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Frank Kaufmann über Fluglärm : „Schallschutz zu Lasten der Fraport-Aktionäre bezahlen“

  • Aktualisiert am

Wegweiser: Grünen-Politiker Frank Kaufmann. Bild: Röth, Frank

Der Grünen-Landtagsabgeordnete Frank Kaufmann würde Flugzeuge auch nach 23 Uhr starten lassen, damit Passagiere nicht im Terminal campen müssen. Es müssten aber tatsächlich unvermeidbare Ausnahmen sein.

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          Für Ausbaukritiker ist das Nachtflugverbot eine Farce, weil es nicht von 22 bis 6 Uhr reicht und Ausnahmen zulässt. Für die Lufthansa und Fraport ist es ein zu rigides Zeitregime, das Millionen kostet. Sie gehören zu den Ausbaugegnern, können sie die Klagen der Luftverkehrswirtschaft trotzdem verstehen?

          Natürlich kann ich das verstehen. Und ich finde das selbstverständlich auch nicht gut, wenn ein voll besetzter Flieger vom Startpunkt zurück zum Gate muss, wenn die Leute auf Feldbetten übernachten müssen und es vereinzelt sogar zu Tumulten kommt. Aber man muss danach fragen, wer die Regelmöglichkeiten hat. Und das ist doch die Luftverkehrswirtschaft, also Fraport und die Airlines. Die könnten es vermeiden.

          Wie?

          Indem sie den Abflugzeitpunkt eben nicht mehr auf 22.45 Uhr setzen, wodurch die Zeit fast zwangsläufig zu knapp wird. Und dass ein Gewitter, das um 19 Uhr nieder geht, noch bis 23 Uhr Verzögerungen erzeugt, versteht sowieso niemand. Die Kapazität des Flughafens ist doch durch den Ausbau massiv gestiegen. Gleichzeitig ist sie noch längst nicht ausgeschöpft. Also müsste es doch genug Reserven geben, um Verzögerungen durch Unwetter rasch wieder aufzuholen.

          Was spricht ernsthaft dagegen, ein Flugzeug um drei Minuten nach 23 Uhr noch starten zu lassen? Ist das nicht starrsinnig und kleinkariert, das vollbesetzte Flugzeug umdrehen zu lassen? So wollen doch Grüne gar nicht sein?

          Ja, das ist starrsinnig und vielleicht auch kleinkariert. Aber das ist auch bitter nötig, solange die andere Seite auch starrsinnig und kleinkariert ist, wenn nämlich planmäßig der letzte Flieger erst um 22.59 Uhr rausgeht. Es gibt ja jetzt schon den Streit darüber, ob ein Flugzeug startet, wenn der Tower sagt „go“ oder erst dann, wenn die Räder den Boden verlassen. Da liegt etwa eine Minute dazwischen.

          Das ist schon engstirnig, oder?

          Wenn man großzügig sein will, bin ich sofort dabei. Aber dann erst dann, wenn in der Regel nach 22.30 Uhr kein Flieger mehr startet. Dann kann auch einmal um 23.03 Uhr eine Maschine abheben, ohne dass es gleich einen Aufschrei gibt. Das gilt aber nur dann, wenn Ausnahmen auch tatsächlich Ausnahmen bleiben. Andernfalls muss eben das Beil um genau 23 Uhr fallen. Ich finde es nicht schön, dass wir in so einer Situation sind.

          Erwarten Sie noch konkrete Veränderungen durch die schriftliche Urteilsbegründung des Bundesverwaltungsgerichts zum Ausbau?

          Nach den klaren Worten des Vorsitzenden Richters, man dürfe die Nacht nicht zum Tage machen, bin ich nicht ohne Zuversicht, dass sich gerade, was die Nachtrandstunden betrifft, einiges tun wird. Denn diese Stunden zählen zur Nacht, und wir machen sie gerade zum Tag.

          Mit dem neuen Wirtschaftsminister Florian Rentsch müssten sie in dieser Sache doch recht zufrieden sein. Er hat den Wunsch von Fraport-Chef Schulte nach mehr Flexibilität strikt abgelehnt.

          Florian Rentsch ist ein besserer Verkäufer als sein Vorgänger Posch. Es ist klug genug, nicht zu schweigen, wie Posch es getan hat. Wenn er 50 Ausnahmegenehmigungen zu verantworten hat, gibt es nun gleich am nächsten Tag eine Pressemitteilung. Das wird den Leuten sicherlich nicht genügen, aber die Grundidee ist aus seiner Position heraus nicht falsch. Der Ärger ist immer viel größer, wenn die Leute ohne jede Information sind. Wenn sie Hintergründe kennen, die womöglich auch plausibel klingen, sind sie etwas beruhigter.

          Ein neuer Kurs?

          Nein, das ist taktisches Verhalten, nicht mehr. Materiell wird sich nichts ändern.

          Noch einmal zu den Randstunden zwischen fünf und sechs Uhr und zwischen 22 und 23 Uhr. Hätte man die Frage verspäteter Starts wie auch die der Verkehrsgestaltung in diesen Nachtrandstunden nicht besser in einem Planergänzungsverfahren gelöst?

          Ein Planergänzungsverfahren wäre dringend nötig, und ich erwarte auch, dass es kommt, wenn die Betroffenen erst einmal die Urteilsbegründung gelesen haben und feststellen, dass da noch sehr viel mehr zu prüfen ist.

          Wird es dann womöglich doch noch Nachtflüge geben?

          Ich gehe davon aus, dass das, was nun festgeschrieben wurde, Bestand hat, es wird sich also wohl in der Mediationsnacht nichts ändern. Aber es wurden in der Plankorrektur zwei Zahlen verändert, die 133 Flugbewegungen in den Nachtrandstunden statt der ursprünglich 150 und die Null statt der 17 Nachtflüge. Da können noch sehr wohl neue Einwendungen erfolgen, etwa seitens der Lufthansa.

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