https://www.faz.net/-gzg-9s4z9

Fotografieausstellung : Die Magie des Lichts

Tag und Nacht: Linn Pedersen „Day for Night, 2017, Giclée Print. Bild: Linn Pedersen

Erhellend: Das Fotografie Forum Frankfurt zeigt unter dem Titel „Ethereal“ Fotokunst aus Norwegen. Die besonderen Lichtverhältnisse sind nicht nur eine Herausforderung, sondern auch Inspiration.

          2 Min.

          Das Licht gleißend, flirrend, schimmernd, funkelnd, brennend, durchdringend oder auch verdämmernd, verblassend, verschwindend. Die teils extremen Lichtverhältnisse in Norwegen bedürfen vieler Adjektive, um ihre Qualitäten zu erfassen. Vom schier nachtlosen Mittsommer bis zum Dämmerzustand im Winter reichen die Extreme, an den Küsten des Landes noch verstärkt durch die Reflektionen auf dem Wasser oder aber durch den Schnee, der im Winter Landschaften und Berge weiß verhüllt.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Diese Lichtverhältnisse sind eine Herausforderung, aber auch eine Inspiration für Fotografen, wie nun eine Ausstellung im Fotografie Forum Frankfurt zeigt. Unter dem Titel „Ethereal. Photographic Art From Norway“ vereint sie drei sehr unterschiedliche Künstlerinnen und Künstler, deren Arbeiten eine Ahnung von der Vielfalt der Fotokunst im diesjährigen Ehrengastland der Frankfurter Buchmesse geben. Ausgewählt von Celina Lunsford, der künstlerischen Leiterin des Fotografie Forums, stehen A K Dolven, Linn Pedersen und Dag Alveng stellvertretend für die lebendige zeitgenössische Fotokünstlerszene in Norwegen.

          Konzeptkünstler und Street Photography

          Dag Alveng, Jahrgang 1953, dürfte dabei so etwas wie der Doyen der Szene sein, gehört der auch international bekannte Fotograf doch zu den Mitbegründern der Fotogalleriet in Oslo, wichtigster Ausstellungsort für Fotografie in Norwegen. Alveng, der viele Jahre zwischen Oslo und New York pendelte, hat sich sowohl als Konzeptkünstler wie auch mit Street Photography einen Namen gemacht. Seine Projekte und Serien, darunter Werkgruppen wie „Asylum“, „Racing“ oder „Wilse“, sind oft auf einen Zeitraum von Jahren angelegt.

          Auch für die nun in Frankfurt ausgestellte Serie „Sommerlys (Sommerlicht)“ hat er sich Zeit gelassen. Mit der Großbildkamera hat er dabei typische Sommerszenerien festgehalten: Entspannte Menschen am Strand, im Garten oder im Wald; sommerliche Landschaften, fast schon beiläufig geknipst wirkend; Ulkereien, wie jenes Bild von der Hand mit der Wasserflasche in der Hand, den Inhalt der Flasche ins Wasser gießend.

          Erst beim genaueren Betrachten der großformatigen, von Alveng selbst abgezogenen Bilder fällt einem das eigentliche Motiv auf: Es ist das Licht des norwegischen Hochsommers, ein sichtbar gleißendes Licht, das den Fotografen fasziniert. Dieses Licht will er einfangen, will es malen, will es im wahrsten Sinne des Wortes fotografieren.

          Polarlich: A K Dolven „melankoli“, 1998, Video-Projektion mit Sound.

          Vom Licht verzaubert ist auch Anne Katrine Dolven, ebenfalls Jahrgang 1953, die unter dem Künstlernamen A K Dolven arbeitet und in ihren Arbeiten die Disziplinen Fotografie, Film, Skulptur und Installation verknüpft. So auch in ihren in Frankfurt gezeigten Werken „melankoli“ und „vertical on my own“. Beides sind Videoprojektionen mit Sound, in denen Dolven ihren Körper als Skulpturmasse einsetzt. Für „melankoli“ filmte sie ihre Oberschenkel und Knie, die sich langsam öffnen und schließen und in dieser Perspektive etwa an Berge auf Inseln denken lassen, arbeitet die Künstlerin doch häufig auf der vor Norwegen liegenden Inselgruppe der Lofoten. Nördlich des Polarkreises gelegen, herrscht auf den Lofoten ein ganz besonderes Licht, dessen Farbenspektrum sowohl im Sommer als auch im Winter Dolven in dem Video vorführt. Das Winterlicht allein hat sie sich hingegen für „vertical on my own“ zunutze gemacht, wenn sie mit den langen Schatten spielt, die ein Körper bei diesem diffusen Licht auf eine Schneedecke wirft.

          Sommerlicht: Dag Alveng „Watering Water“, 1979.

          Ebenfalls mit Fotografie, Skulptur und Installation beschäftigt sich Linn Pedersen, Jahrgang 1982 und damit die jüngste im Bund. Sie präsentiert im Fotografie Forum ihre Installation „Pupill“, deren an eine Holzhütte erinnernden Bauten vorher in ähnlicher Weise in einem Park in Oslo standen. In die Holzwände hatte Pedersen Löcher geschnitten und damit den Bau zu einer überdimensionalen Camera obscura umfunktioniert, die den Betrachtern ungewohnte Blickwinkel auf die von Pedersen über Monate hinweg fotografierte norwegische Landschaft öffnet. Es ist tatsächlich ein Blick nach innen, und das Licht lässt Unbekanntes und Unerwartetes aufscheinen. Erhellend fürwahr.

          Die Ausstellung „Ethereal. Photographic Art From Norway“ ist bis 12. Januar 2020 im Fotografie Forum Frankfurt, Braubachstraße 30–32, zu sehen. Öffnungszeiten: Di bis So 11 bis 18 Uhr, Mi 11 bis 20 Uhr.

          Weitere Themen

          Liebe zur Lücke

          Theater für Kinder : Liebe zur Lücke

          Bereicherndes Patchwork: Das Theaterkollektiv Monstra macht Stücke für Kinder und alle anderen, derzeit im Theaterhaus Frankfurt.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.