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Flugsimulatoren : Die Landung glückt immer

  • -Aktualisiert am

Attacke: Auch als Kampfjet-Pilot können sich die Kunden ausprobieren. Bild: Rüchel, Dieter

Das Unternehmen Happy Landings bietet Flugsimulatoren für Laien und Profis an - ein erfolgreiches Start-up.

          Frankfurt. Vom neuen Frankfurter Flugplatz starten nur zwei Maschinen, und das auch noch ziemlich holprig. Beim Anfahren rollte die Boeing erst auf die grüne Wiese, dann wäre das Fahrwerk fast zu früh eingefahren worden und der große Flieger hätte auf seinem Bauch gelegen. Aber irgendwie klappt es dann doch, und der Vogel hebt ab. Über Frankfurt ist alles ruhig, nur an die Landung will man jetzt noch gar nicht denken. Wie beruhigend, dass am Ende alles eine Illusion ist - wenn auch eine gute. Angeblich so nah am echten Pilotenleben, dass auch ausgebildete Flugzeugführer nach Nieder-Eschbach kommen, um sich in den Flugsimulatoren des Unternehmens Happy Landings auf ihre Bewerbungen bei Fluggesellschaften vorzubereiten.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Hierher können aber auch alle die kommen, die zuvor noch nie im Cockpit einer Personenmaschine saßen und einmal abheben wollen. Sie betreten dann eine graue Halle, darin ein paar Stühle und Tische, die Sofas aus grobem Stoff und eine Theke aus bloßem Beton - der Chef nennt es „Hangar-Style“. Darin eingelassen sind zwei schwarze Boxen, die als Cockpit fungieren. Zur Auswahl stehen ein Airbus 320 und eine Boeing 737. Oben auf einer Galerie stehen noch zwei weitere Simulatoren, in denen man im Kampfjet F-16 über den noch nicht zerstörten Pearl Harbor düst. Auf einigen bequemen Sofas können Freunde zugucken. Seien größere Gruppen da, werde es manchmal richtig laut, sagt Geschäftsführer Fabian Hildenbrand. Zwischen 99 und 159 Euro die Stunde kostet der Spaß.

          Die Kunden sind überwiegend männlich

          In der ganzen Technik steckt eine Menge Geld: Insgesamt eine Million Euro investierten Hildenbrand und seine beiden Kollegen, die Gesellschafter von Happy Landings sind. Seit 20 Jahren kennen sich die drei. Hildenbrand musste mit 17 Jahren seinen Traum als Verkehrspilot aufgeben, als der Arzt bei der Musterung von einer Sehschwäche sprach. Viele Jahre danach kamen seine beiden Freunde mit der Idee, Flugsimulatoren aufzustellen. Drei Jahre ist das her. Seit acht Monaten gibt es das Unternehmen nun. Die Idee kommt gut an: Von Anfang an wurde kostendeckend gearbeitet, wie Hildenbrand sagt, sieben Mitarbeiter hat er eingestellt, und den ersten Platz beim Frankfurter Gründerpreis gab es auch noch. Das ist für acht Monate schon eine ganze Menge, aber Hildenbrand plant noch mehr. Er spricht vom Vertrieb der Simulatoren. Und von Franchising. Der frühere Werbefilmproduzent glaubt, ein gutes Gespür für Werbung und Unterhaltung zu haben.

          Wo liege das Fliegen näher als in Frankfurt? Außer den Berufspiloten kommen auch Hobbypiloten vorbei, die einmal ihre Cessna gegen eine Passagiermaschine tauschen wollen. Die Kunden sind überwiegend männlich. Die Frauen kommen meistens nur vorbei, um Gutscheine zu kaufen.

          Bis auf den Geschäftsführer können alle Mitarbeiter fliegen, denn es werden nur Piloten eingestellt. Einige von ihnen arbeiten nebenberuflich bei Happy Landings und steuern nach wie vor auch echte Flugzeuge über den Atlantik. Bevor es ins nachgebaute Cockpit geht, setzen sie sich mit den unerfahrenen Kunden zunächst einmal an einen Tisch und klären ganz nüchtern einige Fragen: Warum fliegt eigentlich ein Flugzeug? Dann beginnt der aufregendere Teil, der Kunde sitzt links am Ruder, der Pilot rechts daneben und gibt Anweisungen. Geflogen werden kann überall, mit HD-Technik und einer Leinwand, die 180 Grad um das Cockpit reicht, in guter Qualität. Die Simulatoren, die die Lufthansa zur Pilotenausbildung nutzt, kosten nicht 250.000 Euro wie die aus Nieder-Eschbach, sondern eine Million. Bei den teuren Modellen bewegt sich zusätzlich das Cockpit, diese Hydraulik macht die Geräte so teuer. Bei Happy Landings versucht man dagegen mit realistischer Grafik zu überzeugen. Und der Computer sorgt dafür, dass die Landung am Ende immer glückt.

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