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Flughafenprotest : Bürgermeister fordern Maßnahmen gegen Wirbelschleppen

  • Aktualisiert am

Protest gegen Luftwirbel: Anwohner in Flörsheim. Bild: dpa

Nicht immer kommt alles Gute von Oben. Und rund um den Flughafen kann es sogar mächtig gefährlich sein: Sogenannte Wirbelschleppen gefährden die Anwohner, meinen die Bürgermeister. Und laufen Sturm.

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          Die Bürgermeister der Städte Raunheim und Flörsheim in der Einflugschneise des Frankfurter Flughafens haben Sofortmaßnahmen gegen Luftverwirbelungen durch Flugzeuge („Wirbelschleppen“) gefordert. Flörsheims Rathauschef Michael Antenbrink (SPD) erklärte am Freitag, seine Stadt habe beim Landesverkehrsministerium die Sperrung der neuen Landebahn für bestimmte schwere Flugzeugtypen beantragt. „Die Luftaufsicht beim Ministerium muss und kann schnell handeln“, sagte er.

          Der Raunheimer Bürgermeister Thomas Jühe (SPD) forderte höhere Anflugwinkel und Sicherungsmaßnahmen an Häusern. „Leib und Leben müssen geschützt werden. Wenn es nicht anders geht durch das Befestigen der Dächer“, sagte er. Für solche Schutzvorrichtungen soll der Flughafenbetreiber Fraport zahlen, forderte Jühes Kollege Antenbrink in seinem Antrag. Fraport kündigte derweil an, Dächer von Dachdeckermeistern inspizieren zu lassen.

          Dächer würden geprüft

          Vor einer Woche hatten die Wirbelschleppen eines Flugzeugs in Flörsheim mehr als 50 Ziegel von einem Hausdach geschleudert. Nach Berichten von Augenzeugen hatte in unmittelbarer Nähe auch ein Kind gespielt. In Flörsheim gab es seit Jahresbeginn sieben dokumentierte Schäden, bei denen landende Maschinen Dachziegel herumgewirbelt oder beschädigt hatte. In Raunheim wurden nach Angaben der Stadt seit 2001 über 60 Fälle gezählt. Die Dunkelziffer sei aber wohl weit höher, sagte Bürgermeister Jühe. Allein in Raunheim lebten rund 10.000 Menschen in Gebieten, in denen Schäden durch Wirbelschleppen drohten.

          Ein Fraport-Sprecher sagte, noch vor der Sommerpause würden die Dächer in bestimmten Gebieten in Raunheim und Flörsheim geprüft. Auch besorgte Bürger außerhalb der festgelegten Zonen könnten sich melden. Zudem soll das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt das Problem der Luftwirbel wissenschaftlich untersuchen. Konkretere Maßnahmen sollten nach dem Sommer umgesetzt werden, sagte der Sprecher.

          „Erschreckende Ignoranz“

          SPD-Landeschef Thorsten Schäfer-Gümbel forderte bei einem Besuch in Flörsheim und Raunheim ebenfalls ein rasches Handeln von Behörden und Fraport. „Das Thema wurde offensichtlich unterschätzt“, sagte er vor einem der beschädigten Häuser in der Einflugschneise des Flughafens. Schäfer-Gümbel warf Verkehrsminister Florian Rentsch (FDP) vor, er habe zögerlich reagiert.

          Rentsch hatte am Vortag erklärt, die Wirbelschleppen-Schäden müssten rasch untersucht werden. Seien die Gründe bekannt, könne über Konsequenzen entschieden werden. Der FDP-Landtagsabgeordnete Stefan Müller begrüßte die Linie: „Erst wenn wir die Ursache, sei es ein bestimmter Flugzeugtyp oder eine Windkonstellation, geklärt haben, können entsprechende Maßnahmen ergriffen werden.“

          Die Grünen warfen Rentsch dagegen „erschreckende Ignoranz“ vor. Man dürfe nicht auf ein Gutachten am Sankt-Nimmerleins-Tag warten, sagte der Landtagsabgeordnete Frank Kaufmann laut Mitteilung. Bis die Ursachen der bisherigen Unfälle analysiert seien, müsse die Flugsicherung veranlasst werden zu prüfen, wie besonders schwere Maschinen so landen könnten, dass solche Schäden vermieden werden.

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