https://www.faz.net/-gzg-9lh3f

Leichen bei Egelsbach geborgen : Klärung des Absturzes „kann auch Jahre dauern“

  • Aktualisiert am

Nahaufnahme: Ein Mitglied des Ermittler-Teams macht sich ein Bild von der Unglücksmaschine, die bei Erzhausen auf einem Acker aufschlug Bild: dpa

Nach dem Absturz eines Kleinflugzeugs unweit von Egelsbach sollen auch russische Ermittler nach der Ursache forschen. An Bord war offenbar eine der reichsten Frauen Russlands. Die Opfer sind mittlerweile geborgen.

          Nach dem Absturz eines Kleinflugzeugs in Südhessen mit drei Toten ist klar: Unter den Opfern ist nach russischen Angaben eine russische Managerin. Diese Information mochte die Staatsanwaltschaft Darmstadt aber nicht bestätigen. Derweil gehen die Ermittlungen zur Unfallursache weiter. Die Bergung der Opfer ist abgeschlossen. Die Leichen sollen morgen obduziert werden. Die Staatsanwaltschaft Darmstadt erhofft sich von der gerichtsmedizinischen Untersuchung weitere Erkenntnisse.

          Kriminaltechniker und Experten der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung vermaßen am Vormittag die Absturzstelle und fotografierten das Wrack. Sie wollen bis zum 25. Mai einen ersten Zwischenbericht vorlegen. Wie es zu dem Absturz des Propellerflugzeugs vom Typ Epic am Sonntag bei Erzhausen kam, ist weiterhin unklar.

          Ursachenklärung kann lange dauern

          Ein Zwischenbericht werde erfahrungsgemäß nur den Sachstand beschreiben und noch nichts über die Ursache des Absturzes aussagen, hieß es von der BFU. Die endgültige Klärung dieser Frage könne „Wochen, Monate, auch Jahre dauern“, sagte ein Sprecher. Die Maschine habe „vermutlich keinen“ Flugschreiber besessen.

          Im Tagesverlauf werden russische Experten eintreffen, um den deutschen Kollegen bei der Suche nach der Absturzursache zu helfen. Das sagte der stellvertretende Leiter des russischen Zwischenstaatlichen Luftverkehrskomitees (MAK), Sergej Sajko, der Agentur Tass in Moskau. „Der Staat, dessen Flugzeug abgestürzt ist, ist immer an der Zusammensetzung der Untersuchungskommission beteiligt“, sagte Sajko. „Sollte es notwendig sein, sind wir bereit, beratend zu helfen und Hilfe zu leisten bei der Auswertung der Flugschreiber, sollten diese gefunden werden.“

          Bei frühlingshaftem Wetter abgestürzt

          Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchungen war bereits am Sonntag eingeschaltet worden. Die Maschine war am Sonntagnachmittag bei frühlingshaftem Wetter in ein Spargelfeld bei Erzhausen nahe Darmstadt gestürzt und sofort ausgebrannt. Warum das Flugzeug abstürzte, ist bislang unklar.

          Am späten Sonntagabend wurden erste Informationen zu den Opfern bekannt: So war die prominente russische Geschäftsfrau Natalija Filjowa an Bord. Die Miteigentümerin der S7-Fluggesellschaft sei im Alter von 55 Jahren bei dem Unglück gestorben, teilte das Unternehmen der Deutschen Presse-Agentur in Moskau mit. „Das ist ein unwiederbringlicher Verlust“, sagte eine Sprecherin. Filjowa sei eine inspirierende Managerin und wunderbare Frau gewesen.

          Der Ehemann der abgestürzten Millionärin Natalija Filjowa, Wladislaw Filjow ist offenbar der Hauptinvestor von Epic Aircraft, dem Hersteller des verunglückten Flugzeugs, wie das Fachportal Aerobuzz berichtet. Er hatte sich demnach bei Epic eingekauft und wollte das Flugzeug unter dem neuen Namen EPIC E1000 zur Luftfahrtzulassung in den Amerika bringen und die Maschine dann in Amerika in Serie bauen. Russischen Medien zufolge war auch ihr Vater mit in dem Flugzeug.

          Die Polizei bestätigte die Identitäten zunächst nicht – sprach aber von zwei russischen Staatsangehörigen. Zu dem Piloten der Maschine gab es zunächst keine Informationen.

          Spurensuche: Experten nehmen das Unglücksflugzeug in Augenschein Bilderstrecke

          Besonders tragisch war, dass es kurz nach dem Flugzeugunglück zu einem weiteren schweren Unfall kam. Ein Streifenwagen, der unterwegs zur Absturzstelle war, wurde frontal von einem entgegenkommenden Auto erfasst. Dessen Fahrer hatte nach ersten Erkenntnissen nach einem Überholmanöver die Kontrolle über sein Fahrzeug verloren, das auf die Gegenspur geriet und dort mit dem Streifenwagen zusammenprallte. Der 24 Jahre alte mutmaßliche Unfallverursacher und eine 22 Jahre alte Frau starben, drei Polizeibeamte wurden schwer verletzt. Die Toten sollen morgen obduziert werden. Die Polizisten sind außer Lebensgefahr.

          Das Kleinflugzeug mit sechs Sitzen war nach Angaben der Deutschen Flugsicherung am Sonntagnachmittag im französischen Cannes gestartet. Wenige Minuten vor dem Absturz habe sich der Pilot bei der Deutschen Flugsicherung abgemeldet, um sich beim Tower des Flugplatzes Egelsbach für die Landung anzumelden. Bei der Maschine handelt es sich um ein Flugzeug vom Typ Epic E1000. Weil bei dem Absturz Schadstoffe freigesetzt wurden, gestalteten sich die Bergungsarbeiten für die Retter sehr schwierig.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Charismatisch und skrupellos : Was will Boris Johnson?

          Er ist Held der englischen Nationalisten und Favorit für den Vorsitz der Konservativen. Einen echten Plan für den Brexit hat der begabte Scharlatan noch immer nicht.

          FAZ Plus Artikel: Eurofighter-Absturz : 50 Meter an der Katastrophe vorbei

          Ein Pilot stirbt, einer ist schwer verletzt – schlimm genug. Bei der Suche nach Wrackteilen der abgestürzten Eurofighter in Mecklenburg zeigt sich, dass es noch schlimmer hätte kommen können.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.