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Frankfurter Flughafen : Ardi Goldman bestreitet Korruption

„Ich bin ein ehrlicher Kaufmann“, sagt Ardi Goldman. Bild: dpa

Der Schmiergeld-Prozess um Cargo City Süd geht in eine neue Runde: Bei der Grundstückvergabe im Frachtbereich des Frankfurter Flughafens habe er kein Schmiergeld gezahlt, sagt Investor Ardi Goldman. Damit steht er aber ziemlich alleine da.

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          Der Frankfurter Projektentwickler Ardi Goldman hat bestritten, bei seinem Engagement in der Cargo City Süd des Flughafens durch Bestechung zum Zug gekommen zu sein. Er habe solche Machenschaften weder initiiert noch gebilligt, sagte er in dem Prozess vor einer Großen Strafkammer des Frankfurter Landgerichts. Er ist zusammen mit den Unternehmern Jürgen Harder und Kai Peter B. sowie dem Makler Uwe-Günter S. angeklagt. Die vier sollen dem früheren Fraport-Abteilungsleiter VolkerA. insgesamt mehrere hunderttausend Euro dafür gezahlt haben, dass er sie in den Jahren 2006 bis 2008 bei der Vergabe von Erbbaupachtverträgen für Grundstücke auf dem Logistikareal bevorzugte.

          Helmut Schwan

          Redakteur in der Rhein-Main-Zeitung.

          Während Goldmans Mitangeklagte an den ersten beiden Prozesstagen die Vorwürfe weitgehend bestätigt und Goldman belastet hatten, wies dieser die Anklage unter anderem mit der Begründung zurück, für ihn habe es weder ein Motiv noch eine Veranlassung zur Korruption gegeben; er sei ein ehrlicher Kaufmann. Für das Projekt Cargoport sei er der einzige Kandidat gewesen. Einen Wettbewerb, den er hätte illegal beeinflussen können, habe es gar nicht gegeben. Schon bevor MaklerS. angeblich den Fraport-Abteilungsleiter A. einschaltete, habe er, Goldman, mit dessen Vorgesetzten eine Übereinkunft erzielt, dass er das Grundstück in Erbpacht erwerbe. Goldman sagte, seine Verhandlungspartner von Fraport hätten dafür eine Art Einstiegsprämie von einer Million Euro verlangt. Goldman baute vor acht Jahren ein zweigeschossiges Logistikzentrum, seiner Darstellung nach bis zu diesem Zeitpunkt einzigartig in Deutschland. Später veräußerte er das Objekt mit knapp 14 Millionen Euro Gewinn an einen Immobilienfonds.

          Benders Bitte

          In seiner mehr als einstündigen Einlassung schilderte Goldman seine bewegte Jugend zwischen Israel und Frankfurt. Er berichtete, wie er einen Autounfall überlebte, bei dem sein Vater und zwei Schwestern starben, und wie sich seine Liebe zur Stadt am Main entwickelt habe. Ausführlich beschrieb er seine Projekte wie die Neugestaltung des ehemaligen Unionsgeländes und die von ihm wesentlich vorangetriebene Entwicklung des Ostends und der ehemaligen Diamantenbörse. Außerdem wies er darauf hin, dass er für den Erhalt historischer Bausubstanz und kreative architektonische Gestaltung Preise gewonnen habe.

          Mit Fraport kam er seiner Darstellung nach erstmals vor zehn Jahren in Kontakt. Der damalige Vorstandschef Wilhelm Bender habe ihn gebeten, in einem Beirat für die Entwicklung des Retailgeschäftes, das heißt der Vermarktung der Terminals, mitzuarbeiten. Während der Sitzungen habe er auf die Cargo City Süd geschaut und nachgefragt, wer dort baue. Es seien ihm Investoren aus Düsseldorf und München genannt worden, aber keiner aus Frankfurt. Da habe er spontan gesagt, er habe auch Interesse. Goldman bestritt, er habe jemals davon gewusst, dass sein langjähriger Geschäftspartner S. die Hälfte der Provision an den Fraport-Mann A. weitergab. Er selbst habe stets „in höheren Sphären“ verhandelt und A. nur um Rat gefragt, wenn es um technische Dinge gegangen sei.

          Schlagabtausch mit dem Richter

          2010 hatte Harder unter dem Motto „Wir sitzen alle in einem Boot“ zu einem Treffen auf seiner Yacht bei Mallorca gebeten. Goldman sollte S. von einer Zivilklage gegen die beiden abhalten, weil sie fürchteten, dadurch käme alles ans Licht. Das Treffen habe nur eine Viertelstunde gedauert, erinnerte sich Goldman. Er habe den beiden gesagt, er wisse nichts über Schmiergeld, das über Liechtenstein geflossen sei. Er sei „sauer“ gewesen, weil er eigentlich mit Freunden am Abend Fußball habe schauen wollen.

          Goldman lieferte sich einen Schlagabtausch mit dem Kammervorsitzenden Christoph Erhard über die Frage, weshalb er, Goldman, den Zuschlag in der Cargo City bekommen habe, obwohl er in der Logistikbranche unerfahren gewesen sei. Auf die Replik des Angeklagten, dass er, Richter Erhard, wohl nicht zum Zuge gekommen wäre, sagte dieser: „Da habe ich aber Glück gehabt.“ Der Prozess wird fortgesetzt.

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