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Bundespräsidentenwahl : Ein Ministerpräsident im Gerede

  • -Aktualisiert am

Nachfolger? Joachim Gauck und Volker Bouffier (Archivbild) Bild: dpa

Volker Bouffier als nächster Bundespräsident? Beileibe nicht jeder im Hessischen Landtag wünscht sich den Ministerpräsidenten im Schloss Bellevue.

          2 Min.

          Spekulationen, der hessische Ministerpräsident Volker Bouffier (CDU) komme als Nachfolger von Bundespräsident Joachim Gauck in Frage, sind gestern nicht nur von der Opposition im Hessischen Landtag zurückhaltend bis skeptisch kommentiert worden. Man sei mit Bouffier als Manager der schwarz-grünen Landesregierung eigentlich recht zufrieden, hieß es bei den Grünen auf Nachfrage. Mutmaßungen über „Bouffier for President“ könnten womöglich unnötige koalitionsinterne Unruhe auslösen.

          Ralf Euler

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die Linken wiederum vermögen sich einen Umzug des Regierungschefs ins Schloss Bellevue in Berlin nicht einmal durch möglicherweise damit verbundene politische Verwerfungen hierzulande schönzureden. Und beim früheren Koalitionspartner FDP äußert man sich eher verblüfft als zustimmend zu den „Gerüchten“ um Bouffier.

          Hessen-CDU schweigt zum Thema Bellevue

          Der Ministerpräsident der ersten schwarz-grünen Koalition in einem Bundesland gilt manchen in seiner eigenen Partei als potentieller Kandidat für das höchste Amt im Staat, weil damit ein starkes Signal für Schwarz-Grün auch im Bund gegeben wäre. Möglicherweise genau deshalb warnte der hessische SPD-Vorsitzende und stellvertretende Bundesparteivorsitzende Thorsten Schäfer-Gümbel gestern, allerdings ohne den Namen Bouffiers zu nennen, vor taktischen Spielchen. Er halte es für unangemessen und respektlos, dass jetzt bereits Namen genannt würden und dies mit Überlegungen zu künftigen Koalitionen im Bundestag verbunden werde. „Gesucht wird eine Person, die über die eigenen politischen Überzeugungen hinaus in der Lage ist, Orientierung und Haltung zu formulieren“, sagte Schäfer-Gümbel im Mitteldeutschen Rundfunk, wo er überdies bekannte, dass er sich eine weitere Amtszeit des Amtsinhabers gewünscht hätte. „Ich gehöre zum Fan-Club von Joachim Gauck.“

          In der Hessen-CDU ist die Bereitschaft, sich zu möglichen Ambitionen Bouffiers zu äußern, nicht sehr ausgeprägt. Letztlich sorge jeder, der jetzt Personen ins Gespräch bringe, nur dafür, dass diejenigen nicht Bundespräsident würden. Andererseits steht Bouffier inzwischen bundesweit als Kandidat zur Debatte.

          Die „Leipziger Volkszeitung“ warnte die Kanzlerin und CDU-Bundesvorsitzende Angela Merkel gestern unter Bezugnahme auf die CSU-Landesgruppenchefin im Bundestag und den hessischen Regierungschef davor, auf den Erfolg eines Wackelkandidaten im dritten Wahlgang zu spekulieren, in dem eine einfache Mehrheit der Stimmen in der Bundesversammlung ausreichen würde. „Will die Union ernsthaft mit knapper Not eine Gerda Hasselfeldt oder einen Volker Bouffier auf den Schild bugsieren, mit blauem Auge und Blessuren?“

          Bei einer nicht repräsentativen Befragung auf t-online.de lag der hessische Ministerpräsident gestern Nachmittag mit 2,7 Prozent Zustimmung hinter Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (4,9 Prozent), aber knapp vor Gerda Hasselfeldt (1,6). Als geeignetster Kandidat für die Gauck-Nachfolge wurde Bundesaußenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) mit 24,8 Prozent genannt. Das wiederum könnte dessen Parteifreund Schäfer-Gümbel freuen. Aber er hält ja bekanntermaßen nicht viel von parteipolitischen Spielchen.

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