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Panama Papers : Der Gestank von Oasen

  • -Aktualisiert am

Ermittlungen: Oh wie schön ist Panama – für Steuerflucht. Bild: dpa

Mit den Panama Papers wird einmal mehr vor Augen geführt, wie sehr Steuerflucht an den Grundfesten einer solidarischen Gemeinschaft rührt. Die Ermittlungen hingegen sind lang und mühevolle Detailarbeit.

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          Es sind große Fragen, die man mit Affären wie der um die Panama Papers verbinden kann. Die wichtigste ist die nach der Gerechtigkeit. Von wem der Staat die Mittel nimmt, um für Schulen und Straßen zu sorgen, um Notleidende zu unterstützen und die Umwelt zu schützen, hat sich in den zurückliegenden fetten Jahren in Deutschland nicht mit der gleichen Wucht wie in schlechteren Zeiten oder in anderen Ländern gestellt. Aber angesichts einer schwächelnden Konjunktur und einer sich womöglich weiter vertiefenden Spaltung der Gesellschaft gewinnt diese Frage auch hierzulande für den sozialen Frieden wieder an Bedeutung.

          Steuerflucht rührt an den Grundfesten einer solidarischen Gemeinschaft. Barrieren gegen sie zu errichten ist gleichwohl ein mühsames, mitunter frustrierendes Unterfangen. Zu verlockend bleibt es weiterhin für manche Staaten, trotz drohender Ächtung auf internationaler Ebene Steueroasen zu schaffen oder sie zumindest nicht austrocknen zu lassen. Das um den Globus rotierende Kapital findet – auch das ist eine Folge der Digitalisierung – immer wieder aufs Neue Wege, um sich vor dem Zugriff des Gemeinwesens zu verbergen.

          Auswertung irrwitziger Datenmengen

          Auch wenn daher die Auswertung irrwitziger Datenmengen wie jene der Panama Papers wie eine Sisyphusarbeit anmutet und der Ertrag gering im Verhältnis zum Aufwand erscheinen mag: Ohne solche Enthüllungen würde der Strom noch gewaltiger werden, der in dunkle Kanäle fließt.

          Die Furcht, entdeckt zu werden, bleibt daher ein starkes Motiv, derartige Angebote auszuschlagen und steuerehrlich zu sein. Hessens Finanzminister Schäfer, der aufgrund rechtlich-ethischer Bedenken anfangs gegen den Kauf solcher Informationen war, hat sich überzeugen lassen. Ohne die „Leaks“, ohne Durchstechereien ist der Kampf gegen den Steuerbetrug aussichtslos.

          Die Ermittlergruppe, die die Datenflut aus Mittelamerika aufbereitet, nennt sich Olet. Wie man darauf gekommen sei? Es sei eine Verkürzung des Spruchs aus dem alten Rom über das Geld, das nicht stinkt, erklärt der Fahnder und schmunzelt. Oh, wie schön war doch einmal Panama.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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