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Flüchtlinge in Frankfurt : Formulare, Gutscheine und ein Bett

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Aufbruch: Aus hessischen Erstaufnahmeeinrichtungen kommen jede Woche weitere Flüchtlinge nach Frankfurt Bild: dpa

Jeden Mittwoch kommen rund 170 zugewiesene Flüchtlinge in Frankfurt an. Das System funktioniert immer besser, aber perfekt ist es noch nicht.

          Wer glaubt, dass städtische Beamte und Angestellte unflexibel und unterbeschäftigt sind, sollte bei Gelegenheit einen Mittwochabend im Frankfurter Sozialamt verbringen. Vergangene Woche etwa kamen dort binnen kurzer Zeit 110 Flüchtlinge an, Frauen, Männer, Kinder. 60 alleinstehende Männer wurden zur selben Zeit direkt in eine Halle gebracht, die als Übergangsbleibe für wenige Nächte dient. An diesem Mittwoch Abend war es ähnlich. In Bussen kommen sie aus den Erstaufnahmeeinrichtungen des Landes, um in Frankfurt eine feste, zumindest eine festere Bleibe zu finden. 170 Personen weist das zuständige Regierungpräsidium der größten hessischen Stadt Woche für Woche zu. Doch wann sie dort genau mittwochs ankommen, weiß niemand.

          Deshalb ist das Frankfurter Sozialamt mittwochs den ganzen Tag über in Alarmbereitschaft, damit die Versorgung sofort beginnen kann, wenn die Busse vor dem Haus an der Eschersheimer Landstraße anhalten. Sozialarbeiter, Dolmetscher und Beamte stehen dann bereit.

          Es beginnt mit einem Formular

          Jene Flüchtlinge, die in den Kommunen ankommen, haben schon einiges hinter sich. In den Erstaufnahmestellen sind sie registriert worden, ihr Asylverfahren sollte in Gang gekommen sein. Ärzte haben sich um ihre Akutversorgung gekümmert, sie sollten ausreichend Kleidung haben und zwischendurch zur Ruhe gekommen sein - so gut das in den großen Unterkünften möglich ist, die oft in Sporthallen, Kasernen oder alten Industriegebäuden entstanden sind. Mit der Ankunft in Frankfurt beginnt die nächste Stufe ihrer Zeit in Deutschland. Und wie so oft beginnt sie mit einem Formular. Als Erstes müssen die Flüchtlinge einen Antrag stellen, um in Zukunft die monatliche Grundleistung zu bekommen. 358 Euro, um genau zu sein. Gleich am ersten Abend erhalten sie laut einer Sprecherin des Sozialdezernats auch einen Krankenschein, um in Zukunft ärztliche Hilfe zu bekommen, wenn sie sie brauchen. Jeder erhält auch die Möglichkeit, einen Termin mit den Sozialarbeitern des Internationalen Bundes zu vereinbaren. Zum Willkommenspaket gehört auch ein Gutschein für zwei Sprachkurse in der Volkshochschule, den die Stadt den Flüchtlingen als freiwillige Leistung gewährt. Ein weiteres Papier garantiert den Neuankömmlingen einen Platz in einer Unterkunft.

          Doch nicht jeder verbringt schon die erste Nacht in seinem neuen Zuhause. „Weil manche Busse erst recht spät in Frankfurt ankommen, können wir derzeit nicht alle zugewiesenen Flüchtlinge schon am Mittwochabend versorgen“, sagt die Sprecherin von Sozialdezernentin Daniela Birkenfeld (CDU). Während die Familien die Formalitäten schon am ersten Abend erledigen, müssen sich die alleinstehenden Männer etwas länger gedulden. Für sie hält die Stadt eine Turnhalle vor, in der sie zumindest die erste Nacht verbringen.

          Frankfurt will das Land für die derzeitige Praxis nicht kritisieren. Die Stadt habe viel Verständnis für die aktuelle Lage, sagt Birkenfelds Sprecherin. „Aber alles, was uns mehr Planungssicherheit gibt, hilft uns weiter.“ Erst freitags erfährt das Sozialamt, wie viele Flüchtlinge am folgenden Mittwoch zu erwarten sind und ob es sich um Familien oder Alleinstehende handelt.

          Im Vergleich zu den vergangenen Monaten hat sich schon einiges geändert, nicht nur die Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge. So weist das Land aus seinen Lagern keine Asylbewerber mehr zu, die aus den Balkanländern stammen und deshalb nur sehr geringe Chancen auf ein dauerhaftes Bleiberecht haben. Das gibt den Kreisen und Städten deutlich mehr Sicherheit. Wer mittwochs dort ankommt, wird vermutlich für längere Zeit bleiben, die Plätze in den Wohnheimen werden nicht von aussichtslosen Bewerbern blockiert. Dass derzeit auf allen Ebenen Stabsstellen entstehen, die sich zentral um die Flüchtlinge kümmern, wertet die Stadt Frankfurt als Zeichen dafür, dass die Abläufe sich weiter verbessern dürften.

          Mittlerweile wissen das Sozialamt und die anderen Flüchtlingshelfer auch, welche Unterstützung die Neuankömmlinge gerade nicht brauchen. Anfangs hätten sich die Kollegen noch große Gedanken darüber gemacht, ob die Frauen und Männer den Weg vom Amt in ihre Unterkünfte finden würden, sagt die Sprecherin. Weil aber fast alle ein Smartphone haben, hat sich dieses Problem erledigt. Sie hätten schließlich bewiesen, dass sie den Weg aus Syrien oder einem anderen Krisenland nach Hessen schaffen - „dann finden sie auch den Weg in den nächsten Stadtteil“.

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