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Fotografien von Sepp Jäger : Wie Frankfurt von 1930 bis 1970 aussah

Weihnachtsstimmung mit Mercedes 190 SL: Café Kranzler an der Frankfurter Hauptwache 1958 Bild: Sepp Jäger

Kein Künstler, sondern ein Handwerker: In 100.000 Aufnahmen dokumentierte Presse- und Industriefotograf Sepp Jäger die Frankfurter Alltagsgeschichte von 1930 bis 1970.

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          Sepp Jäger war kein Künstler, er war ein Handwerker der Kamera. Ein Mann nicht des kunstvollen Schnappschusses, sondern ein Chronist, der sich nicht daran störte, dass die Menschen auf seinen Aufnahmen den Eindruck vermitteln, zu wissen, dass sie fotografiert werden. Ein Pressefotograf, der mit hohem Tempo von Termin zu Termin eilte, sich mit Berufskollegen um die besten Plätze streiten musste und dabei nicht immer gewann. Da es zu seiner Zeit noch keine guten Zoom-Objektive gab, ist oft etwas abgeschnitten, das man gern ganz gesehen hätte.

          Matthias Alexander

          Ressortleiter des Regionalteils der Frankfurter Allgemeinen Zeitung.

          Der 1906 geborene Jäger war offenbar eminent fleißig, rund 100.000 Negative haben sich erhalten, ein Fünftel davon befindet sich im Archiv des Hessischen Rundfunks (HR), für den er annähernd 20 Jahre lang gewissermaßen Hausfotograf war; den Rest hat der HR, der den Nachlass von den Erben nach dem Tod Jägers im Jahr 1976 erwarb, dem Hessischen Wirtschaftsarchiv mit Sitz in Darmstadt als Depositum überlassen. Aus diesem Bestand hat Ulrich Eisenbach eine Auswahl von etwa 150 Fotos getroffen und dazu knappe Bildunterschriften verfasst.

          Reizvoller Abbildungszeitraum

          Es ist ein reizvoller Zeitraum, in dem Jäger tätig war. Aus dem Jahr 1930 stammt die älteste Aufnahme in dem Band, aus den späten Sechzigern das jüngste Bild. Der Fotograf blickte auf das alte Fachwerk-Frankfurt, auf das zerstörte Frankfurt, auf das nüchtern wieder aufgebaute Frankfurt. Gern hätte man gewusst, wie Jäger die Zeitläufte betrachtet hat, doch darüber schweigt sich der Herausgeber des Bandes aus. Einige Aufnahmen aus dem „Dritten Reich“ werden gezeigt, etwa von der Beerdigung der Besatzung des Luftschiffs Hindenburg, fast auf jeder ist ein Hakenkreuz zu sehen. Das muss jedoch kein Zeichen einer besonderen Verbundenheit Jägers mit dem Regime sein, es kann auch einfach ein weiterer Hinweis dafür sein, wie omnipräsent die Insignien der Nazis im öffentlichen Raum waren.

          Vorbereiten auf den Weltrekord: Rennfahrer Rudolf Caracciola mit seinem Mercedes Jahr 1937. Bilderstrecke

          Dass sich das Studium des Bildbandes lohnt, liegt an der unprätentiösen Haltung Jägers und an der Breite seiner Interessen, aus denen sich ein Gesamtpanorama des Stadtlebens ergibt. So tauchen Aufnahmen aus der Produktion und von Feiern einst großer Unternehmen auf: Neckermann, Ada-Ada-Schuh, Hartmann & Braun und Adler. Jäger war nicht nur Pressefotograf, sondern betätigte sich auch als Industriefotograf. Er begleitete Firmenevents, wie man heute sagen würde, und bebilderte Prospekte von Fremdenverkehrszentralen. In dem Bildband findet sich denn auch nur ein einziges Foto, das eine poetisch-visuelle Kraft hat, es handelt sich um eine Gegenlichtaufnahme vom Gleisvorfeld des Frankfurter Hauptbahnhofs.

          Das Buch: Frankfurt am Main 1930 bis 1979

          „Frankfurt am Main 1930 bis 1970“, Ulrich Eisenbach, Sutton Verlag Erfurt 2019, 160 Seiten, 29,99 Euro

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