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Fluglärmgegner : Der Aufstand der Bürger geht weiter

„Lärmterror“

Trotzdem sei es abwegig, ein Projekt, das derart gravierende Folgen für Gesundheit, Lebensqualität und Eigentum so vieler Menschen habe, nur deshalb als unwiderruflich zu betrachten, weil viele der Neubetroffenen die Folgen des Ausbaus eben unterschätzt oder gar nicht im Blick gehabt hätten, argumentiert er. Zudem hätten sich auch verantwortliche Politiker später selbst erschrocken über den Lärm und seine Folgen gezeigt.

„Wir haben uns in den letzten zwölf Monaten an den Lärmterror so gewöhnt, wie sich vielleicht ein Gefangener an seine Zelle gewöhnt.“ So beschreibt Mader das Empfinden der Menschen in Niederrad und fügt hinzu: „Das heißt aber nicht, dass wir das als lebenswert betrachten. Genau wie der Gefangene in die Freiheit will, wollen wir, dass die Tortur endet.“

Unbeirrt und streitbar

Als besonders bedrückend empfindet es Simone Heinrich, dass der Fluglärm so „unerbittlich und bestimmend“ in ihr Leben und das ihrer Familie eingreife. Freunde ziehen fort, man selbst meidet den schönen Garten, um dem Lärm zu entgehen, und bei offenem Fenster schläft die Familie ohnehin kaum mehr. Die Kinder wissen offenbar längst genau, was ihre Eltern so sehr aufbringt: Beide Jungs forderten sie inzwischen immer wieder auf, „dort“ anzurufen, um laute Flugzeuge zu melden, berichtet Heinrich.

Wie viele der neuen Aktivisten ist auch Banker Mader kein Mensch, der klagt und dann klein beigibt. Er hat elf Jahre in New York und dreieinhalb Jahre in Tokio als Investmentbanker gearbeitet, verweist aber zugleich mit Stolz darauf, ein echter Bankkaufmann zu sein. Für ein System, das Investment- und Geschäftsbank voneinander trennt, hat er schon in Fachbeiträgen plädiert, als es noch nicht en vogue war. So ruhig und achtsam der gebürtige Stuttgarter auch Gespräche führt, so unbeirrt und streitbar ist er, wenn er etwas als grundfalsch erkennt. Und die Nordwestlandebahn des Frankfurter Flughafens ist so ein Fall.

Immer schon engagiert - nun eben gegen Fluglärm

Auch die Vorgänge in seiner Geburtsstadt um das Bahnhofsprojekt „Stuttgart 21“ sind für ihn Indiz, dass sich eine neue politische Kultur in Deutschland etabliert: Die Bürger seien nicht mehr bereit, eine einmal getroffene Entscheidungen der Administration einfach zu erdulden. Dass sich in seiner Heimatstadt am Ende dann doch eine Mehrheit für den Bahnhofsbau gefunden habe, ändert für ihn daran nichts.

Engagiert ist Mader stets gewesen, in der Kirche, in der eigenen Stiftung für Scheidungswaisen, auch politisch interessiert, soweit es Beruf und Familie zuließen. Seit einem Jahr aber haben er und seine Mitstreiter das Handeln an der Basis der demokratischen Willensbildung neu für sich entdeckt. Sie haben im Ortsbeirat Verbündete gesucht und gefunden, sich mit den etablierten Bürgerinitiativen gegen den Flughafenausbau zusammengetan, um so größere politische Wirkung entfalten zu können.

Nicht von der Maximalforderung abweichen

Und es hat funktioniert: Nicht zuletzt die Empörung über den Lärm in vormaligen CDU-Hochburgen machte aus der schon sicher geglaubten Wahl des hessischen Innenministers Boris Rhein (CDU) zum Nachfolger seiner Parteifreundin Petra Roth eine krachende Niederlage eines Hoffnungsträgers der hessischen Union. Neuer Oberbürgermeister wurde der vermeintlich aussichtslose Sozialdemokrat Peter Feldmann.

Die Niederräder hatten ihm für den Fall ihre Unterstützung zugesagt, dass er sich mindestens für ein „Aufbohren“ des Nachtflugverbots von 23 bis 5 Uhr auf 22 bis 6 Uhr einsetze. Von ihrer Maximalforderung, die Bahn stillzulegen, sind die Niederräder deshalb aber nicht abgewichen. Was Feldmann am Ende wird halten können, ist ungewiss. Denn als Oberbürgermeister gehört er zwar nun dem Aufsichtsrat des Flughafenbetreibers Fraport an, weil die Stadt Frankfurt Anteilseignerin ist. Einfluss auf den Betrieb kann er deshalb aber ohne weiteres nicht nehmen.

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