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Mumford & Sons in Festhalle : Die Nähe gesucht

Arena-Folk: Mumford & Sons inmitten der vollbesetzten Frankfurter Festhalle Bild: Bäuml, Lucas

Auf einer Bühne inmitten der Festhalle zeigen Mumford & Sons, wie Folk für Arenen geht. Dabei zeigen die Musiker durchaus ihren musikalischen Wandel auf.

          Folk-Musik ist eigentlich nicht für Stadien und Arenen gedacht. Die Klänge der akustischen Instrumente sind selbst elektrisch verstärkt zu leise. Sie verwehen im weiten Rund. So mochte man bis vor einigen Jahren denken, bevor eine britische Folk-Band mit jedem ihrer bisher vier Alben noch ein bisschen größer wurde, auf noch größere Festivals und in noch größere Hallen und Stadien gebucht wurde. Heute sind Mumford & Sons, die vor etwas mehr als zehn Jahren noch mit Gitarre und Banjo auf dem Rücken durch Folkclubs und Pubs in London tingelten, eines der Zugpferde im weltweiten Musikgeschäft, und ihr längst mit Rock und Elektronik aufgepumpter Folk ist zu einem Sound verdichtet, auf den sich sehr viele Menschen aus wenigstens zwei Generationen einigen können.

          Christian Riethmüller

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Entsprechend heterogen zeigt sich das Publikum in der vollbesetzten Frankfurter Festhalle beim Konzert des mit vier Gastmusikern verstärkten Quartetts, das sich für seine aktuelle Tournee eine pfiffige Bühnenkonstruktion gegönnt hat. Inmitten der Halle ist eine kleine Rundbühne errichtet, auf der die Musiker die Möglichkeit haben, in alle Richtungen spielen zu können und dabei ganz vom Publikum umgeben zu sein. Das bedeutet unmittelbare Nähe zu den Zuhörern und erinnert Marcus Mumford, Winston Marshall, Ben Lovett und Ted Dwane möglicherweise an die Tage, als sie mit Bob Dylan und der Old Crow Medicine Show im Ohr anfingen, mitreißende und sofort mitsingbare Bluegrass-Gassenhauer wie „Little Lion Man“ zu schreiben, ein Lied, das auch heute noch die Massen elektrisiert. So ist es jedenfalls in Frankfurt, wo der Song, nach dem Auftakt mit „Guiding Light“ gleich an zweiter Stelle im Programm, einen vieltausendfachen Chor dazu animiert, Gesänge anzustimmen, als gelte es, den Einzug in ein Finale zu feiern oder wenigstens die Zugaben eines begeisternden Konzerts.

          Betonung der akustischen Wurzeln

          Das nimmt mit den alten Favoriten „Holland Road“ und „The Cave“ allerdings erst noch einmal weiter Fahrt für eine knapp zwei Stunden dauernde Werkschau auf, die alle vier Alben berücksichtigt und durchaus den musikalischen Wandel aufzeigt, den die Band sich mit den beiden jüngsten Alben „Wilder Mind“ und „Delta“ verordnet hat. Auf denen hat sie ja ganz auf Winston Marshalls markantes, den ursprünglichen Sound prägendes Banjo-Spiel verzichtet oder es so verfremdet, dass es nicht mehr klingt wie das traditionelle Instrument. Sie spiele nunmehr Stadion-Rock, ist der Band deshalb vorgeworfen worden, und tatsächlich lässt Marshalls Gitarrespiel bisweilen an die Sounds des U2-Gitarristen The Edge denken, allerdings wird das Flächige etwa von den Posaunen- und Trompetenstößen der Begleitmusiker durchbrochen.

          Überhaupt sind die Songs sehr gelungen arrangiert und betonen die akustischen Wurzeln der Band, unterstreichen das Handgemachte, das viel zu ihrer Wertschätzung beiträgt. Ganz so wie Marcus Mumfords rauher, aber unangestrengter und von Herzen kommender Gesang, der den meist einfach gehaltenen Melodien ihren besonderen Reiz verleiht. Und Mumford singt gern an diesem Abend, hat Lust und Energie, so viel sogar, dass er beim Song „Ditmas“ erst einmal von der Bühne und eine der Sitztribünen hoch stürmt, um dem Publikum noch näher zu sein.

          Solche Nähe oder sogar Intimität im weiten Rund versteht die Band dann besonders während der Zugaben zu erzeugen. Wie einst schart sie sich mit akustischen Instrumenten um ein einzelnes Mikrofon und bietet mehrstimmig die Songs „Wild Heart“, „Only Love“ und „Forever“ dar. Damit verführt sie fast die gesamte Festhalle zum andächtigen Lauschen, gestört nur von den üblichen Aufmerksamkeitsdefizitären, die keine fünf Minuten mehr zappelfrei überstehen können. Die dürfen sich dann beim Hit „I Will Wait“ noch einmal die Stimmbänder wund kreischen, wie um zu unterstreichen, dass Folk auch in der Arena funktioniert.

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