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Folgen des milden Wetters : Leidende Borkenkäfer, fliegende Pollen, wartende Bauern

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Frühreif: In Südhessen schwirren schon Pollen von Hasel (Foto) und Erle umher Bild: Michael Braunschädel

Es ist für diese Jahreszeit viel zu warm. Das hat Folgen für Natur und Mensch. Weil ein für sie gefährlicher Pilz gedeiht, leiden zur Abwechselung die Borkenkäfer. Auch Allergiker leiden, weil Frühblüher frühreif sind. Das ist aber nicht alles.

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          Die milden Temperaturen bescheren Hessen einen Vorgeschmack auf den Frühling. Während in der Rhön die Skilifte still stehen, läuft in Nordhessen die Sommerrodelbahn. Ein kleiner Gewinner ist auch der hessische Wald, denn ein berüchtigter Schädling muss bei der Wärme um sein Leben fürchten. Ein Überblick:

          Dem Wald machen die milden Temperaturen nichts aus, so Michelle Sundermann vom Landesbetrieb Hessen Forst, der sich insbesondere um staatlichen und kommunalen Wald kümmert. Im Gegenteil: Die Wärme lasse einen Pilz sprießen, der den schädlichen Borkenkäfer abtöte. Sundermann zufolge reicht das aber nicht, um die große Population der Insekten stark einzudämmen. Durch die trockenen Sommer der vergangenen beiden Jahre seien die Bäume immer noch geschwächt. Ihr „Verteidigungspotenzial“ stehe und falle mit ausreichend Wasser. Der viele Regen im Herbst sei nur an die oberen Bodenschichten gelangt.

          Pflanzen mit Frühlingsgefühlen

          Auf den Feldern heißt es derzeit Abwarten. „Wenn es so warm wird, dann kriegen die Pflanzen Frühlingsgefühle“, sagt Bernd Weber vom Hessischen Bauernverband. Der Pflanzensaft, der bei milderen Temperaturen anders zusammengesetzt sei, diene bei plötzlich einbrechender Kälte nicht mehr als ausreichendes „Frostschutzmittel“. Ohne Schneedecke fehle den Pflanzen zusätzlicher Schutz. Falls im März oder April der gefürchtete Spätfrost komme, könnten die Pflanzen Schaden nehmen.

          Angefressen: Viele Borkenkäfer leiden derzeit unter einem Pilz

          Nach Angaben von Andreas Brömser, Agrarmeteorologe beim Deutschen Wetterdienst (DWD), sind „strenge Frostereignisse“ aber seltener geworden. Im Frühjahr 2018 habe man zuletzt vereinzelt große Pflanzenschäden gezählt, großflächig sei das allerdings nicht gewesen. Möglicherweise bleibe es auch das kommende Frühjahr durchweg mild.

          Auch Allergiker könnten die milden Temperaturen bereits spüren. In Südhessen seien bereits Hasel und Erle unterwegs, berichtet DWD-Pollenexpertin Christina Endler. Auch wenn erst wenige Meldungen zur Blüte der Pflanzen eingegangen seien, könnten empfindliche Menschen bereits reagieren. Die eher seltene Purpurerle etwa blühe schon im Dezember und Januar. Auch die in Hessen heimische Schwarzerle „sitzt in den Startlöchern“, sagt Endler. „Das trockene Wetter begünstigt, dass Pollen in die Atmosphäre entlassen werden.“

          „Hauch von Winter“

          In den Mittelgebirgen beeinträchtigen die milden Temperaturen den Wintersport. In den vergangenen Tagen mussten etwa in der Rhön und im Rothaargebirge Betreiber ihre Skilifte schließen. Eine künstliche Beschneiung sei bei den aktuellen Temperaturen nicht möglich, erläutert eine Sprecherin der Röhn GmbH. Auch bei Christian Rummel, der in Willingen einige Skilifte und eine Sommerrodelbahn betreibt, läuft der Skibetrieb momentan nicht. Das Weihnachtsgeschäft sei aber gut gewesen, zudem betreibe er bei gutem Wetter und wenig Schnee die Sommerrodelbahn auch im Winter. „Die Leute nutzen das.“ Wenn es wieder kälter wird, wollen die Betreiber wieder Kunstschnee produzieren und die Lifte wieder öffnen.

          Nach Angaben des DWD kann man am Wochenende von einem „Hauch von Winter“ sprechen. In der Nacht zum Samstag erwarten die Meteorologen Schnee in den höchsten Mittelgebirgslagen, tagsüber bleiben die Temperaturen unter 10 Grad. Ein richtiger Wintereinbruch mit Schnee bis ins Flachland sei aber auch in der kommenden Woche nicht in Sicht.

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