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Pflanzenforschung : Arbeit an neuen, ertragreichen Sorten

  • -Aktualisiert am

Guter Standort: Bei Groß-Gerau werden Anfang Mai 50 verschiedene Sorten Winterweizen auf einem Versuchsfeld bewässert. Bild: Frank Röth

Wissenschaftler der Uni Gießen betreiben in Groß-Gerau zwei Gewächshäuser. Dort forschen sie an Sorghumhirse. Von der Pflanze versprechen sie sich viel.

          Wer auf der Bundesstraße 44 von Groß-Gerau-Nord Richtung Mörfelden fährt, sieht auf der rechten Seite zwei große weiße Gewächshäuser, umgeben von Feldern. Was diese 14 Hektar von anderen landwirtschaftlichen Flächen unterscheidet, ist der hohe Zaun. Schilder geben Auskunft: Dort befindet sich eine Versuchsstation des Instituts für Pflanzenbau und Pflanzenzüchtung I der Justus-Liebig-Universität Gießen. „Die Zäune schützen unsere Felder vor Wild“, sagt Stationsleiter Mario Tolksdorf.

          Nicht allen gefällt die Versuchsstation. Tolksdorf gibt zu, dass die Einfriedung bei dem einen oder anderen Argwohn und Skepsis hervorruft. Er bemüht sich zu beruhigen: „Freilandversuche mit gentechnisch veränderten Pflanzen gibt es bei uns derzeit nicht mehr.“ Und was geschieht dann in den beiden Gewächshäusern? In dem einen wird Sorghumhirse vermehrt, in dem anderen wird Sorghum einem Hitzestress während der Blüte ausgesetzt. Warum Sorghum für Forscher derzeit so interessant ist, erklärt der wissenschaftliche Mitarbeiter Andre Schaffasz: Die Pflanze, die ursprünglich aus Äthiopien stammt und an heißes und trockenes Klima angepasst ist, bringt dort Erträge, wo andere Kulturpflanzen wie Mais oder Weizen versagen. Außerdem sind Sorghumkörner glutenfrei.

          Doch die Pflanze sichere nicht nur die Ernährung in Trockengebieten Afrikas und Indiens, sondern könne je nach Sorte als nachwachsender Rohstoff auch anders genutzt werden. Bis zu vier Meter hohe Pflanzen werden Biogasanlagen zugeführt. Andere, auf eine Länge von etwa 1,70 Meter wachsende Sorten verfüttern Landwirte an ihr Vieh. Und besonders zuckerhaltige Sorghum-Sorten werden in den Vereinigten Staaten und Südamerika zum Herstellen von Zuckersirup und Bioethanol benötigt.

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          Wissenschaftler versuchen Sorghum zu züchten

          Weil Sorghum nicht an unser kühles Klima gewöhnt ist, versuchen Wissenschaftler, kältetolerante Sorten zu züchten. Auch Mais konnte mit Hilfe von Züchtungen innerhalb weniger Jahrzehnte in Deutschland etabliert werden, das Gleiche sei auch für Sorghum möglich, meint Schaffasz. Apropos Mais: Der Biogasboom der vergangenen Jahre hat dazu geführt, dass immer mehr Mais angebaut wird. „Wegen einer mangelnden Biodiversität und des schlechten Nahrungsangebots für Bienen wird das sehr kritisch gesehen“, erläutert Benjamin Wittkop vom Gießener Uni-Institut . Die Wissenschaftler dort glauben, dass Sorghumpollen eine wichtige Proteinquelle für Bienen im Spätsommer sein können. Damit könnte ein Überwintern der Bienen gesichert werden.

          Wenn Wiesen gemäht, Äcker abgeerntet und Wildkräuter verblüht sind, blüht Sorghum. „Daher arbeiten wir auch hier in Groß-Gerau an einer züchterischen Verbesserung der Pollenschüttung“, sagt Wittkop. Mehr Pollen bedeuten mehr Bienen, bessere Bestäubung und somit auch höhere Erträge. „Eine Bioenergie-Produktion zugunsten und mit Hilfe der Biene.“

          Das Versuchsfeld der Uni Gießen gibt es schon seit 1954, zehn Hektar wurden Richtung Groß-Gerau-Wallerstädten hinzugepachtet, sagt Leiter Tolksdorf. „Die speziellen Boden- und Klimabedingungen am Standort Groß-Gerau ermöglichen Forschung zu speziellen Fragestellungen des Pflanzenbaus und der Pflanzenzüchtung.“ Eine eigene Wetterstation erfasst und wertet alle Daten aus.

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