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Fotografien von Barbara Klemm : Frankfurter Szenen

Fundstück der städtischen Streifzüge: Straßengruppe mit Küsschen Bild: Foto Barbara Klemm

Vor 60 Jahren ist Barbara Klemm nach Frankfurt gekommen. Für die Stadt hat sie bis heute einen unvergleichlichen Blick. Eine kleine Auswahl zu gegebenem Anlass: die Fotografin wird 80 Jahre alt.

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          Viele Personen der Zeitgeschichte kennt sie – und die kennen, seit vielen Jahren, die Fotografin Barbara Klemm. Es gibt da ein Foto aus dem Jahr 2008, als anlässlich der Eröffnung des Instituto Cervantes im einstigen Amerikahaus an der Staufenstraße Jorge Semprún und Hans Magnus Enzensberger zu Gast waren. Auf dem Bild, aufgenommen von Barbara Klemms Kollegen Frank Röth, blicken die zwei weißhaarigen Herren gespannt, höchst aufmerksam auf die freundliche Dame mit der kleinen Kamera in der Hand.

          Eva-Maria Magel

          Kulturredakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Menschen, sehr bekannten und ganz und gar unbekannten, ist Barbara Klemm auf eine Weise zugewandt, die sich in ihren Fotografien zeigt. Auf Politiker und Künstler geht sie ebenso diskret und zurückhaltend, freundlich und aufmerksam zu wie auf die kleinen Kinder, die sie vor gut 40 Jahren um die Weihnachtszeit in einer leicht verschneiten Frankfurter Siedlung aufgenommen hat. Die Kinder, ruhig, unbefangen, schauen sie alle direkt an, ein Moment der Pause in ihrem Spiel.

          Am liebsten in Frankfurt

          „Frankfurt, Szenen“ heißen einige der schon fast legendären Fotokartons, in denen Klemm ihre großformatigen Handabzüge aufbewahrt. Alle schwarzweiß, manchmal in ungewöhnlichen Formaten – wie der Herr im sehr legeren Sommer-Aufzug samt geknotetem Taschentuch auf dem Kopf, den sie, in schönster Achse zum Beethovendenkmal an der Taunusanlage, festgehalten hat. Klemm hat in China und auf Kuba, in Italien und Afrika fotografiert: Frankfurt aber ist seit nunmehr 60 Jahren ihr Wohnort. Und bis heute zieht Klemm hier ihre Kamera hervor, entdeckt beredte Szenen, wo die allermeisten Leute erst durch ihre Fotografien bemerken, was es da an Bemerkenswertem gab.

          Erst war Frankfurt ihr bevorzugter Arbeits- und Motivort, weil sie als Brotberuf etwas ganz anderes tat: 1959 hat Klemm, deren Vater, der Kunstmaler Fritz Klemm, ihr fotografisches Talent erkannte, die schon mit 14 Jahren in einem Porträtatelier eine Ausbildung zur Fotografin begann, bei der Frankfurter Allgemeinen Zeitung angefangen. Aber nicht als Fotografin, sondern am Klischierapparat, wo die Druckvorlagen entstanden. Fotografiert hat sie in ihrer Freizeit, für andere Zeitungen und Magazine, viele Frankfurter Szenen.

          Einkaufen: Leipziger Straße in Bockenheim, 1983 Bilderstrecke

          Wie nah sie dran war an den Protesten der sechziger und siebziger Jahre, zeigen Bilder, die selbst Geschichte geworden sind, etwa von der Besetzung des Instituts für Sozialforschung 1969 oder jene Bilder des Uni-Alltags, die bis heute die U-Bahn-Station an der Bockenheimer Warte zu einer Galerie werden lassen. Klemm hat sich immer als Pressefotografin verstanden, auch wenn heute Kunst- und historische Museen gleichermaßen ihr Werk ausstellen. Wie das Dokumentarische und das Künstlerische zusammenhängen, zeigt sie selbst derzeit in einer von ihr kuratierten Auswahl aus Fotografien der DZ-Bank-Sammlung. Erst 1970 ist Klemm, deren Aufnahmen von Gipfeltreffen oder dem Mauerfall das Bildgedächtnis dieses Landes prägen, zur Redaktionsfotografin geworden. Die Kamera hat sie immer dabei, ihre Frankfurter Szenen wachsen weiter. Und Barbara Klemm feiert am 27. Dezember ihren 80. Geburtstag.

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