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Nach Corona-Zwangspause : Jugendherbergen kämpfen ums Überleben

Regelkunde: Am Buffet in Wiesbaden müssen Herbergsgäste eine Maske tragen. Bild: Marcus Kaufhold

Gut 80 Prozent weniger Umsatz wegen der Corona-Krise, keine Schulklassen bis Februar 2021 – die 33 Jugendherbergen in Hessen stehen vor tiefen Einschnitten.

          4 Min.

          Die Krise der hessischen Jugendherbergen verschont nicht einmal das Zentrum der Hausmacht. Wegen der Corona-Pandemie und der dadurch fehlenden Einnahmen sind die Kassen so leer, dass der gemeinnützige Trägerverein der 31 eigenen und zwei Partner-Herbergen in Hessen zum Jahresende seine Frankfurter Geschäftsstelle aufgeben muss. Das spart rund 50.000 Euro Miete im Jahr. Um die Geschäfte weiterführen zu können, ziehen die Mitarbeiter in ein Stockwerk der Bad Homburger Herberge. Der Vorstandsvorsitzende Timo Neumann sagt: „Das ist schon ziemlich einschneidend.“

          Tobias Rösmann

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Eigentlich war der Verein auf einem guten Weg. Acht Millionen Euro hatte er in den vergangenen Jahren gespart, wie Neumann sagt. Mit dem Geld sollten die maroden Herbergen in Marburg – ein Premiumstandort – und in Rüdesheim neu gebaut sowie das Haus in Wetzlar grundsaniert werden. Doch daran ist jetzt nicht mehr zu denken. Seit dem Lockdown Mitte März ist der Umsatz derart eingebrochen, dass die Investitionssumme nach und nach aufgezehrt wird, um eine Insolvenz zu vermeiden. Etwa die Hälfte des Geldes ist schon weg. Neumann schätzt, dass die übrigen vier Millionen Euro bis Mai 2021 dahingeschmolzen sein werden. Dabei war der Investitionsstau schon vor der Corona-Krise auf den gigantischen Betrag von 75 Millionen Euro geschätzt worden.

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