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Fracking : Kuweit investiert in Frankfurter Start-up

Die Kuwait Investment Authority investiert über eine Tochtergesellschaft in das Start-up Tou-Gas aus Frankfurt, das Fracking umweltfreundlicher machen will. Auch ein Wagniskapitalfonds aus London gibt Geld.

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          Das auf Fracking-Chemikalien spezialisierte junge Frankfurter Unternehmen Tou-Gas hat zwei namhafte Investoren gewonnen. Wie Geschäftsführer Horst-Tore Land dieser Zeitung sagte, haben sich die Enertech Holding aus Kuweit und der Wagniskapitalfonds Conduit Ventures Limited in London an der erst in diesem Frühjahr gegründeten Tou-Gas Oilfield Solutions GmbH beteiligt. Die Geldgeber haben nach seinen Worten einen „signifikanten einstelligen Millionenbetrag“ investiert. Dies sei der erste Schritt in dieser Partnerschaft. Hinter Enertech steht die Kuwait Investment Authority, der Conduit-Fonds wird unter anderem vom Ölkonzern Royal Dutch Shell gefüllt.

          Thorsten Winter

          Wirtschaftsredakteur und Internetkoordinator in der Rhein-Main-Zeitung.

          Zudem hat Land eigenes Geld in das Start-up gesteckt. Gleiches gilt für den Frankfurter Unternehmer Karl-Gerhard Seifert, der als Aufsichtsratsvorsitzender der Tou-Gas zeichnet und Gesellschafter des Chemieunternehmens Allessa aus Frankfurt-Fechenheim ist. Dort befindet sich auch der Sitz der Tou-Gas, die sich für die Produktion der Allessa bedient. Das junge Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, das in Amerika längst verbreitete, in Deutschland aber umstrittene Fracking umweltverträglicher zu machen. Bei dieser Technik wird gemeinhin ein Gemisch aus Wasser, Chemikalien und Sand mit hohem Druck tief in den Boden gepresst. In der Folge wird das Gestein aufgebrochen, im Gestein gebundenes Gas und Öl können entweichen.

          Gleiche Chemie wie in Windeln

          Die Produkte von Tou-Gas basieren laut Land auf der gleichen Chemie wie der für Babywindeln verwendete Stoff Superabsorber. Deshalb seien die Fracking-Hilfsstoffe mit Blick auf ihre Giftigkeit auch genauso eingestuft wie Windeln. Zudem schreibt Land ihnen den Vorteil zu, auch in einem 200 Grad heißen Umfeld stabil zu bleiben, während Konkurrenzprodukte bei solchen Temperaturen versagten. Vor allem seien die Produkte von Tou-Gas nicht auf die Gabe von Frischwasser angewiesen, sondern kämen mit Gesteinswasser aus. Dies wiederum ist ein wichtiges Argument in Ländern wie China und Südafrika, in denen Öl und Gas in wasserarmen Gebieten lagern, wie Land erläutert. Aus Sicht von Aufsichtsratschef Seifert brauchen die Chinesen Fracking, weil Öl und Gas in China sehr tief im Gestein lagerten.

          Vor diesem Hintergrund hätten sich Interessenten aus China gemeldet, das Geschäftsführer Land gerade zweimal besucht hat. Er spreche mit Unternehmen und staatlichen Institutionen über Feldversuche und Markteinführung. „Wir glauben, dass wir bis Ende Oktober etwas unterschreiben, das uns einen exzellenten Markteintritt ermöglicht“, hebt er hervor. Außerdem habe Tou-Gas in der Ukraine ein unterschriftsreifes Projekt und ein sehr konkretes im arabischen Raum. Die kuweitische Enertech helfe den Hessen aktiv, am Golf Geschäfte zu machen - „zum beiderseitigen Vorteil“. Nicht zuletzt sei Tou-Gas in Russland und in Südafrika in Gesprächen.

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