauert die Reise nach Frankfurt eineinhalb Tage, sie kostet 150 Euro. Schon dieses Geld müssen sich die Arbeiter oft erst einmal leihen und darauf hoffen, dass sie es dann in Deutschland schnell wieder verdienen. Versprochen werden gut 14 Euro Stundenlohn. Tatsächlich aber liegt das Entgelt nicht selten darunter, berichten die Arbeiter. Die wirkliche Arbeitszeit ist kaum zu prüfen, und wenn noch Kosten für Unterkünfte abgezogen werden, sind Manipulationen Tür und Tor geöffnet. Generalunternehmer der Baustelle an der Hattersheimer Straße am Rande des Europaviertels in Frankfurt ist die D & B Bau GmbH aus Neustadt an der Weinstraße. Sie wiederum gehört zur Demathieu-&-Bard-Gruppe in Frankreich.

          200.000 Euro an Löhnen stehen aus

          Die Ausführung des Baus hat D & B Bau allerdings einem Offenbacher Unternehmen übertragen. Sie hat die Lohnsumme zwar von der D & B Bau nach deren Angabe in voller Höhe kassiert, das Geld aber nicht oder nur zu einem Bruchteil an die rumänischen Bauarbeiter ausgezahlt. Alles in allem stehen rund 200.000 Euro an Löhnen aus, hat die IG Bau errechnet. Zudem hat das Offenbacher Subunternehmen die Miete für Unterkünfte der Wanderarbeiter nach Angaben der Gewerkschaft nicht bezahlt - mit der Folge, dass mehr als 20 von ihnen zunächst keine Bleibe mehr hatten.

          In diesem Punkt konnte allerdings der Frankfurter Oberbürgermeister Peter Feldmann (SPD) bei seinem Besuch der Baustelle eine gute Nachricht überbringen. Für die Unterbringung sei gesorgt, sagte er. Den Arbeitern versicherte das Stadtoberhaupt, dass das eigentlich nicht die Art sei, wie Frankfurt mit Gästen umgehe. Bei den Gewerkschaftern von der IG Bau und dem DGB bedankte sich Feldmann für ihre Hilfe. Die rumänischen Arbeiter ermutigte er, sich nicht einschüchtern zu lassen. Dass deren heikle Lage überhaupt publik wurde, ist nicht zuletzt Letitia Türk vom DGB-Projekt „Faire Mobilität“ zu danken. Die in Rumänien geborene Gewerkschafterin hilft den Männern, die in der Regel kein Deutsch sprechen können, ihre Rechte einzufordern.

          Nur 54 Männer bekommen ihr Geld

          Ganz leicht dürfte es erst einmal nicht werden, die ausstehenden Löhne rasch zu bekommen. Denn der Subunternehmer aus Offenbach scheint verschwunden. In seinem Handelsregister-Eintrag sind mehrere Mitglieder der Familie als Kommanditisten genannt, die dem Unternehmen den Namen gegeben hat. Von 2014 an taucht dort zudem ein Geschäftsführer auf, der nicht nur für mehrere inzwischen nicht mehr existierende Bauunternehmen in Rhein-Main verantwortlich gezeichnet hat, sondern auch für solche in Polen.

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