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Frank Mußmann : Der viele kennt und vielen hilft

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Hier ist er gern, hier kann er gestalten: Frank Mußmann vor der „Fabrik“ in Frankfurt-Sachsenhausen. Bild: Eilmes, Wolfgang

Frank Mußmann, der frühere Frankfurter Kulturamtsleiter, fügt auch im Ruhestand soziales Engagement und sein Faible für die Künste zusammen.

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          Einmal lag er total daneben. Frank Mußmann dachte, der Posten des Kulturamtsleiters in Frankfurt sei kein besonders politischer. Wie er auf die Idee kam? Weil er in keiner Partei gewesen sei, als ihn SPD-Mann Hilmar Hoffmann auf diesen Stuhl holte. So schlicht dachte er damals. Dabei war er mit 44 Jahren kein Grünschnabel mehr und hatte verschiedene Stationen als Verwaltungsjurist hinter sich. Heute wundert er sich über sich selbst. Es sind einige Jahre vergangen seitdem. Im September feiert er seinen siebzigsten, eine Woche lang in Frankreich mit Freunden. Das wird ein Fest. Und er hat die Nase immer noch nicht voll. Andere hätten längst gesagt: Lasst mich in Ruhe. In Ruhe?

          Lässig sitzt er in seinem Büro. Er hat ein veritables Büro - das ist für einen Fast-Siebzigjährigen nicht selbstverständlich. Auch nicht, dass er dorthin jeden Tag radelt. Das Büro befindet sich in einem frisch renovierten Haus an der Mörfelder Landstraße im Frankfurter Stadtteil Sachsenhausen. Weil das Haus so frisch renoviert ist, geht es ein wenig drunter und drüber. Es ist noch nicht alles fertig, im Flur liegen jedoch bereits die Fliesen mit dem altmodischen Muster, das so gut in ein solches Haus passt. Auch drum herum ist alles Baustelle, da sind zwölf edle Eigentumswohnungen entstanden und ein Ladengeschäft im Erdgeschoss. Die Bauarbeiten sind allerdings in der Endphase, es wird schon eingezogen, die Appartements sind alle verkauft. Vor knapp anderthalb Jahren wurde mit dem Bau begonnen. „Anderthalb Jahre für so ein Projekt ist gar nichts.“ Mußmann ist richtig stolz, dass der Zeitplan relativ genau eingehalten wurde. Das Projekt ist ehrgeizig, es sieht so aus, dass es klappt. Zumindest diese Etappe. Das wird dann auch gefeiert.

          Wie es dem Stadtteil gebührt

          Denn alles hängt mit allem zusammen. Das alte Gebäude mit Mußmanns Büro und der Neubau mit den Wohnungen an der Ecke zum Mittleren Hasenpfad stehen auf dem Gelände der Peter-Paul-und-Emy-Wagner-Heinz-Stiftung, die sich kulturellen und sozialen Zwecken verpflichtet hat. Auf dem Areal gibt es noch ein paar Gebäude, Schmuckstücke darunter, allen voran die „Fabrik“ mit ihrer denkmalgeschützten Neorenaissance-Fassade, in der bis in die siebziger Jahre des vergangenen Jahrhunderts technische Öle abgefüllt wurden. In ihrem Kellergewölbe finden seit geraumer Zeit Veranstaltungen statt - Jazz, Chansons, Lesungen, Gespräche. Es ist samt Ü-40-Disko ein munteres Programm, mehr für Alt als für Jung, was sich jedoch ändern soll. Manche Interpreten hat Mußmann schon als Student gesehen. Vor allem aber soll die Fabrik in den nächsten Jahren zur festen Spielstätte der Kammeroper mit zweihundert Plätzen ausgebaut werden, auf deren Bühne sollen auch andere spielen können, wenn sie es wollen. Die Kammeroper irrgeistert seit gut und gern drei Jahrzehnten durch Frankfurt. Damit soll Schluss sein.

          Das ist die letzte Etappe des Projektes Kulturzentrum Fabrik. Hat die Kammeroper ein eigenes Domizil, ist auch diese Vorgabe der Stiftung erfüllt, und Sachsenhausen hat eine Kulturoase in seiner Mitte. Wie es dem Stadtteil gebührt. Spätestens 2017 soll es so weit sein. Die letzte Etappe ist jedoch teuer. Daher der Neubau und der Verkauf der Wohnungen, daher das Ladengeschäft. Damit Geld zusammenkommt. Aber es reicht noch nicht. Dreieinhalb Millionen Euro fehlen für den kühnen Plan, die müssen noch erwirtschaftet werden.

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