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Folgen der Pandemie : Die Corona-Probleme der Wirte

Auf Abstand: Durch die Corona-Maßnahmen ist die Gastwirtschaft in Hessen finanziell stark getroffen (Archivbild). Bild: dpa

Die Gastronomie hat unter Corona stark gelitten: Der Umsatz der Branche zum Beispiel in Hessen ist im Lockdown um 70 Prozent eingebrochen. Wenn das Land nicht bald neue Konzepte entwickelt, werden viele Gastgewerbe für immer schließen müssen.

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          Es ist nicht so, dass über die Lage der Gastronomie nicht viel geredet würde. Es ist noch nicht lange her, da erregten Meldungen Aufsehen, nach denen sich die Anzahl der Landgasthäuser in Hessen binnen 15 Jahren auf 1800 halbiert habe. Gründe dafür gab und gibt es viele. Mitunter sind sie hausgemacht und reichen von mangelndem Investitionswillen in zeitgemäße Möblierung über das Nichterscheinen im Internet bis hin zu schlechter Küche. Jetzt, in Corona-Zeiten, ist vieles anders. Was immer an einem einzelnen Betrieb unzulänglich sein mag: Das reguliert nicht mehr nur der Markt. Sondern der Lockdown hat ein Urteil gesprochen, und zwar über alle, seien es Landgasthäuser oder Stadthotels.

          Vom amtlich verfügten Stillstand im März und April dieses Jahres ist das Gastgewerbe in besonderem Maße getroffen gewesen. Nach Berechnung des Instituts für Wirtschaftsforschung brach der Umsatz der Branche im Lockdown um 70 Prozent ein. Die Erholung geht nur langsam voran. Bekannte Systemgastronomie-Ketten sind ins Trudeln geraten, eine große Zahl von Hoteliers und Betreibern der Individualrestaurants, von Pensionen und Cafés hat Angst vor der Zukunft. Auch Prominenz bleibt nicht verschont. Am Donnerstag hat die TV-bekannte Sarah Wiener für ihre Unternehmen Insolvenz angemeldet.

          17.885 umsatzsteuerpflichtige Betriebe mit einem Gesamtumsatz von sechs Milliarden Euro zählte in Vor-Corona-Zeiten das Gastgewerbe allein in Hessen. Laut einer Statistik des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands waren unter diesen Betrieben 3001 Hotels mit 218.060 Betten. Wenn eintritt, was der Verband befürchtet, könnten diese Zahlen sehr bald drastisch nach unten korrigiert werden müssen.

          Besondere Sorge haben die Betreiber von Clubs und Diskotheken. Sie haben nach wie vor keinerlei Möglichkeiten, aus eigener Kraft etwas zu verdienen. Sie dürfen noch immer nicht öffnen, und wann sie es wieder können, ist unklar. Mit einigem Recht beklagen die Betreiber das. Und bei allem Verständnis für die Nöte der Politik, in schwierigen Zeiten die richtigen Entscheidungen zu treffen: Hier schuldet das Land Hessen Gespräche und Konzepte.

          Jacqueline Vogt

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung, verantwortlich für den Rhein-Main-Teil der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

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