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Geplatzte Bankenfusion : Fortsetzung folgt

Gescheiterte Fusion: Deutsche Bank und Commerzbank gehen doch getrennte Wege. Bild: Reuters

Die geplante Fusion zwischen der Commerzbank und der Deutschen Bank ist vom Tisch. Was aber bedeutet es für die Zukunft Frankfurts als Finanzplatz?

          Die Suche nach Gewinnern und Verlierern gehört in einer Leistungsgesellschaft zum Alltag. Wer also sind die Gewinner der gescheiterten Fusion? Die Deutsche Bank oder die Commerzbank? Christian Sewing oder Martin Zielke? Finanzminister Olaf Scholz, der das Projekt initiierte, oder die illustre Reihe an Kritikern, allen voran die Gewerkschaften? Die Antwort lautet: keiner von ihnen. Aber: Es spielt auch keine Rolle.

          Für den Finanzplatz Frankfurt steht nämlich bei der Frage, wie es mit zwei seiner wichtigsten Protagonisten, den beiden größten Privatbanken des Landes, nun weitergeht, viel zu viel auf dem Spiel, um sich lange mit Gewinnern und Verlierern aufzuhalten. Es mag ja verständlich sein, würden sich Arbeitnehmervertreter abklatschen, weil der aus der Fusion folgende Stellenabbau ausbleibt. Doch so sehr der Erhalt von Arbeitsplätzen grundsätzlich ein lobenswertes Bestreben ist, so unausweichlich ist auch die Erkenntnis, dass beiden Häusern jetzt ein Prozess bevorsteht, der ähnliche Folgen für die Zahl der Mitarbeiter haben könnte wie im Falle einer Fusion. Beide Unternehmen haben derzeit so sehr mit dem regulatorischen Umfeld, niedrigen Zinsen, unsäglichen Altlasten, niedrigen Bewertungen und der Transformation in die digitale Welt zu kämpfen, dass in den nächsten Jahren weitere heftige Einschnitte zu erwarten sind.

          Der Traum, mit einer Fusion aus dieser Notsituation herauszukommen, ist nun geplatzt. Doch aus zwei schwachen Unternehmen einen globalen Champion zu machen, war von vornherein eine Utopie, die von der Realität nicht gedeckt war.

          So kann es nicht weitergehen

          Doch hat die Fusionsidee der breiten Öffentlichkeit deutlicher denn je gezeigt, dass es mit den beiden Frankfurter Konzernen so nicht weitergeht. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage, wie man in einigen Jahren auf den Flirt zurückblicken wird. Denn es scheint nicht unmöglich, dass sich nun, nachdem Deutsche Bank und Commerzbank ihre grundsätzliche Bereitschaft zu einer Fusion demonstriert haben, andere Konzerne für sie interessieren. Mit Blick auf die Schwäche der beiden Großbanken im internationalen Vergleich besteht die Gefahr, dass zumindest eines der beiden Unternehmen von einer Bank aus dem Ausland übernommen werden könnte. Das muss nicht per se schlecht sein.

          Doch ob dem Finanzplatz Frankfurt geholfen ist, wenn eine Deutsche Bank so wie in den vergangenen Jahren mehr schlecht als recht allein wirtschaftet und eine Commerzbank unter niederländischer oder italienischer Flagge segelt, sei dahingestellt.

          Daniel Schleidt

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

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