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Carsten Knop

Folgen der Corona-Regeln : Die große Gereiztheit

  • -Aktualisiert am

Aufgeheizte Stimmung: Demonstrationen in Frankfurt zu den Corona-Verordnungen Bild: dpa

Die Corona-Beschränkungen erscheinen vielen als willkürlich oder übertrieben. Manche sind es auch. Doch im Kampf gegen die Pandemie braucht es Regeln, auch wenn sie den Zusammenhalt unserer Gesellschaft auf eine harte Probe stellen.

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          Es gibt Menschen, die behaupten, vieles werde durch Corona auch besser: die Luft, der Kontakt zur Natur, der Zusammenhalt der Menschen. Das Erste mag ja stimmen, auch wenn die Effekte letztlich überschaubar sein dürften. Ob die Menschen zurück zur Natur finden, ist eine sehr individuelle Frage. Aber in einem Punkt liegen die Optimisten gewiss daneben: Nein, Corona und die Einschränkungen, die die Bekämpfung der Pandemie mit sich bringt, stärken den Zusammenhalt nicht. Tatsächlich ist an zu vielen Stellen das Gegenteil richtig.

          Da gibt es die Übervorsichtigen, die nicht wissen, welche Regeln im Freien gelten und sogar vorbeifahrende Radfahrer anschnauzen, wenn diese keine Maske tragen. Da gibt es Menschen, die Strafanzeigen gegen Politiker oder Nachbarn erstatten, wenn die sich einen kleinen menschlichen Fehltritt geleistet haben, einen anderen umarmt haben oder nicht bedacht haben, wie viele Haushalte eigentlich wirklich miteinander feiern dürfen. Dass meist ein höflicher Hinweis reicht, wird vergessen. Man ist selbst angespannt, hat möglicherweise wirtschaftliche Sorgen, in der Familie führt die große Nähe zu einem Lagerkoller: Es gibt viele Gründe, im Tonfall gegenüber Dritten danebenzuliegen. Es hilft, sich dies bewusst zu machen, um wieder gelassener zu werden.

          Wird alles schlechter?

          Und dann gibt es Menschen, die behaupten, alles werde durch Corona schlechter. Sogar Freiheit und Demokratie stünden auf dem Spiel, weshalb es gerechtfertigt sei, sich bewusst über alle Regeln hinwegzusetzen. Dort gibt es dann auch keinen Respekt mehr gegenüber dem Staat und seinen Vertretern – und das gilt ganz besonders dann, wenn diese versuchen, die Corona-Regeln im öffentlichen Raum zum Schutz Dritter tatsächlich auch durchzusetzen.

          So passt derzeit vieles nicht mehr zusammen. Es ist ja wahr: Manche Regeln erscheinen nicht nur willkürlich, sie sind es auch. Verhaltensweisen und die Einschätzung der Bedrohungslage klaffen immer weiter auseinander. Wie schnell aber Leichtsinn zu Infektionen führt, hat man gerade über das Wochenende erst in einem Frankfurter Baptisten-Verein erfahren. Deshalb ist es wichtig, dass die entscheidenden Grundregeln zum Abstand und zum Tragen von Masken in den Situationen, in denen es zählt, noch für längere Zeit akribisch beachtet werden. Und um die Bereitschaft dazu zu stärken, wäre es gut, wenn zunehmend Gebote Verbote ersetzten. Das trüge zum gesellschaftlichen Frieden bei und könnte Corona ausdauernder bekämpfen, als das im löchrigen Regelwirrwarr jetzt noch gelingt.

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