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Fluglärmgegner : Der Aufstand der Bürger geht weiter

Zu einem „Mainstream-Thema“ geworden

Mader, früher einmal FDP-Wähler, ist der Ansicht, dass die Grünen die einzige verbliebene bürgerliche Partei sind. Gleichwohl ist ihm nicht entgangen, dass sich gerade die Frankfurter Grünen beim Thema Fluglärm tief weggeduckt haben, um die Koalition mit der CDU im Römer nicht in Gefahr zu bringen.

Chirurg Krauß ist mit dem ersten Jahr des neuen bürgerlichen Widerstands sehr zufrieden. „Der Fluglärm ist zu einem Mainstream-Thema geworden. Der Protest hat einen sicheren OB verhindert und auch den Titel Green City für Frankfurt“, stellt er nicht ohne Genugtuung fest. Tatsächlich hatte sich Frankfurt bei der EU als „grüne Hauptstadt“ 2014 beworben. Geworden ist es Kopenhagen. Es ist nicht zweifelsfrei zu sagen, ob das nur am Frankfurter Fluglärmprotest gelegen hat. Immerhin hatte der Juryvorsitzende und Generaldirektor der Sektion Umwelt der EU-Kommission, Karl Falkenberg, zuvor in Brüssel Krauß und die langjährige Flughafenausbaugegnerin Ursula Fechter empfangen. „Wir haben damit hoffentlich zeigen können, dass eine Kommune die Bürger nicht einfach so verarschen kann“, kommentiert Krauß.

SPD aufgescheucht

Der Politik wollen die neuen Protestbürger auch weiterhin keine Ruhe lassen. Der Christdemokrat Michael Boddenberg, Minister für Bundesangelegenheiten in der hessischen Landesregierung, werde das Mandat im südlichen Frankfurter Wahlkreis37 bei der Landtagswahl im Herbst jedenfalls gewiss nicht mehr gewinnen, ist Mader überzeugt.

Aber auch die Sozialdemokraten werden von umtriebigen Bürgern aus dem Frankfurter Süden neuerdings ordentlich aufgescheucht: Um in den für Niederrad, Oberrad und Sachsenhausen zuständigen Ortsvereinen als Wahlkreiskandidaten für die Landtagswahl Ralf Heider durchzusetzen, der, wie sie selbst, die Schließung der neuen Landebahn erreichen möchte, wollten unlängst drei Dutzend Anti-Fluglärm-Aktivisten in die SPD eintreten. Die Parteigremien in den südlichen Stadtteilen zeigten sich irritiert. Sie befürchteten, dass den gutbürgerlichen Neumitgliedern die richtigen Motive fehlten. Doch alsbald dachte man innerhalb der SPD um, die Parteiführung griff ein. Inzwischen ist ein großer Teil der Antragsteller tatsächlich aufgenommen worden.

Die montäglichen Demonstrationen soll es weiter geben

Noch befremdlicher als das Zaudern der Genossen ist für viele Bürger allerdings der Zuruf des hessischen Justizministers Jörg-Uwe Hahn (FDP), die Fluglärmgegner mögen halt eine eigene Partei gründen. Nicht nur Mader empört diese Einlassung. Auch viele seiner Mitstreiter in den Bürgerinitiativen sehen darin nichts als den Versuch, die Fluglärmgegner auszugrenzen. Was auch immer Hahn tatsächlich bezwecken wollte, sicher ist, die etablierte Politik tut sich ziemlich schwer mit den Protestbürgern.

Die Niederräder resümieren nach gut einem Jahr zwar auch, dass es bei allem Unmut wichtig sei, das eigene Leben weder vom Fluglärm noch vom Protest dagegen vollends beherrschen zu lassen. Die Planungen der drei Vorkämpfer und ihrer Mitstreiter für dieses Jahr sind trotzdem anspruchsvoll: So wollen sie vor allem dafür sorgen, dass der Fluglärm im hessischen Landtagswahlkampf ein zentrales Thema wird - so, wie er es im Oberbürgermeister-Wahlkampf war.

Die montäglichen Demonstrationen im Termina l1 des Flughafens, die die Lärmgegner seit Eröffnung der Landebahn veranstalten und zu der immer mehrere hundert, oft auch mehrere tausend Frauen und Männer gekommen sind, wird es weiter geben. Jedenfalls sind sie schon für das ganze Jahr genehmigt. Dass es Kraft kostet, verhehlen Krauß, Heinrich und Mader nicht. Doch von Ermüdung oder gar Resignation ist auch gut 15 Monate nach dem Entschluss, gegen die vierte Bahn aufzustehen, nichts zu spüren. Sie werden weiter protestieren.

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