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Förderung des Radverkehrs : Mainzer nutzen häufiger das Fahrrad

Engstelle: Auf der Großen Langgasse müssen Radfahrer einen Balanceakt vollführen, um sicher durchzukommen. Bild: Marcus Kaufhold

Die hochverschuldete Stadt tut sich schwer, ihre Radwege einigermaßen in Schuss zu halten. Ein seit vielen Jahren erhofftes Projekt könnte aber dennoch wahr werden.

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          Die Idee für ein überdachtes Fahrradparkhaus am Mainzer Hauptbahnhof ist schon mehr als ein Vierteljahrhundert alt. Nun sieht es so aus, als könne das Projekt mit Geld, das die Stadt von Bauherren verlangt, die nicht genügend Parkplätze nachweisen, realisiert werden. Die Stellplatzablöse ermöglicht es laut Verkehrs- und Umweltdezernentin Katrin Eder (Die Grünen) darüber hinaus, bald mehrere kleine Vorhaben in die Tat umzusetzen, die das Radfahren attraktiver machen sollen. Dazu gehöre der Kauf von 100 Anlehnbügeln aus Edelstahl, die zum sicheren Radabstellen in der Altstadt gedacht seien.

          Markus Schug

          Korrespondent der Rhein-Main-Zeitung in Mainz und für den Kreis Groß-Gerau.

          Auch das Auftragen von Fahrrad-Piktogrammen auf dem Asphalt stark frequentierter Strecken in der City, wie etwa die Hindenburgstraße, soll in den nächsten Tagen erledigt werden. Außerdem will die Stadt laut Eder etliche den Sommer über marode Radwege, zum Beispiel den Milchpfad zwischen Zahlbach und der Oberstadt, sanieren und weitere Stadtteil-Routen ausweisen.

          Aus anderen Töpfen finanziert werden

          Dass in der hochverschuldeten Kommune nicht wirklich viel Geld für die Förderung des Radverkehrs zur Verfügung stehe, gestand Eder gestern in einem Pressegespräch ein. Im Doppelhaushalt 2017/18 seien für beide Jahre zusammen nur 250.000 Euro vorgesehen. Großprojekte, wie das in der nächsten Woche abermals den Verkehrsausschuss beschäftigende Fahrradparkhaus müssten deshalb aus anderen Töpfen finanziert werden. Vorgesehen und auch auf den Weg gebracht ist eine Abstellstation für bis zu 2000 Räder, Pedelecs und E-Bikes unter der Hochstraße. Weil es dort auch eine kleine Servicestation geben soll, werde sozusagen nebenbei noch ein aktiver Beitrag für mehr Sicherheit am Bahnhof West geleistet, so die Hoffnung der Stadtratsmehrheit. Dass im überschaubaren Mainz inzwischen jede fünfte Innenstadt-Strecke mit dem Rad zurückgelegt wird, hat eine Mobilitätserhebung im Herbst 2016 ergeben.

          Mit einem Anteil von gut 20 Prozent am Verkehrsaufkommen (2008: 11,8 Prozent) liege man im bundesweiten Vergleich schon ziemlich weit vorne, sagte Eder. Was nicht zuletzt mit Blick auf die Feinstaub-Debatte als positiv zu bewerten sei. Dabei bedauert die Politikerin, dass es den meisten Akteuren nicht um eine konsequente Verkehrswende, sondern „nur um eine Antriebswende plus ein wenig Digitalisierung“ gehe. Auch deshalb vertraue sie weiterhin eher auf Hilfe aus dem Bundesumweltministerium, etwa in Form des Programms „Klimaschutz durch Radverkehr“, als auf Mittel des Bundesverkehrsministeriums, das wohl vorrangig den Kauf von Elektro- und Brennstoffzellenbussen fördern werde.

          Zu den Mainzer Vorzeigeprojekten gehört laut Eder das von der Verkehrsgesellschaft seit 2012 auf- und ausgebaute Fahrradvermietsystem „MVG Mein Rad“, das rund 26.000 registrierten Kunden in der Stadt rund um die Uhr an mehr als 100 Stationen etwa 1000 der melonengelben Fortbewegungsmittel zur Verfügung stellt. Mittlerweile sei auch die Zusammenarbeit mit Ingelheim und Wiesbaden vereinbart, so dass man von einem regionalen und noch weiter wachsenden Nahverkehrsprojekt sprechen könne.

          Gemeinsam mit Wiesbaden möchte man möglichst auch eine Verbesserung an der von der Ingelheimer Aue nach Amöneburg führenden Kaiserbrücke erreichen. Geplant sei, wenn es dafür eine Bundesförderung gebe, die historische Eisenbahnquerung über den Rhein an beiden Kopfenden durch spiralförmige Auf- und Abgänge so umzugestalten, dass Radfahrer besser und schneller vorankämen. Aufwertungen kündigte Eder zudem für die Rheinpromenade zwischen Kaisertor und Theodor-Heuss-Brücke an, die als Teil des internationalen Rheinradwegs endlich einen neuen Belag erhalten müsse.

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